Quelle: Aline Papenheim
Ausstellung: „Im Wald hinter dem Haus meines Vaters“ im Berghaus – Akademie für Kunst und Kultur in Sundern-Stockum
Manche Geschichten beginnen nicht in großen Städten, nicht in Museen oder Akademien. Sie beginnen auf einer Treppe hinter dem Elternhaus. Dort, wo der Wald anfängt. Dort, wo Erinnerungen Wurzeln schlagen.
Für die aus Endorf stammende Künstlerin Aline Papenheim ist genau dieser Wald bis heute Ursprung ihrer Arbeit. „Ich sage gerne, dass mich neben meinen Eltern der Wald aufgezogen hat“, erzählt sie. Hinter dem Haus ihres Vaters liegen Kindheit, Familiengeschichte und gesellschaftliche Fragen dicht nebeneinander: Bombenkrater aus vergangenen Kriegen, Hexenfelsen aus Kindheitsfantasien, Pilze im Herbstlaub, Rehe zwischen den Bäumen, Jäger auf Hochsitzen und die Ahnung, dass unter der sichtbaren Oberfläche noch viele andere Wirklichkeiten existieren.
Seit dem 7. Juni zeigt Papenheim ihre Arbeiten bis zum 7. August im Berghaus in Sundern-Stockum. Es ist eine Ausstellung über Herkunft und Veränderung. Über Natur und Identität. Über Angst vor dem Fremden und die Kraft von Neugier.
Quelle: Aline PapenheimSchon als Kind war der Wald für sie ein magischer Ort. „Später habe ich gelernt, ihn als Plantage für die deutsche Industrie zu verstehen“, sagt sie. Heute existierten beide Bilder gleichzeitig in ihr: der Zauber und die Nutzung, die Schönheit und die Gewalt. Genau diese Widersprüche prägen ihre künstlerische Sprache. Dabei geht es der 1997 geborenen Fotografin und Kommunikationsdesignerin nie um einfache Antworten. Vielmehr stellt sie Fragen: Was verbindet Menschen trotz aller Unterschiede? Wie entstehen Fremdheit und Vorurteile? Und wie sehr hängt unser Blick auf die Welt von Sprache und gesellschaftlichen Normen ab?
Beziehungen. Widersprüche. Vielfalt
Der Weg führte sie dafür weit über das Sauerland hinaus: Nach Stationen in Bestwig und Aachen absolvierte sie ihren Masterstudiengang „Photography & Society“ an der renommierten Royal Academy of Arts in Den Haag. Doch die Bilder, die dort entstanden, führen immer wieder zurück nach Endorf. Zurück in den Wald. Besonders eindrucksvoll beschreibt Papenheim ihre Begegnungen mit den Jägern im heimischen Revier. Lange Zeit habe sie diese verurteilt, erzählt sie offen. Zu groß sei ihre Identifikation mit den Rehen gewesen – mit Wesen, die in einem kontrollierten Wald leben und doch nie wirklich frei seien. Erst durch Gespräche und gemeinsame Jagdgänge habe sich ihr Blick verändert. „Ich habe erkannt, was uns verbindet“, sagt sie. „Wir teilen denselben menschlichen Körper, dieselbe Verletzlichkeit und dieselbe Abhängigkeit von der Natur.“ Genau darin liegt die Stärke ihrer Arbeiten: Sie wollen nicht belehren. Sie wollen sichtbar machen. Beziehungen. Widersprüche. Vielfalt. „Vielfalt ist etwas Natürliches“, sagt Papenheim. „Die eigentliche Frage ist, ob wir bereit sind, hinzuschauen und neu zu sehen.“
Die Ausstellung im Berghaus – Akademie für Kunst und Kultur in Sundern-Stockum ist weit mehr als eine klassische Fotoschau. Sie ist Einladung zum Nachdenken. Über den Wald. Über Heimat. Über Menschen. Und über die Wirklichkeiten, die oft gleichzeitig existieren, ohne dass wir sie sofort erkennen.
Ausstellung
„Im Wald hinter dem Haus meines Vaters“
mit Arbeiten von Aline Papenheim
7. Juni bis 7. August 2026
Berghof Stockum, Sundern-Stockum
Mehr zur Künstlerin und zum bereits erschienenen WOLL-Beitrag:
https://woll-magazin.de/im-wald-hinter-dem-haus-meines-vaters/
Außerdem im WOLLcast Pauerland:



