
Sauerländer Ruderin Alexandra Föster weiter auf Erfolgskurs
Sie ist jung, klug, diszipliniert und eine der besten Ruderinnen Deutschlands. Alexandra Föster aus Meschede vereint Weltklasse und Bodenhaftung, Informatikstudium und Olympiaträume. Ihr Trainingsrevier: der Hennesee. Ihr Ziel: die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles.
Wenn an einem stillen Morgen der Nebel über dem Hennesee liegt, ist auf der glatten Wasserfläche oft schon ein schmaler Einer unterwegs. Mit ruhigen, gleichmäßigen Schlägen zieht Alexandra Föster ihre Bahn: konzentriert, rhythmisch, ganz bei sich. „Hier hat alles angefangen“, sagt sie und blickt über das Wasser. „Der Hennesee ist mein Zuhause. Wenn ich hier rudere, weiß ich wieder, warum ich das alles mache.“
Das „Alles“ ist eine Lebensaufgabe: Bis zu 30 Trainingsstunden pro Woche auf dem Wasser, auf dem Ergometer, beim Laufen oder Radfahren. Dazu das Studium. „Ich mache gerade meinen Master in Praktischer Informatik an der FernUni Hagen“, erzählt sie. Das klingt nach einem Widerspruch: Hochleistungssport und Informatik, aber beides braucht Struktur und Konzentration.
Mit Plan, Disziplin und einem Hauch Gelassenheit
Struktur ist für Alexandra der Schlüssel zum Erfolg. „Ich bin jemand, der gerne Pläne schreibt“, sagt sie. „Ob ich mich dann immer hundertprozentig daran halte, ist eine andere Sache. Aber so ein Plan gibt mir Struktur. Das hilft, wenn man so viele Baustellen im Leben hat.“
Doch sie weiß auch, dass man nicht alles planen kann. „Im letzten Winter hatte ich mental ein paar Probleme, weil ich mir zu viel vorgenommen hatte. Manchmal vergisst man, dass man auch mal runterkommen muss.“ Ihr Alltag ist minutiös organisiert: Trainingseinheiten, Studium, Regeneration. Und trotzdem bleibt Zeit für kleine Rituale. Dazu gehört seit einiger Zeit ein Spaziergang nach dem Mittagessen. „Das klappt nicht immer“, gibt sie zu, „aber solche Momente helfen, den Kopf frei zu kriegen.“
Rückhalt im Sauerland
Ihre Familie und ihr Trainer bilden das Fundament ihrer sportlichen Laufbahn. „Mit meinem Trainer arbeite ich zusammen, seitdem ich mit dem Rudern angefangen habe“, erzählt sie. „Wir kennen uns in- und auswendig. Wir sind ehrlich zueinander, auch wenn’s mal knallt.“
Zuhause in Meschede lebt Alexandra im Haus ihrer Mutter. „Meine Familie ist der Ort, wo ich einfach ich sein darf – nicht die Ruderin. Da geht’s dann auch mal in die Sauna oder wir spielen ein Spiel. Das hilft, Abstand zu gewinnen.“ Diese Nähe zur Heimat, zum Sauerland, ist für sie kein Widerspruch zur internationalen Karriere. Im Gegenteil: Sie ist der Ruhepol, der sie trägt.
Olympia: Ein Moment für die Ewigkeit
Ihr bislang größter Moment: die Olympischen Spiele im vergangenen Jahr in Paris. „Als ich im Olympischen Dorf ankam und endlich die Akkreditierung um den Hals hatte, wusste ich: Jetzt bin ich wirklich da. Das war ein Meilenstein.“
Die Erinnerungen sind lebendig: jubelnde Zuschauer entlang der Strecke, das erste Rennen, der Stolz, den Adler auf der Brust zu tragen. „Natürlich ist es mittlerweile normal geworden, für Deutschland zu starten“, sagt sie. „Aber die Nationalhymne hört man nur, wenn man gewinnt – und das ist jedes Mal ein Gänsehautmoment.“
Paris war ein Höhepunkt, doch Alexandra blickt nach vorn: „Nach der Weltmeisterschaft in diesem Jahr in Shanghai, wo ich fünfte wurde, ist vor der neuen Saison. Mein Ziel ist, bei der Deutschen Kleinbootmeisterschaft wieder zu gewinnen. Sonst ist die Saison im Einer quasi gelaufen.“

Und weiter voraus? Los Angeles 2028. „Noch steht das Datum nicht im Kalender“, sagt sie lachend. „Aber natürlich ist das ein Traum. Bis dahin will ich mich verbessern, gesund bleiben und Spaß haben.“
Ehrgeiz, Haltung und Freude
Ehrgeiz ist ihr Antrieb, aber nicht ihr Selbstzweck. „Am Anfang war es einfach Spaß am Rudern“, sagt sie. „Jetzt ist es auch Ehrgeiz. Ich will das, was ich mache, richtig gut machen. Ob im Sport oder im Studium.“
Wenn junge Sportlerinnen sie fragen, wie man Leistungssportlerin wird, antwortet sie pragmatisch: „Ich glaube nicht, dass man das planen kann. Wenn man Spaß hat und jeden Tag weitermachen will, ergibt sich das von selbst.“ Und mit einem Augenzwinkern fügt sie hinzu: „Und ja, es macht einfach Spaß, besser zu sein als andere.“
„Du hast das Zeug dazu“
Wenn sie über die Zukunft spricht, klingt die junge Sauerländerin zugleich reflektiert und selbstbewusst. „Ich würde meinem zukünftigen Ich sagen: Glaub an dich, hör auf deinen Körper und mach einfach weiter. Du hast das Zeug dazu.“
Man glaubt ihr jedes Wort. Denn Alexandra Föster ist mehr als eine erfolgreiche Athletin. Sie ist eine Botschafterin des Sauerlands: stark, fokussiert und trotzdem ganz nahbar. Eine, die weiß, wo sie herkommt und wo sie hinwill.
Und wenn morgens der Nebel über den Hennesee zieht, dann sitzt sie längst wieder im Boot – auf Kurs Zukunft.



