Zwischen Kuhweide und Cyberabwehr – IT-Sicherheit in Schmallenberg

Nach Erfahrungen mit Cyberangriffen aus den letzten Jahren und im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung will sich die Stadt Schmallenberg in Bezug auf IT-Sicherheit weiter absichern. Ziel ist es, die eigene IT-Infrastruktur widerstandsfähiger zu machen und sich zugleich unabhängiger von einzelnen Anbietern aufzustellen. Damit nimmt die Kommune eine Vorreiterrolle ein, denn vielerorts wird weiterhin auf herstellergebundene Lösungen gesetzt. Spätestens der Hackerangriff auf die Südwestfalen IT im Oktober 2023, der auch die Arbeit im Schmallenberger Rathaus zeitweise lahmlegte, hat gezeigt, wie anfällig zentralisierte Systeme sein können.

Ein wichtiger Bestandteil der neuen Strategie von IT-Leiter Michael Schauerte und seinem Mitarbeiter Nico Friedrichs ist die Sicherheitsüberprüfung der Laptops, die sowohl im Büro als auch im Homeoffice genutzt werden sollen. Flexible Arbeitsmodelle sollen weiter ausgebaut werden, gleichzeitig rückt die Sicherheit der Endgeräte stärker in den Fokus. Auch Bürgermeister Johannes Trippe unterstützt dieses Vorgehen.

Langfristig verfolgt die Stadt weiter das Ziel, die Abhängigkeit von großen Softwareanbietern zu reduzieren. Stattdessen soll verstärkt Open-Source-Software eingesetzt werden. Dabei handelt es sich um Programme, deren Quellcode öffentlich zugänglich ist und von unabhängigen Entwicklern geprüft und weiterentwickelt wird. Diese Offenheit sorgt häufig für mehr Transparenz und kann Kosten senken, während kommerzielle Lösungen durch Lizenzmodelle und zusätzliche Funktionen in den vergangenen Jahren zunehmend teurer geworden sind.

Konkret wird derzeit ein Konzept erprobt, bei dem Laptops mit dem Betriebssystem Linux ausgestattet werden. Dieses gilt als stabile und sichere Alternative zu weit verbreiteten Betriebssystemen wie Microsoft Windows. Um den Umstieg für die Mitarbeitenden so einfach wie möglich zu gestalten, kommt eine Benutzeroberfläche zum Einsatz, die sich optisch und funktional an bekannte Anwendungen anlehnt.

Ein zentraler Baustein ist die sogenannte Härtung der Systeme. Dabei werden nicht benötigte Funktionen abgeschaltet und Sicherheitsmechanismen gezielt verstärkt. Ergänzt wird dies durch automatisierte Prüfungen nach dem Standard des „Center for Internet Security“. Mithilfe spezieller Skripte wird überprüft, ob die Geräte den festgelegten Sicherheitsvorgaben entsprechen und korrekt konfiguriert sind.

Auch beim Zugriff auf sensible Daten geht die Stadt sichere Wege. Verbindungen zu Verwaltungsdatenbanken werden nicht direkt über die Laptops hergestellt, sondern über eine zentrale, gesicherte Verbindung geführt. Die Laptops dienen dabei quasi nur als Bildschirm, Tastatur und Maus, sogenannte Terminals. Dieses Prinzip reduziert das Risiko möglicher Angriffe erheblich.

Für mehr Komfort im Arbeitsalltag wird zudem an Lösungen wie dem Single Sign-on gearbeitet. Mitarbeitende müssen sich dabei nur einmal anmelden und erhalten anschließend Zugriff auf alle benötigten Anwendungen. In Verbindung mit Hardware-Sicherheitslösungen wie sogenannten YubiKeys – kleinen USB-Geräten zur sicheren Authentifizierung – lässt sich so ein hohes Maß an Benutzerfreundlichkeit ohne „Passwort-Dschungel“ mit starker Absicherung verbinden.

Ein weiteres Ziel ist die bewusste Risikostreuung. Künftig sollen IT-Dienste nicht mehr bei einem einzelnen Anbieter gebündelt werden, sondern auf mehrere Systeme und Dienstleister verteilt sein. Dadurch bleibt die Handlungsfähigkeit auch dann erhalten, wenn einzelne Komponenten ausfallen oder angegriffen werden.

Die geplante Sicherheitsprüfung der Laptops soll durch externe Fachleute erfolgen, etwa durch das Schmallenberger Unternehmen Cyber Complete mit Geschäftsführer Benjamin Richter und seinem Mitarbeiter Georg Schneider. Dabei wird insbesondere kontrolliert, ob die eingesetzten Systeme den Anforderungen im öffentlichen Dienst gerecht werden und die definierten Sicherheitsstandards erfüllen.

Ziel der Stadt-IT ist mehr Unabhängigkeit, mehr Kontrolle über die eigenen Daten und gleichzeitig eine möglichst einfache und alltagstaugliche Nutzung für die Angestellten im Rathaus.