Wo ist Südwestfalen?

Quelle: Homebase Sauerland

Es gibt Fragen, die sind so einfach, dass sie gerade deshalb so schwierig zu beantworten sind. Eine davon lautet: Wo ist Südwestfalen?

Die Frage erinnert ein wenig an den legendären Sauerländer Spruch: „Wo ist Behle?“ Eine Frage, die damals schon weniger eine geografische als eine philosophische war. Denn natürlich weiß jeder Sauerländer, wo Behle ist. Man muss nur jemanden fragen, der es weiß. Bei Südwestfalen ist das etwas komplizierter.

Kreise – Städte – Menschen

Offiziell liegt Südwestfalen irgendwo zwischen Siegen, Olpe, Lüdenscheid, Arnsberg und Soest. Auf Landkarten lässt sich das Gebiet durchaus einzeichnen. Fünf Kreise, viele Städte, viele gute Menschen, viele erfolgreiche Unternehmen. Und doch bleibt eine gewisse Ratlosigkeit. Denn während jeder weiß, wo das Sauerland ist, wird es bei Südwestfalen plötzlich still. Das Sauerland hat Berge, Wälder, Geschichten, Dialekte, Eigenarten. Man kann es fühlen, riechen, erleben. Südwestfalen dagegen ist vor allem eines: ein Konzept. Genauer gesagt: ein Marketingkonzept.

Vor etwa zwanzig Jahren entstand die Idee, aus verschiedenen Regionen eine gemeinsame Marke zu formen. Sauerland, Siegerland, Wittgenstein, Märkischer Kreis – alles unter einem neuen Dach: Südwestfalen. Eine Art regionales Gemeinschaftsprojekt. Mit Logo, Kampagnen, Strategiepapieren und – natürlich – Fördermitteln. Die Idee dahinter war durchaus ehrenwert: Gemeinsam stärker auftreten, Wirtschaftskraft bündeln, Sichtbarkeit erhöhen. Das Problem ist nur: Marken entstehen selten am Reißbrett. Sie entstehen im Kopf der Menschen.

Sauerland einfach da

Niemand musste jemals erklären, was das Sauerland ist. Der Name war einfach da. Seit Jahrhunderten. Bei Südwestfalen dagegen musste zunächst einmal erklärt werden, dass es Südwestfalen überhaupt gibt. Das ist ungefähr so, als müsste man einem Fisch erklären, dass er im Wasser schwimmt. Die Kampagnen waren professionell, die Veranstaltungen gut organisiert, die Broschüren hochwertig. Trotzdem blieb ein kleines Problem bestehen: Die Menschen sagen weiterhin Sauerland. Oder Siegerland. Oder Wittgenstein. Aber kaum jemand sagt: „Ich komme aus Südwestfalen.“

Selbst Politiker greifen im entscheidenden Moment wieder zum alten Begriff. Tourismuswerbung setzt lieber auf das Sauerland. Und auch wirtschaftlich erfolgreiche Unternehmen schreiben selten „Made in Südwestfalen“ auf ihre Produkte. Nicht aus bösem Willen. Sondern weil Identität sich nicht verordnen lässt.

Da wo Behle liegt

Nun endet in diesem Jahr eine Phase der großen Südwestfalen-Strategiearbeit. Viel Geld ist geflossen, viele Konzepte wurden geschrieben, viele Projekte umgesetzt. Und deshalb darf man die Frage heute vielleicht ganz unbefangen stellen: Wo ist Südwestfalen eigentlich? Ist es eine Region? Ein Wirtschaftsraum? Ein Förderprogramm? Oder vielleicht nur ein Name für eine gute Idee, die nie ganz im Alltag der Menschen angekommen ist? Vielleicht liegt Südwestfalen ja genau dort, wo auch Behle liegt.

Man weiß ungefähr, wo es sein müsste.Aber ganz sicher ist sich niemand. Und vielleicht ist das gar nicht schlimm. Denn während Südwestfalen noch darüber nachdenkt, was es sein möchte, weiß das Sauerland längst, was es ist. Ein Land der tausend Berge. Mit Menschen, die lieber machen als erklären. Im Sauerland sagt man dafür ein schönes Wort: Pauern. Und vielleicht ist genau das der Unterschied. Während man andernorts noch über Markenstrategien nachdenkt, hat das Sauerland einfach weitergemacht. Ganz ohne Konzeptpapier. Aber mit ziemlich viel Realität.