Zu Besuch in der „guten Stube“

Der Junkernhof in Ramsbeck 

Besse, Heimes, Humpert, Knipschild… bei der Recherche zur Geschichte des Junkernhofes begegnen uns in den alten Kirchenbüchern immer wieder die gleichen Namen. Es sind zum großen Teil Nachfahren all der Familien, die sich heute in regelmäßigen Abständen im Junkernhof treffen. Heute ist das Haus „die gute Stube der Gemeinde“, wie uns Ortsheimatpflegerin Anne-Karen Humpert berichtet. 

Mit seiner typisch sauerländischen Fachwerkoptik prägt der Junkernhof maßgeblich das Ortsbild von Ramsbeck. Dass er heute in voller Schönheit dasteht, ist vor allem dem Großonkel des Landwirts Thomas Heimes zu verdanken: August Heimes. 1965 hatte er das Gebäude erworben, es zunächst als Bürogebäude genutzt und später in der Deele ein Heimatmuseum mit bäuerlichen Gebrauchsgegenständen eingerichtet. Er hat viel in das „Erbe seiner Väter“ investiert“ und sich damit die über dem Deelentor eingravierte Inschrift reichlich verdient.  

Quelle: Archiv der Ortsheimatpflegerin Anne-Karen Humpert/Privatarchiv E. Prein

Ein Kreuzritter als Urahn 

Joannes Jodocus (Jost) Knippschild aus Brabecke und die Ramsbeckerin Anna Gertrudis Engel erbauten das Haus 1744. Der Brautvater Christoph Engel kam aus Bödefeld. Im Taufeintrag der Brautmutter, Anna Catharina Heg(g)ener, aus Ramsbeck, findet sich bereits der Namenszusatz “Heggener vel. Juncker”.  

Wilhelm Knipschild, der Vater des Bräutigams, war Fronvogt* in Brabecke. Sein Vater Heinrich Kurfürstlicher Richter in Bödefeld, der Großvater Richter in Medebach. Die Ahnenlinie von Wilhelms Mutter, Anna von Hanxledens, reicht weit zurück. Heute nicht mehr lückenlos nachzuweisen, aber recht wahrscheinlich war der Kreuzritter Siegfried von Hanxleden ihr Urahn. 

Das neue Haus 

Nach einem schweren Brand im Jahre 1743 entstand nur ein Jahr später am gleichen Platz das neue  Bauernhaus, ein “Vierständerhaus mit Deele und zweigeschossigen Seitenschiffen”. Über dem Deelentor wacht die Heilige Lucia. Die Schutzpatronin der Bauern nimmt ihre Aufgabe sehr ernst. Mit der Brandfackel in der Hand erinnert sie an die Zerstörungswut des Feuers. Die prachtvollen bäuerlichen Schnitzereien des Tores und die Heiligenfigur stammen noch aus den Anfangsjahren. Die Dielentür selbst ist nicht so alt, fügt sich aber harmonisch in das Ganze ein.  

Familie Heimes 

Da Bauernhöfe sehr selten verkauft wurden, ist wohl eher ist davon auszugehen, dass ein Mann aus der Heimes-Familie auf dem Junkernhof einheiratete. Wann, lässt sich leider nicht mehr feststellen, da ausgerechnet die Traubücher aus den Jahren 1745-1777 nicht mehr vorhanden sind. Bekannt ist aber, dass Johannes Laurentius (Johann) Heimes 1807 auf dem Junkernhof geboren wurde und sein Großvater Hermann ein Jahr zuvor dort starb. Johann heiratete später Margaretha Besse, die in „Ramsbeck Tönen“, also auf dem Nachbarshof geboren wurde.  

Die Aussiedlung. 

Bis 1963 blieb der Hof im Besitz der Familie Heimes. Der letzte Erbe, Hubert Heimes (†2021) siedelte die Hofanlage aus dem Ortskern aus und auf dem Heidfeld (Richtung Andreasberg) wieder an. Hier betreibt sein Sohn Thomas heute eine kleine Milch- und eine große Forstwirtschaft.  

„Es entsprach dem damaligen Zeitgeist“, erklärt Anne-Karen Humpert, „bäuerliche Betriebe aus dem Ortsgefüge zu nehmen und auszusiedeln und die alten Hofanlagen abzureißen. Dies geschah mit dem direkt nebenan liegenden Hof der Familie Besse-Tönn. Leider sind keine Gebäude mehr da, auch die Nebengebäude vom Junkern Hof wurden damals abgerissen.“ Und weiter erklärt die Ortsheimatpflegerin: „Heute kann man froh sein, dass dem Haupthaus des Junkern Hof nicht das gleiche Schicksal zuteilwurde wie vielen anderen Höfen.“ 

Die Begegnungsstätte 

Nachdem das Bauunternehmen Heimes in das Industriegebiet Ziegelwiese gezogen war, wurde das Haus 1983 unter Denkmalschutz gestellt. 1984 erwarb die Gemeinde Bestwig das Haus und renovierte es aufwendig. „Eine Mühe, die sich gelohnt hat“, findet Anne-Karen Humpert. „Heute wird das Gebäude als Begegnungsstätte der ganzen Gemeinde benutzt und kann für öffentliche Veranstaltungen gemietet werden.“ Die Ramsbecker Chorgemeinschaft probt hier. Musikveranstaltungen, Kurse und Vorträge fanden und finden demnächst wieder hier statt. Und hoffentlich im nächsten Jahr auch wieder der alle zwei Jahre stattfindende Weihnachtsmarkt „Rund um den Junkernhof“.  

Im dem schönen, alten Haus hat auch die Gemeindebücherei ihren Sitz gefunden. Hier freut sich Mechthild Heiken jeden Dienstag (16 bis 18 Uhr) auf Besucher. Seit einigen Jahren ist der Junkernhof auch eine Außenstelle des Bestwiger Standesamtes. „Eine gute Entscheidung“, findet Anne-Karen Humpert, „denn der Junkernhof bietet ein ganz wunderbares Ambiente, das gerade Trauungen einen würdigen Rahmen verleiht.“ Für die Terminvereinbarung ist Hausmeister „Jupp“ Schönwolff zuständig.  

Die Namen vieler alteingesessener Ramsbecker Familien finden sich in der Geschichte des Junkernhofes wieder. Wahrscheinlich deshalb fühlen sich viele Ramsbecker mit dieser Begegnungsstätte besonders verbunden und nennen sie die „gute Stube der Gemeinde“. 

*Verwalter 
**Anmerkung zur Hausinschrift: 
J.H.S. steht für Jesus hominum Salvator (Jesus, der Menschen Heiland). Jost ist die Abkürzung für Jodocus. Das zweite “p” im Namen wurde spiegelverkehrt gesetzt, was in damaliger Zeit häufig der Fall war.  
Quelle: matricula-online.eu