Quelle: Lena Tomm
Die Geschichte der Familie Demitürk im Sauerland
Sie sind Ärzte, Eltern, Gläubige – und seit einigen Jahren fest verwurzelt im Sauerland: Die Geschichte der Familie Demirtürk beginnt mit einer dramatischen Flucht aus der Türkei und führt in ein neues Leben in Schmallenberg. Heute sagen sie: „Wir sind angekommen.“
Entkommen vor Repression
Mustafa und Zerrin Demirtürk waren in der Türkei als engagierte Mediziner tätig – bis politische Entwicklungen nach dem gescheiterten Putschversuch im Jahr 2016 alles veränderten. Aufgrund eines angeblichen Näheverhältnisses zur Gülen-Bewegung gerieten sie unter staatlichen Druck. „Plötzlich war man verdächtig, weil man sich zivilgesellschaftlich engagierte“, erinnert sich Mustafa. Die Familie kam mit zwei kleinen Kindern und einer in der 35. Schwangerschaftswoche befindlichen Mutter aus ihrem Heimatland. Hoffnung auf Sicherheit und der Mut zum Neuanfang waren ihr Antrieb.
Ankommen in Etappen
Die ersten Monate in Deutschland waren geprägt von Umzügen, Unsicherheit und Sprachbarrieren. „Ich wusste nicht mal, wie man Brot kauft“, sagt Selin mit einem Lächeln.
Der Wille zur Integration war groß. Sie lernten Deutsch mit Hilfe von Apps, Kursen und Alltagssituationen. Die Kinder fanden schnell Anschluss – erst bei anderen türkischen Familien, bald auch in deutschen Schulklassen.
Ein Neuanfang in Schmallenberg
Durch eine ärztliche Stelle im Lungenzentrum Grafschaft kam die Familie ins Sauerland. „Die Klinik hat mir eine Chance gegeben“, sagt Mustafa. Seine Frau Selin fand ebenfalls eine Anstellung. Die Familie zog nach Schmallenberg – und blieb. „Die Menschen hier sind ruhig, freundlich und hilfsbereit.“ Die Kinder, inzwischen auf dem Gymnasium, spielen Geige und Klavier, treiben Sport, haben Freunde. „Ich mag Mathe – und Schmallenberg“, sagt der jüngere Sohn.
Quelle: Lena TommReligion und Offenheit
Glaube spielt im Leben der Familie eine wichtige Rolle. Dabei geht es ihnen nicht um Abgrenzung, sondern um Verständigung. „Wir beten, fasten, feiern – aber wir teilen auch“, so Mustafa. Regelmäßige Begegnungen mit deutschen Freunden, gemeinsame Fastenbrechen oder Spaziergänge mit dem Pastor gehören heute zum Alltag.
Zukunft und Zuversicht
Heute arbeiten Mustafa und Zerrin als anerkannte Fachärzte. Ihre Kinder fühlen sich heimisch. Der älteste Sohn denkt über ein Studium nach. Herausforderungen gibt es noch – etwa in der Mobilität oder beim Thema Vorurteile.
Aber Mustafa sagt: „Wir geben unser Bestes – und wir erfahren viel Gutes.“



