Zu Fuß allein als Frau durch Deutschland

Anne-Sophie Zähringer am Weissenhäuser Strand südwestlich von Fehmarn

Quelle: Anne-Sophie Zähringer

Anne-Sophie Zähringer aus Brilon läuft 6.500 km und lernt fürs Leben

Der erste Eindruck täuscht. Als Anne-Sophie Zähringer die Haustür ihres Elternhauses in Brilon öffnet, steht eine dezent elegant gekleidete Frau vor mir. Eine sportliche Erscheinung, Mitte 40, aber wenig weist auf eine Extremwanderin hin. Doch immer wieder macht sie sich auf, nur mit einem Rucksack, bei längeren Strecken auch mit einem Wanderwagen, und hat so in den letzten Jahren rund 6.500 Kilometer zurückgelegt.

Die ersten Wanderungen als Kind und Jugendliche mit dem Vater im heimischen Sauerland stießen auf wenig Gegenliebe, die Leidenschaft wuchs erst mit den Studienjahren in München nahe den bayrischen Bergen. „Inspiriert von Hape Kerkelings Buch ‚Ich bin dann mal weg‘ hab ich mich gefragt: Wie weit würde ich es schaffen? Was kann ich meinem Körper abverlangen?“ Zunächst ließ der Job keinen längeren Urlaub zu, aber: „Ich wollte mir nicht irgendwann sagen müssen: Ach, hätte ich mal … Dieser Gedanke treibt mich bis heute an. Dinge jetzt zu machen und nicht aufzuschieben.“

„Das ist genau mein Ding.“
Im April 2018 war es dann so weit. Anne-Sophie Zähringer klinkte sich beruflich aus und lief los, ein halbes Jahr lang. Kein Auto, kein Zug, nur zu Fuß von München aus im Uhrzeigersinn entlang des Bodensees, durch den Schwarzwald, an Mosel und Lahn entlang, durch Sauer- und Münsterland und Lüneburger Heide über Lübeck in die Holsteinische Schweiz, um nach der Ostseeküste bis Rügen über die Mecklenburger Seenplatte, durch Brandenburg, die Lausitz, Sächsische Schweiz, Franken, Hallertau und Pfaffenwinkel nach München zurückzukehren. „Nach weniger als einem Monat, wusste ich: Das ist genau mein Ding. Jetzt geht’s erst richtig los!“ Zum Schluss der Tour gab es noch einen ordentlichen Schlenker rund um den Tegernsee – „weil ich gar nicht mehr nach Hause wollte!“


Aus der Vorbereitung auf jede ihrer Wanderungen nimmt sie schließlich mit: „Was nicht unbedingt notwendig ist, bleibt daheim.“ Vor dem Packen des Rucksacks wird jedes Teil gewogen. Da hält sie es mit Christine Thürmer, der meistgewanderten Frau Deutschlands: Der Luxus ist nicht das, was man dabeihat, sondern das, was man nicht tragen muss. „Das lässt sich letztlich auch aufs Leben übertragen!“

Die Bruchhauser Steine während der Begehung des Rothaarsteigs.Quelle: Anne-Sophie Zähringer
Die Bruchhauser Steine während der Begehung des Rothaarsteigs.

Übernachtet hat Anne-Sophie Zähringer immer wieder bei Freunden oder Verwandten, meistens jedoch in kleinen Pensionen oder via Couchsurfing. „Als allein wandernde Frau war ich zunächst skeptisch gegenüber Couchsurfing, aber es waren die besten Begegnungen, weil die Gastgeber bereit waren, mir authentische Einblicke in die jeweilige Region und in ihr Leben zu geben. Das war jedes Mal eine ganz tolle Erfahrung!“

Sechs Jahre nach ihrer Deutschland-Wanderung merkte Anne-Sophie Zähringer: „Ich möchte wieder auf eine größere Tour gehen.“ Diesmal wurden es „nur“ 1.400 Kilometer entlang der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze, dem „Grünen Band“. Allerdings nicht in einem Rutsch, sondern in mehreren Etappen. „Es war schon ein Unterschied, weil diesmal die Wanderroute ja vorgegeben war.“ Genauso wie der heimische Rothaarsteig, den sie in diesem Sommer in sechs Tagen absolviert hat. „Ich werde oft gefragt, ob ich nicht auch mal im Ausland wandern möchte. Schon – aber ich will noch mehr von meinem eigenen Land sehen, das so unfassbar schön ist!“ Und so ist auch schon der nächste Trip geplant: der Malerweg in der Sächsischen Schweiz.