Quelle: Meyer Team
Warum das Sozialwerk St. Georg für das Sauerland weit mehr ist als nur ein sozialer Dienstleister
Ein Gespräch in Gelsenkirchen über Teilhabe, Verantwortung und die Zukunft sozialer Arbeit: Für die Sommerausgabe traf sich WOLL mit Wolfgang Meyer in der Zentrale des Sozialwerks St. Georg. Anlass war ein grundlegender Schritt in der Geschichte des Sozialunternehmens. Nach 74 Jahren wurde aus dem eingetragenen Verein eine gemeinnützige GmbH – eine organisatorische Veränderung, die auf den ersten Blick technisch klingt, tatsächlich aber viel mit der Zukunft sozialer Arbeit auch im Sauerland zu tun hat. Wenn morgens im Café Freds in Bad Fredeburg die ersten Gäste ihren Kaffee bestellen, wenn in der Lenne-Werkstatt gearbeitet wird, wenn Menschen Unterstützung beim Wohnen, im Alltag oder bei der Arbeit erhalten, dann steckt dahinter eine Organisation, die viele kennen und doch nur wenige in ihrer ganzen Größe wahrnehmen: das Sozialwerk St. Georg.
Mit rund 2.600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, etwa 5.000 begleiteten Menschen und rund 150 Standorten in Nordrhein-Westfalen gehört das Sozialwerk längst zu den bedeutenden sozialen Arbeitgebern der Region. Auch im Schmallenberger Sauerland prägt die Einrichtung seit Jahrzehnten das gesellschaftliche Leben mit – oft näher am Alltag der Menschen, als vielen bewusst ist.
Im Mittelpunkt steht der Mensch
„Wir haben unsere Rechtsform weiterentwickelt, ohne unser Selbstverständnis zu verändern“, sagt Wolfgang Meyer, der gemeinsam mit Thomas Kaczmarek die Geschäfte führt. Im Mittelpunkt stehe weiterhin der Mensch, insbesondere Menschen mit Assistenzbedarf. Die neue Struktur solle helfen, schneller handeln, Kooperationen einfacher gestalten und den wachsenden Herausforderungen der Sozialwirtschaft besser begegnen zu können.
Quelle: Team MeyerUnd diese Herausforderungen wachsen spürbar. Fachkräftemangel, steigende Kosten, immer komplexere gesetzliche Vorgaben und der zunehmende Druck auf Sozialbudgets verändern die Rahmenbedingungen. Meyer spricht offen davon, dass sich die Sozialwirtschaft in den kommenden Jahren stärker konzentrieren werde. Kleinere Anbieter würden Kooperationen suchen müssen, Verwaltungsstrukturen müssten effizienter werden.
Am Ende geht es um Teilhabe
„Es geht darum, Menschen mitzunehmen und ihnen das Gefühl zu geben: Du wirst gebraucht“, beschreibt Meyer die Grundhaltung des Sozialwerks. Genau dieser Gedanke prägt viele Projekte des Sozialwerks im Sauerland. Etwa das Café Freds in Bad Fredeburg, wo Menschen mit Assistenzbedarf nicht mehr nur Hilfe empfangen, sondern selbst Dienstleister werden. Für viele Gäste ist das längst ein selbstverständlicher Teil des Stadtbildes geworden und ein Beispiel dafür, wie Inklusion ganz praktisch funktionieren kann.
Auch die Zusammenarbeit mit regionalen Unternehmen gehört dazu. Seit vielen Jahren arbeitet WOLL beispielsweise mit der Lenne-Werkstatt zusammen. Dort werden unter anderem Bücher gelagert und logistische Aufgaben übernommen. Solche Kooperationen zeigen, wie selbstverständlich Teilhabe im Alltag funktionieren kann.
Das Sozialwerk St. Georg ist dabei längst mehr als eine klassische Behindertenhilfe: Pflegeangebote, Jugendhilfe, ambulante Betreuung und neue Wohnformen gehören inzwischen selbstverständlich dazu. Gerade im Sauerland, wo viele Menschen möglichst lange in ihrer vertrauten Umgebung leben möchten, gewinnen solche Angebote zunehmend an Bedeutung.
Das christlich geprägte Menschenbild
Dabei setzt das Sozialwerk auch auf technische Innovationen. Gemeinsam mit Forschungspartnern wurden in den vergangenen Jahren digitale Assistenzsysteme entwickelt, etwa für die Betreuung älterer Menschen in Wohngemeinschaften. Ziel ist es, Sicherheit zu schaffen und gleichzeitig die Selbstständigkeit der Menschen möglichst lange zu erhalten.
Trotz aller Modernisierung bleibt das Fundament dasselbe. Das christlich geprägte Menschenbild spiele weiterhin eine zentrale Rolle, betont Meyer. „Es geht um Menschenwürde und darum, soziale Dienstleistungen nachhaltig zu sichern.“
Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Bedeutung des Sozialwerks St. Georg für das Sauerland: Nicht nur als großer Arbeitgeber oder sozialer Dienstleister, sondern als Teil eines gesellschaftlichen Selbstverständnisses. Die Frage, wie eine Region mit Menschen umgeht, die Unterstützung brauchen, sagt schließlich immer auch etwas über die Region selbst aus.
Und so betrachtet ist die neue Rechtsform weit mehr als ein Verwaltungsakt. Sie ist der Versuch, soziale Verantwortung in einer Zeit wachsender Unsicherheiten zukunftsfähig aufzustellen, damit Teilhabe, Menschlichkeit und Nähe auch morgen noch ihren Platz im Sauerland haben.
Quelle: Team Meyer


