Wo Nadelkunst Geschichte erzählt: 

Strickereimuseum Oberhundem

Das Stickereimuseum Oberhundem

Leise knarrende Holzböden, kunstvoll bestickte Stoffe und jahrhundertealte Handarbeit empfangen die Besucher im Stickereimuseum Oberhundem. In dem historischen Fachwerkhaus aus dem Jahr 1685 scheint die Zeit ein wenig langsamer zu vergehen. Zwischen feinen Spitzenarbeiten und aufwendig gestalteten Mustertüchern wird deutlich, wie viel Geduld, Können und Leidenschaft in der traditionellen Stickkunst steckt. Seit über 40 Jahren bewahrt das kleine Museum mitten im Ortskern von Oberhundem dieses besondere kulturelle Erbe und macht die Welt der Handarbeit für Besucher aus nah und fern erlebbar.

Schon beim Betreten des historischen Gebäudes spürt man den besonderen Charakter dieses Hauses. Sichtbare Fachwerkbalken, alte Steinfußböden und liebevoll restaurierte Räume bilden den stimmungsvollen Rahmen für eine Sammlung, die weit über die Grenzen des Sauerlands hinaus bekannt geworden ist. Hinter dem Museum steht die außergewöhnliche Geschichte von dem Ehepaar Henriette und Theo Steinacker, die das alte Pastorat Anfang der 1980er-Jahre entdeckten und sich sofort in das Gebäude verliebten. Eigentlich verbrachte das Ehepaar seinen Urlaub in Oberhundem. Doch ein Blick aus dem Fenster des Gasthofs „Zu den Linden“ veränderte alles. „Schaut mal aus dem Fenster, das könnt ihr kaufen“, sagte der Wirt damals scherzhaft. Für Henriette Steinacker war es Liebe auf den ersten Blick. Die ausgebildete Stickmeisterin hatte schon als junges Mädchen begonnen, kostbare Stickereien aus aller Welt zu sammeln. Das alte Pastorat bot endlich den passenden Ort, um ihre außergewöhnliche Sammlung der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Aus dem Dornröschenschlaf geweckt
Zunächst musste das Gebäude aus dem Dornröschenschlaf geweckt werden, besonders im Inneren des Hauses waren viele Renovierungsarbeiten nötig. Das sich dort zu dieser Zeit befindliche Büro des Verkehrsvereins musste umziehen. Die Stallungen im Anbau wurden zuerst in Angriff genommen, so dass der Verkehrsverein dort in ein neues Büro wechseln konnte. Am 7. November 1981 war es schließlich so weit: Das Stickereimuseum Oberhundem öffnete seine Türen. Nicht nur die vielen Besucher, die in den 80er und 90er Jahren oft in großen Gruppen mit dem Bus anreisten, erfüllten das Museum mit Leben: Henriette Steinacker vermittelte über Jahrzehnte hinweg ihre Kenntnisse in zahlreichen Kursen und bildete sogar Lehrlinge zur „Handstickerin“ aus. Ihr Ziel war es stets, das Wissen, um traditionelle Sticktechniken lebendig zu halten. Theo Steinacker erwies sich mit seinem rheinischen Humor als unterhaltsamer „Museumsdirektor“. Frau Henriette Steinacker musste fachlich des Öfteren korrigieren.


Seit 1988 führt Sohn Michael Steinacker das Erbe seiner Eltern fort. In den ehemaligen Räumen des Verkehrsvereins betreibt er eine Einrahmungswerkstatt „im bilde“, führend für das Einrahmen von Handarbeiten und Kunstwerken, weit über die Grenzen des Sauerlandes hinaus. Über dem Museum, früher der Wohnsitz des Ehepaars Steinacker, befindet sich heute eine liebevoll eingerichtete Ferienwohnung.

Michael Steinacker und seine Lebensgefährtin Gisela Dorka lassen die Stickkunst lebendig werden
Michael Steinacker und seine Lebensgefährtin Gisela Dorka lassen die Stickkunst lebendig werden

Die Oberhundemer Einwohner und die Gäste im Sauerland erfreuen sich bis heute an dem Museum und dem angeschlossenen Lädchen, in dem neben Handarbeitszubehör auch viele hübsche Geschenkartikel angeboten werden. „In unserem hektischen Alltag entdecken viele das Sticken als Medium der Meditation neu und üben mit Begeisterung dieses schöne Hobby aus“, erklärt Michael Steinacker. Abschalten, selbst gestalten und etwas Eigenes entstehen lassen, lautet das Motto der Handstickerei.

Aussenansicht Stickereimuseum Oberhundem
Aussenansicht Stickereimuseum Oberhundem