Zwischen Pinselstrich und Kirchenlicht

Detlef Galle-Eickhoff

Detlef Galle-Eickhoff aus Salwey

Detlef Galle-Eickhoff, Küster in Salwey und leidenschaftlicher Maler, entdeckte seine kreative Ader schon in jungen Jahren: Als Kind kritzelte er mit einem Stöckchen in den Sand, versunken in Formen und Fantasie, als hätte er nie etwas anderes getan. Der Patenonkel seiner Großmutter, ein professioneller Künstler, sah ihm dabei zu und sagte jenen Satz, der heute beinahe wie eine Prophezeiung klingt: „Aus dem wird mal was.“

Bereits in der Grundschule schlug sein Herz für Farben und Formen, doch erst ein VHS-Kurs bei der renommierten Künstlerin Elke Frommhold entfachte die Gewissheit: „Das ist absolut meins!“ Von diesem Moment an war klar, dass er am Ball – oder eher gesagt am Pinsel – bleiben würde.
Heute ist er Mitglied einer festen Malgruppe, die sich alle 14 Tage trifft. Gemeinsam werden Techniken verfeinert und neue Kniffe ausprobiert. Er selbst sagt jedoch, dass er das Malen nie wirklich erlernt habe.
Es sei ihm schlichtweg in die Wiege gelegt worden. Geduld, so verrät er, zähle hingegen nicht zu seinen Tugenden. Die langsame, zähe Trocknungszeit von Ölfarben hat ihn deshalb rasch zur Acrylmalerei getrieben. Auch Aquarelle hat er in der Vergangenheit ausprobiert, doch die fließende Unbestimmtheit dieser Technik liegt ihm ebenso wenig wie das geduldige Warten auf Öl.

Profil mit Pinsel

Kirchenbilder

Heute schöpft er fast ausschließlich aus dem Acryl-Malkasten. Doch was bringt er auf die Leinwand? Sein bevorzugtes Terrain ist zweifellos die Porträtmalerei, bei der er besonderen Wert auf fotorealistische Genauigkeit legt. „Ich brauche für eine Blume oder eine Landschaft länger als für drei Gesichter“, bemerkt er schmunzelnd.

Die Quellen seiner Inspiration sind vielseitig: Neben Auftragsarbeiten – etwa Porträts Verstorbener für trauernde Angehörige – ist es sein tief verwurzelter christlicher Glaube, der in vielen seiner Werke sichtbar wird. Detlef Galle-Eickhoff findet seine Inspiration nicht nur im monumentalen Rahmen weltberühmter Kirchen wie dem Petersdom in Rom, sondern auch in den stilleren Winkeln heimischer Gotteshäuser, in denen er immer wieder Details entdeckt, die ihn fesseln – allem voran die leuchtenden Augen bei einem Porträt. Die tiefe Verbundenheit mit der christlichen Kunst fand ihren Höhepunkt in einem seiner ehrgeizigsten Vorhaben: der malerischen Interpretation des Vaterunsers. Inspiriert von Elke Frommholds eindrucksvoller Umsetzung des 23. Psalms reifte in ihm der Entschluss, auch dieses zentrale Gebet in eine bildnerische Erzählform zu überführen. „Ich liebe Herausforderungen“, erklärt er und blieb dieser Vision treu, selbst als sie ihn mit Zweifeln, Umwegen und immer neuen Anläufen konfrontierte.

Ebenso begeistert wendet er sich auch anderen Motiven zu – mit einem Augenzwinkern und einem ausgeprägten Sinn für Humor. In einer Serie mit dem Titel „Lustige Früchtchen“ bringt er Obstsorten, Pilze und Sonnenblumen auf die Leinwand. Also mal keine Gesichter, könnte manch einer denken, doch auch Zwiebeln und Birnen verpasst er ein Lächeln und bleibt damit seinem Faible für Porträts treu – wenn auch auf ungewohnte Weise. Mithilfe künstlicher Intelligenz generiert er digitale Entwürfe, die als Ideenskizze dienen, bevor sie durch seine malerische Handschrift zu lebendigen Originalen veredelt werden.

Malerei als Lebenselixier

Für Detlef Galle-Eickhoff ist die Malerei weit mehr als ein Hobby – sie ist Therapie, Rückzugsort und kreativer Ausdruck zugleich. Seit 30 Jahren lebt er mit Multipler Sklerose und die Kunst ist ein Anker, der ihm hilft, zur Ruhe zu kommen. Besonders als freier Trauerredner trägt er oft emotionale Lasten mit sich. Das Malen gibt ihm die Möglichkeit, sich von den schweren Themen zu befreien und in eine Welt einzutauchen, in der nur Farben, Licht und Schatten zählen. Sein Atelier in Eslohe, ein Ort des ungestörten Schaffens, ist ihm heilig: „Wenn ich nachts nicht schlafen kann, setze ich mich einfach an die Leinwand.“

„Das ist meine Kirche.“

Auch in seinem Amt als Küster bleibt Detlef Galle-Eickhoff Künstler – einer, der nicht nur Kerzen richtet und Altartücher ordnet, sondern auch Räume mit Ideen füllt. Als er 2020 nach Salwey kam, brauchte es ein wenig Zeit, bis er sich mit dem Stil der St. Sebastian-Kirche anfreundete. Heute findet er sie zweifellos schön, doch die kahlen Säulen an den Wänden wirkten auf ihn wie verschenkter Raum. Auf der Suche nach passenden Heiligenfiguren durchstöberte er Archive in Paderborn, fand jedoch nur Darstellungen im neugotischen Stil – für seine Begriffe zu fremd für das klare Innere der Salweyer Kirche. Also entschloss er sich, selbst moderne Heiligenbilder zu schaffen. Schreiner Josef Hecking baute dafür flexible Ständer, auf denen die Bilder je nach Anlass gewechselt werden können – eine raffinierte Lösung, die der Kirche einen neuen

Glanz verleihen soll. Das Projekt mit den Heiligenbildern ist ein Beispiel von vielen, wie Detlef Galle-Eickhoff seine Kreativität in den Dienst der Kirche stellt. So hat er etwa mithilfe seines 3D-Druckers beschädigte Krippenfiguren ersetzt.

All das zeugt von einer tiefen Verbundenheit und zeigt, dass die Salweyer Kirche für Detlef Galle-Eickhoff nicht eine unter vielen ist. „Das ist meine Kirche“, sagt er mit Nachdruck. Aktiv setzt er sich für das Gemeindeleben ein, organisiert Wortgottesdienste und bemüht sich, der Kirche Leben einzuhauchen. Gerade nach den pandemiebedingten Einbrüchen des kirchlichen Lebens ist es ihm ein Herzensanliegen, dass Salwey eine lebendige Gemeinde bleibt. „Wenn ich mittwochs in der Kirche sitze, sehe ich immer dieselben Gesichter. Und wenn jemand fehlt, merke ich das sofort.“

Detlef Galle-Eickhoff ist mehr als ein Maler und Küster. Er ist ein Gestalter – einer, der mit Farben und Formen ebenso arbeitet wie mit Worten und Glauben. Wer ihn in seinem Atelier oder in der Kirche erlebt, spürt, dass hier ein Mann wirkt, der mit jeder Faser seines Seins für das lebt, was er tut – und der mit jeder Linie, jedem Pinselstrich und jeder Idee Zeichen setzt, die bleiben.