„Wir wollen unsere Heimat nicht verlieren“

Die Bürger Frank Dubberke, Alfred Bierhoff und Wolfgang Exner aus der Gemeinde Kirchhundem wünschen sich, dass die Menschen vor Ort gehört werden und dass die Frage nach der Zukunft des Rothaargebirges nicht allein auf Karten und in Akten beantwortet wird, sondern auch mit Blick auf diejenigen, die dort leben.

Bürger aus Kirchhundem sorgen sich um die Zukunft des Rothaargebirges

Wenn Frank Dubberke, Wolfgang Exner und Alfred Bierhoff über das Rothaargebirge sprechen, dann reden sie nicht über Karten, Flächennutzungspläne oder Genehmigungsverfahren. Sie reden über Heimat. Über Wälder, in denen sie gewandert sind. Über Bäche, Wiesen und Höhenzüge, die sie seit Jahrzehnten begleiten. Und über die Sorge, dass sich diese Landschaft durch den massiven Ausbau der Windenergie dauerhaft verändern könnte. Diese Sorge stand im Mittelpunkt eines WOLLcast-Pauerland-Gesprächs mit den drei Bürgern aus der Gemeinde Kirchhundem.

„Ich habe endlose Landschaften vor Augen, grüne Wälder, Bäche, viel Natur“, beschreibt Frank Dubberke seine Vorstellung vom Rothaargebirge. Für ihn sei die Region weit mehr als ein Wohnort. Sie sei Lebensraum und Rückzugsort zugleich. Umso größer sei seine Besorgnis angesichts der geplanten Windenergieanlagen auf den Höhen zwischen Kirchhundem und dem benachbarten Siegerland.

Auch Wolfgang Exner erinnert sich noch genau an den Moment, als er die ersten Windräder auf den Höhen wahrnahm. „Man hat schon gemerkt, da passiert was, da verändert sich etwas, was nicht zum Vorteil von unserer wunderschönen Landschaft ist“, sagt er. Was damals mit wenigen Anlagen begann, habe inzwischen eine völlig neue Dimension erreicht. Besonders deutlich formuliert Alfred Bierhoff seine Sorge um das Landschaftsbild. „Wenn man vor fünf oder zehn Jahren im Sauerland zum Wandern war und man geht heute in die gleiche Landschaft, ist sie nicht wiederzuerkennen“, sagt er. Die Vielzahl neuer Wege, Rodungen und technischen Bauwerke verändere den Charakter der Region grundlegend.

Wo die Heimat zu Hause ist
Die drei Gesprächspartner betonen dabei ausdrücklich, dass sie sich nicht grundsätzlich gegen Windenergie wenden. Ihre Kritik richtet sich gegen Umfang und Standort der geplanten Anlagen. Vor allem die Nähe zu Wald- und Naturschutzgebieten bereitet ihnen Sorgen. Bierhoff, der sich seit vielen Jahren auch im Naturschutz engagiert, verweist auf die Bedeutung des Waldes als Lebensraum, Wasserspeicher und Erholungsgebiet. „Waldboden braucht 100 bis 300 Jahre, um sich zu regenerieren“, sagt er. Die Eingriffe, die heute vorgenommen würden, seien deshalb für viele Generationen sichtbar.

Neben den ökologischen Auswirkungen beschäftigt die drei Bürger vor allem die Stimmung in den Dörfern. Alfred Bierhoff, seit Jahrzehnten kommunalpolitisch aktiv, spricht von einer Entwicklung, die er in dieser Form noch nie erlebt habe. „So eine Unruhe und so ein Zwiespalt in den einzelnen Dörfern habe ich noch nie erlebt“, sagt er. Viele Menschen fühlten sich mit ihren Sorgen nicht ernst genommen.

Mehr als nur ein paar Windräder
Frank Dubberke beobachtet ebenfalls eine zunehmende Resignation. „Viele der betroffenen Personen schwanken zwischen Resignation und ‚Wir werden sowieso nicht gehört‘“, berichtet er. Daraus entstehe eine Politikverdrossenheit, die ihm große Sorgen bereite. „Wenn man in einem demokratischen Land nicht mehr von der Politik gehört wird, dann ist das kein tragbarer Zustand.“

Für Wolfgang Exner geht es dabei um weit mehr als um einzelne Windräder. Es geht um die Verantwortung gegenüber kommenden Generationen. „Ich habe zwei Kinder und zwei kleine Enkel“, erzählt er. „Ich möchte ihnen eigentlich eine Welt hinterlassen, in der man leben kann.“ Die Vorstellung, dass seine Enkel eines Tages ihre Heimat verlassen müssten, weil sich die Region grundlegend verändert habe, schmerze ihn. „Man kann die Zerstörung unserer Heimat nicht wortlos und widerspruchslos hinnehmen. Das geht nicht.“

Heinsberg eingerahmt von Windenergieanlagen
Heinsberg eingerahmt von Windenergieanlagen

Ähnlich empfindet es auch Alfred Bierhoff. Aufgeben komme für ihn nicht infrage. „Wer kämpft, der kann verlieren. Aber wer nicht kämpft, der hat schon verloren“, sagt er. Deshalb wolle er weiter für die Natur und die Dörfer seiner Heimat eintreten. Besonders bewegt ihn die Frage, was künftigen Generationen hinterlassen werde. „Ich will einfach nicht, dass wir unsere schöne Natur für etwas hergeben, was wir in den nächsten 100, 200 oder 300 Jahren gar nicht wieder herstellen können.“

Wenn Bürger um ihre Landschaft kämpfen
Am Ende des Gesprächs wird deutlich: Hinter allen Zahlen, Plänen und politischen Diskussionen steht für die drei Bürger vor allem die Liebe zu ihrer Heimat. Frank Dubberke bringt es auf den Punkt: „Ich möchte meinen Kindern eine intakte Natur hinterlassen. Dafür kämpfe ich.“

Ob die geplanten Windenergieprojekte umgesetzt werden oder nicht, werden letztlich Behörden und Gerichte entscheiden. Doch unabhängig davon wünschen sich Dubberke, Exner und Bierhoff vor allem eines: dass die Menschen vor Ort gehört werden und dass die Frage nach der Zukunft des Rothaargebirges nicht allein auf Karten und in Akten beantwortet wird, sondern auch mit Blick auf diejenigen, die dort leben.