Wintersport in Winterberg 

Skifahren um 1906 in Winterberg

Quelle: Hans-Joachim Kupka

Skifahren um 1907 in WinterbergQuelle: Horst-Joachim Kupka

Der Winterberger Oberförster Hagemann ist der Erste. Im Winter 1889 macht sich der Sauerländer auf in den Wald – zum ersten Mal auf Skiern. Offenbar machte es dem Oberförster Spaß. Hagemann steigt wieder auf die Bretter, gönnt sich abends ein Bier in der Schänke und erzählt vom Skierlebnis. Der erste Après-Ski-Abend in Winterberg.

Über 100 Jahre später: Tausende von Skifahrern tummeln sich in den Winterberger Skigebieten, liegen sich tanzend bei dröhnenden Diskoklängen beim Après-Ski am Poppenberg in den Armen. Oberförster Hagemann konnte ja nicht ahnen, dass sich seine Heimatstadt zum größten Skigebiet nördlich der Alpen entwickeln würde.

1906 kommt Winterberg ans Schienennetz. Jetzt kommen auch die ersten Wintersportler. Ein Jahr später wird der Skiclub Winterberg gegründet, 1910 der Bobclub – sauerländischer Bob-und Motorsportverein genannt. Beim Skikjöring lassen sich Skifahrer von Pferden durch den Schnee ziehen. Ein Wintermärchen. Skilangläufer, Skispringer, Skiabfahrer – Hunderte treffen sich bei Winterfesten am Kahlen Asten. Ob Oberförster Hagemann da noch mitgefeiert hat?

Die Skifahrer jedenfalls tragen Kniebundhosen wie er, stoßen sich mit Bambusskistöcken ab, fahren auf Skiern aus Haselnussholz. Studenten aus gutem Hause, betuchte sportliche Damen und Herren der oberen Gesellschaft. Die Frauen müssen sich wallende Skiröcke anziehen – aus Anstandsgründen – Hosen sind für sie tabu. Viele halten sich nicht dran, sind als „wilde Hosenweiber von Winterberg“ verschrien. Der Pastor predigt, „dass kein Schnee mehr fallen möge, um dem unzüchtigen Treiben Einhalt zu gebieten“.

Und was machen die Winterberger? Sie machen Geschäfte, bieten Unterkunft und Verpflegung an, stellen Skier her, vermieten Wintersportausrüstung. Ihre Urenkel treiben heute die Entwicklung der Wintersportarena Sauerland voran. Das Geschäft mit dem Schnee – es liegt den Winterbergern im Blut.

In den 50er Jahren werden erste Schlepplifte gebaut.In den 60er Jahren beginnt der Massentourismus mit Wintersportzügen und Bussen. Der Aufschwung geht bis 1988. Dann kommen schlechte Winter. Zur Jahrtausendwende müssen sich die Winterberger entscheiden: weitermachen oder aufhören. Sie machen weiter – und wie. Mit der Sporthochschule Köln wird das Projekt „Wintersportarena Sauerland“ entwickelt.

DJM Bob FrauenQuelle: NWBSV

Für die Winterberger gibt’s nur eine Richtung: Vorwärts!
Die Idee: Schneesicherheit herstellen mit künstlicher Beschneiung. Besucher aus den Ballungsgebieten und Beneluxstaaten wohnen ja vor der Haustür. Die Wintersportarena mit dem pulsierenden Zentrum Winterberg wird zur Erfolgsstory. Mit grüner Energie werden Beschneiungsanlagen angetrieben. Wasser für die Beschneiung kommt aus den Bächen und fließt als Schmelzwasser zurück. Ein natürlicher Kreislauf.

So natürlich, wie der erste Skiausflug vom Winterberger Oberförster Hagemann.