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Das Lächelwerk gibt Familien schwerkranker Kinder Kraft, Mut und Hoffnung
‚Like a bridge over troubled water – I will lay me down‘ sang der berühmte Sänger Art Garfunkel im Jahr 1970. ‚I’m on your side, when times get rough.‘ Dieses Lied – eine Hymne an Mitgefühl, Solidarität und Unterstützung in schwierigen Zeiten – könnte die Zielsetzung des 2017 gegründeten Vereins Lächelwerk e.V. kaum besser auf den Punkt bringen: „Wie eine Brücke über unruhiges Wasser will ich mich für dich hinlegen. Ich bin an deiner Seite, wenn es hart wird.“
„Unser Verein möchte ein Wegbereiter und Türöffner sein für Familien mit unheilbar oder chronisch erkrankten Kindern, die unverschuldet in Not geraten sind“, beschreibt Gründer Alex Göbel die Herzensangelegenheit des Vereins. Der 49-Jährige überstand selbst eine Krebserkrankung. „Während dieser Zeit wurde mir bewusst, wie wenig Unterstützung Schwerkranke erhalten und wie kaum auf ihre Bedürfnisse eingegangen wird. Besonders die Lage kranker Kinder und ihrer Angehörigen ist häufig sehr schwierig und wird aus unserer Sicht zu wenig wahrgenommen. In vielen Bereichen fehlen notwendige Hilfsangebote – sei es bei der emotionalen Unterstützung, der finanziellen Hilfe oder der Betreuung der Geschwisterkinder, die oft im Schatten ihrer erkrankten Brüder und Schwestern stehen“, erklärt der zweifache Familienvater seine Beweggründe, gemeinsam mit seiner Frau Manja den Verein Lächelwerk e.V. zu gründen. Viele unruhige Gewässer, für die dringend Brücken gebaut werden müssen.
Brücken bauen für über 135 Kinder
„Ich möchte Menschen, die sich durch eine schwere Erkrankung überfordert fühlen, helfen und sie unterstützen, wo auch immer es geht. Die Energie soll wieder dort fließen können, wo sie am meisten gebraucht wird – im Gesundwerden“, fasst Manja, ausgebildete Kauffrau mit einem weiterführenden Studium in Gesundheits- und Ernährungsberatung, ihre Motivation zusammen. Der Verein der beiden ist 2017 mit der Betreuung eines Kindes gestartet, doch schon nach einem Jahr waren sie Brückenbauer für 60 Kinder. Aktuell betreuen Alex und Manja mit ihrem 22-köpfigen Team, bestehend aus fünf Festangestellten und 17 Ehrenamtlichen über 135 Kinder mit deren Familien aus ganz Deutschland, wobei der Großteil aus dem Hochsauerlandkreis kommt. Zum festen Bestandteil des Lächelwerks gehört auch Maskottchen Loona, das bei vielen Aktionen nicht fehlen darf.
Eine starke Gemeinschaft
Eines der ersten betreuten Kinder war der unheilbar kranke Max. Ihm ermöglichte der Verein unter anderem eine Fahrt im Wohnmobil zu einem Spiel seines Lieblingsfußballvereins. Vor einigen Wochen verstarb er. Auch Milo gehörte zu den Kindern, die über viele Jahre hinweg begleitet wurden und in diesem Jahr verstorben sind. Ihm ermöglichte der Verein eine Behandlung in den USA, einschließlich der Flüge und Nebenkosten für seine Familie. Im Gemeinschaftsraum des Lächelwerks in der Weststraße 26 in Schmallenberg erinnert ein großes Portrait an Milo – geschmückt mit dem Fußballschal seines Lieblingsvereins. Es hängt dort neben vielen weiteren Bildern von Kindern, deren Geschichten eng mit dem Verein verbunden sind.
Alex schluckt, als er von dessen Schicksal erzählt. Milos Geschichte geht ihm sichtlich nah: „Natürlich ist unsere Arbeit emotional belastend – aber wir stumpfen nicht ab. Wie könnten wir auch? Die Kinder sind unsere wahren Helden. Sie möchten wir stärken, unterstützen und ihnen helfen, zu wachsen. Damit das gelingt, begegnen wir Mitarbeitende des Vereins uns auf Augenhöhe, tauschen uns aus und holen uns auch therapeutische Hilfe, wenn das erforderlich ist“, beschreibt der Holthauser den Umgang des Teams mit emotionalen Belastungen. Auch sie brauchen ab und zu eine Brücke über unruhige Gewässer.
Quelle: PrivatKomplexe Problematiken und vielfältige Hilfsmöglichkeiten
Der Tag beginnt für das Team des Lächelwerks mit einem gemeinsamen Treffen in den Räumen des Lächelwerk e.V. Hier besprechen sie die anfallenden Aufgaben für den Tag, führen Gespräche mit Familien, koordinieren die Arbeit der Ehrenamtlichen oder planen Projekte. Nachmittags finden hier oft Kurse und Termine statt, z.B. zur Persönlichkeitsstärkung, Traumabewältigung oder Nachhilfe. So vielfältig und komplex die Probleme der betroffenen Familien sind, so breit aufgestellt ist auch das multiprofessionelle Team des Lächelwerks. Neben einer Ernährungsökonomin arbeiten auch eine Traumatherapeutin, Erzieher und Heilerziehungspfleger hier. Alex selbst kommt aus dem medizinischen Bereich, hat eine Zusatzausbildung zum Psychotherapeuten, strebt einen Abschluss als Betriebswirt im Non-Profit-Bereich an und ist der direkte Ansprechpartner für die Familien.
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Rund um die Uhr erreichbar
„Wenn wir neue Familien aufnehmen, werden diese von uns besucht. Wir machen uns ein genaues Bild davon, was sie brauchen und wie wir sie unterstützen können. Für unsere Familien und Kinder bin ich jeden Tag im Jahr rund um die Uhr erreichbar, um zu helfen. Sie sollen bei uns immer ein offenes Ohr finden“, bekräftigt Alex den Anspruch seiner Arbeit und den seines Vereins. Dass dies keine bloße Floskel ist, spürt man bei Alex‘ Worten sofort. Dieses offene Ohr hat Mia aus Schmallenberg womöglich das Leben gerettet.
Quelle: PrivatVom betroffenen Kind zur tatkräftigen Unterstützung
Ihre Mutter Susann erzählt: „Mia war mit acht Monaten an Leukämie erkrankt und musste unzählige Chemotherapien überstehen, bis uns die Berliner Charité mit einem Palliativteam an der Hand nach Hause schickte, da sie nichts mehr für Mia tun konnten. Ich habe dann das Lächelwerk kontaktiert und Alex kam sofort nach Berlin und vermittelte uns zu weiteren Ärzten, die etwas schafften, woran wir alle nicht mehr geglaubt hatten. Heute ist Mia zehn Jahre alt und kerngesund. Während der schweren Zeit der Erkrankung meiner Tochter habe ich alles mit mir selbst ausgemacht. Das Lächelwerk hat mir gezeigt, dass ich nicht allein bin und mich nicht nur seelisch sehr unterstützt. Der Verein ermöglichte zudem Therapien für meinen depressiven Sohn und ein dringend benötigtes Auto.“
Auch die kleine Cleo und ihre Familie aus dem bayerischen Gröbenzell ist dankbar für die Hilfe des Vereins. „Unsere Tochter musste schon mit 14 Monaten aufgrund ihrer Krebserkrankung um ihr Leben kämpfen. Die Reittherapie, die nur durch die Unterstützung durch das Lächelwerk möglich ist, hilft ihr sehr beim Umgang mit ihren sozialen Ängsten und Stressoren. Wir fühlen uns sehr wohl und wunderbar begleitet von der Lächelwerk-Familie“, beschreibt Mutter Sofia die Hilfe durch den Verein.
Der Austausch sowie der Aufbau eines breit aufgestellten Netzwerks sind zentrale Bestandteile der Vereinsarbeit. „Viele Eltern möchten etwas zurückgeben und selbst Unterstützung leisten – so auch die Familie von Mia und Cleo. Es sind ganz besondere Momente, wenn vermeintlich todkranke Kinder wieder gesund werden und anschließend den Wunsch haben, anderen zu helfen“, berichtet Alex, der auf der Webseite des Vereins liebevoll und treffend als das ‚Herz‘ des Lächelwerks bezeichnet wird.
Unterstützung durch Ehrenamtliche, Spenden und Fördermittel
„Unsere Arbeit ist ohne die tatkräftige Unterstützung unserer Ehrenamtlichen nicht denkbar. Sie helfen uns zum Beispiel bei der Unterhaltung unserer Hüpfburg, beim Transport, bei Gesprächen, finanzieller Beratung, handwerklicher Dienste und bei Spendenaktionen. Wir sind auf öffentliche Fördergelder und Spenden angewiesen. Hier wünschen wir uns mehr Anerkennung für die soziale und pflegerische Jobs und neue Töpfe, diese Arbeit zu finanzieren.“
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Hof der Begegnung: Ein Meilenstein
In diesem Jahr setzt der Verein einen Meilenstein in seiner Geschichte: Er hat den Hof Klute in Oberberndorf erworben und möchte ihn zu einem sicheren Hafen für kranke Kinder und ihre Familien gestalten: „Es wird ein Hof der Begegnung“, beschreibt Alex den Umbau des historischen Hofes bei Schmallenberg. „Es soll ein Ort werden, der von Akzeptanz geprägt ist und an dem wir Menschen mit Würde begegnen. Hier darf jeder er selbst sein.“ Im „Hof der Begegnung“ entstehen unter anderem Beratungs- und Therapieräume für Kinder und ihre Familien, Wohneinheiten, Erholungsmöglichkeiten für die Familien, ein öffentliches Hofcafé, Veranstaltungs- und Seminarräume und Büroflächen. Dafür haben sich Alex und sein Team die Dorfgemeinschaft ins Boot geholt: „Wir möchten die Substanz und das Heimatgefühl bewahren, regionale Wertschöpfung sichern, Arbeitsplätze vor Ort schaffen, die Ruhe und Kultur des Ortes respektieren und den Hof im Sinne der Gemeinschaft nutzen.“
Der ‚Hof der Begegnung‘ wird zweifellos ein fester Bestandteil des Dorflebens und einen wertvollen Beitrag zu Heimat, Gemeinschaft und Zukunft leisten. Das Lächelwerk e.V. ist bereits jetzt ein unverzichtbarer Teil der Schmallenberger Gesellschaft und fördert aktiv die Teilhabe am sozialen Leben. „Menschlichkeit und Wertschätzung bilden die Grundpfeiler unseres Handelns“, fasst Alex die wesentlichen Werte des Vereins zusammen.
Eine Haltung, die unserer gesamten Gesellschaft guttäte, und eine stabile Grundlage, um weiterhin Brücken über stürmische Gewässer zu schlagen und Träume zu ermöglichen. „All your dreams are on your way, see how they shine“ – so singt es Art Garfunkel.


