Zirkus pompitz: „Manege frei“ für Mut, Teamgeist und jede Menge Spaß

Zirkus Pompitz

Es gibt Momente, in denen ein Kind plötzlich zehn Zentimeter größer wirkt, obwohl es keinen Millimeter gewachsen ist. Melinda Fischer kennt diese Momente gut, denn sie erlebt sie fast täglich in ihrer Arbeit als Zirkusdirektorin.

Als Jolinda Sonnenschein betritt Melinda Fischer die Manege des Zirkus pompitz. Und zaubert dabei mehr als bunte Lichter. Ihr Talent? Sie schafft einen Raum, in dem Kinder Mut entwickeln. Plötzlich traut sich ein Kind, das sonst stottert, vor der Klasse ins Mikrofon zu sprechen. Die Schüchternen werden zu Akrobaten, die Wilden lernen Teamwork.

Die 35-Jährige stammt vom Niederrhein, hat Station in Holland und Brasilien gemacht, Betriebswirtschaft und Projektmanagement studiert. Doch irgendwann schlug ihr Herz für etwas anderes. Aus Akrobatik, Voltigieren und Capoeira wurde eine künstlerische Laufbahn, die sie zum Zirkus pompitz führte. 2004 von Clown Pom und Zauberer Pitz gegründet, leitet Melinda Fischer den Zirkus gemeinsam mit Markus Pitz. Was macht diesen Zirkus so besonders? pompitz ist eine pädagogische Zirkus- und Eventwerkstatt, die das ganze Jahr durch Deutschland tourt. Vom Kindergeburtstag im Wohnzimmer bis zu Schulprojekten mit 600 Kindern. Die Mission: Menschen begeistern und bewegen.

Besonders stolz ist die in Arnsberg-Niedereimer lebende Artistin auf eine Geschichte aus einem Schulprojekt. Ein Kind sollte als Zirkusdirektor auftreten. Die Lehrkräfte waren skeptisch: Das Kind stottert, das geht schief. Aber Melinda Fischer hat ihre eigene Philosophie. „Bei uns starten alle gleich. Wir wissen nicht, welche Stärken oder Schwächen die Kinder mitbringen.“ Das Kind meisterte die Rolle. „Mindestens zehn Zentimeter gewachsen ist es in dieser Zeit.“

„Beim Zirkus arbeiten alle zusammen, egal ob groß, klein, doof oder schlau.“
Melinda Fischer erobert als Jolinda Sonnenschein Kinderherzen

Im Zirkus findet jedes Kind seinen Platz
Solche Veränderungen kommen nicht von ungefähr. Im Zirkus arbeitet niemand allein. Kugellaufen, Jonglieren, Bodenakrobatik, Fakir-Tricks, Zaubern. Alles wird gemeinsam eingeübt. Soloauftritte gibt es nicht. „Im Zirkus findet jeder seinen Platz“, sagt Jolinda Sonnenschein. Kein Kind muss alles machen. Vielleicht passt Akrobatik nicht, aber Theater gefällt. Die Kinder wachsen kognitiv, sozial, kreativ. Jolinda gibt den Rahmen vor. Doch wie die Pyramide aussieht, erarbeiten die Kinder zusammen.

Gerade heute, wo Kinder ständig mit Leistungsdruck konfrontiert sind, ist der Zirkus eine Oase. Hier erleben sie wirklich etwas. Mit Händen, Körper, Kopf. Weg von Smartphones erschaffen die Kids etwas Neues. Und das bleibt hängen. Ein Kollege wurde kürzlich beim Bäcker von einer Verkäuferin erkannt, die vor 14 Jahren bei einem Zirkusprojekt mitgemacht hatte.

In Zukunft möchte der Zirkus pompitz den Bereich für die Kleinsten ausbauen und in Tagesaktionen Räume bekommen, in denen sie wachsen können. Und sie lernen: Im Zirkus klappt nichts auf Knopfdruck. Wenn Unternehmen in der Region Jubiläen feiern, ist der Kinderbereich in professionellen Händen.

Schließlich geht es um Teamwork. Ankommen, die Kinder entscheiden lassen, ihnen zeigen, dass sie mehr erreichen können, als sie glauben. Das ist wichtiger denn je, sagt die Frau, die als Jolinda Sonnenschein Kinder zum Leuchten bringt.