WOLL-Buchtipp: Auf anderen Wegen

Auf anderen Wegen

Quelle: WOLL-Verlag

„Mit ihrem Roman „Auf anderen Wegen“ präsentiert die Autorin Petra Stremme eine einfühlsame Lektüre für lange Sommerabende und genussvolle Stunden bei einem guten Glas Wein. Es ist die Geschichte von Katharina Reims, Mitte fünfzig, Fotografin, Ehefrau, Mutter und plötzlich eine Frau ohne festen beruflichen Halt. Eine Frau, die an einem einzigen Morgen die Tür hinter ihrem alten Leben zuschlägt. 

Schon die ersten Seiten zeigen, worin die besondere Stärke dieses Romans liegt: Petra Stremme beobachtet genau. Ihre Sprache drängt sich nicht auf, sie tastet sich vielmehr an Menschen, Gedanken und Stimmungen heran. Das Sauerland ist dabei weit mehr als Kulisse. Hochbergen, das Mühlental, die stillen Gärten, die vertrauten Freundschaften, die kleinen Rituale des Alltags. All das bildet den Resonanzraum einer Geschichte, die von Veränderung erzählt, ohne laut werden zu müssen. 

Besonders gelungen sind die Szenen mit Katharinas „Kleeblatt“: Das sind die drei Freundinnen Aria, Bianka und Teresa. Hier entfaltet der Roman eine Wärme, die viele Leserinnen und Leser wiedererkennen werden: Frauenfreundschaften, entstanden zwischen Kindern, Beruf, Ehe und Alltag, getragen von Ehrlichkeit, Sektgläsern, Humor und gegenseitigem Auffangen. Diese Passagen besitzen etwas wunderbar Ungekünsteltes. 

Auf anderen Wegen ist zugleich ein Roman über die Lebensmitte. Über die Frage, was bleibt, wenn Sicherheiten wegbrechen. Über unerfüllte Träume, über Sehnsucht nach Selbstbestimmung und über die leise Erkenntnis, dass ein Neuanfang nicht immer spektakulär daherkommt. Manchmal beginnt er mit Lavendel im Garten, mit einem Zeichenblock auf der Terrasse oder mit dem Mut, endlich wieder auf die eigene innere Stimme zu hören. 

Dabei gelingt Petra Stremme etwas Entscheidendes: Sie erzählt ihre Figuren nicht von oben herab. Katharina darf zweifeln, darf eitel sein, unsicher, verletzlich und widersprüchlich zugleich. Gerade dadurch wirkt sie glaubwürdig. Auch die Ehe mit Tom wird nicht schwarz-weiß gezeichnet. Zwischen Liebe, Gewohnheit und unterschiedlichen Vorstellungen von Sicherheit entstehen Spannungen, die viele Paare kennen dürften. 

Quelle: privat

WOLL-Fazit:
„Auf anderen Wegen“ ist kein schneller Roman für zwischendurch. Es ist ein Buch zum Eintauchen, Wiedererkennen und Mitfühlen. Ein Roman über Frauen, Freundschaft, Liebe, Zweifel und die stille Hoffnung, dass das Leben auch jenseits eingefahrener Wege noch einmal neu beginnen kann. Sauerländisch geerdet, lebensnah erzählt und voller kleiner Wahrheiten des Alltags. Ein bemerkenswert warmes Debüt.