Quelle: Hassan Abby-El-Elia
So denkt Bürgermeister Michael Beckmann über seine Stadt
Wenn Michael Beckmann über seine Stadt spricht, merkt man schnell: Hier spricht keiner, der bloß verwaltet. Der Bürgermeister von Winterberg ist überzeugt, dass seine Stadt auf dem richtigen Weg ist – wirtschaftlich, touristisch und gesellschaftlich: „Winterberg ist familiär, bodenständig und innovativ.
“Eines der prägendsten Projekte der letzten Jahre ist für Beckmann die Bullenwiese. „Die Bullenwiese ist ein Symbol dafür, wie Hauptamt und Ehrenamt in dieser Stadt zusammenarbeiten“, betont er. Ursprünglich eine alte Weidefläche, wurde sie dank Städtebaufördermitteln und großem ehrenamtlichen Engagement zu einer modernen Freizeitanlage. „Ohne das Ehrenamt hätte das nicht geklappt“, sagt Beckmann. Für ihn ist die Bullenwiese ein Sinnbild dafür, „wie diese Stadt gemeinsam anpackt“.
Ganzjahrestourismus als Erfolgsmodell
Winterberg hat sich vom Wintersportort zur Ganzjahresdestination entwickelt. „Früher war Winterberg stark wintertourismuslastig“, erklärt Beckmann. „Heute sind wir ein Ganzjahresort – das hilft uns auch, Fachkräfte zu halten.“ Mit Angeboten von Bikeparks über Wandern bis Gesundheitstourismus ist die Stadt inzwischen weit über den Winter hinaus attraktiv. Der Bürgermeister sieht die Strategie auf Kurs: „Wir sind wieder auf dem Niveau von 2019 – das war ein sehr gutes Jahr.“ Über eine Million Übernachtungen jährlich sind längst wieder erreicht.
Trotz Klimawandel bleibt der Winter eine feste Größe. „Den abgesagten Winter, den können wir hier so nicht feststellen“, sagt Beckmann entschieden. Durch Investitionen in Schneesicherheit und moderne Beschneiung sei Winterberg „für die nächsten zehn Jahre gut aufgestellt“. Mehr als 120 Millionen Euro seien in die Skigebiete geflossen. Zugleich denkt Beckmann weiter: „Wir müssen unsere Abhängigkeit vom Schnee reduzieren, ohne ihn aufzugeben. Beides geht, wenn man es intelligent steuert.“
Ein Thema, das Beckmann kritisch im Blick hat, ist der Ferienwohnungsboom. „Wir arbeiten daran, das Gleichgewicht wiederherzustellen – zwischen touristischer Nutzung und dem Bedarf der Bürgerinnen und Bürger“, sagt er. Zu viele reine Ferienhäuser führten zu Verdrängungseffekten und steigenden Mietpreisen. „Das darf nicht kippen“, warnt Beckmann. Neue Bebauungspläne sollen verhindern, dass ganze Viertel zu Ferienhaussiedlungen werden. Den typischen „Ballermann-Tourismus“ will man bewusst vermeiden: „Kein zweites Sylt im Sauerland, kein Willingen – wir gehen den Winterberger Weg: Outdoor, familiär, bodenständig.“
Lebendige Orte
Winterberg besteht aus 15 Ortsteilen – jeder mit eigenem Gesicht. „Das macht den Charme unserer Stadt aus“, sagt Beckmann. Während einige stark touristisch geprägt sind, haben andere einen gewerblichen Schwerpunkt. Besonders stolz ist er auf die jungen Unternehmerinnen und Unternehmer: „In Niedersfeld zum Beispiel hast du alles – vom Kupferkünstler bis zum Karussellbauer. Und in Winterberg bahnen sich zunehmend digitale Unternehmenskonzepte ihren Weg. Das zeigt, wie lebendig unsere Region ist.“
Ein besonderes Anliegen ist Beckmann das Krankenhaus in Winterberg. „Wir sind hart am Wind gesegelt“, sagt er rückblickend. Nach der Insolvenz habe sich ein neuer Betreiber gefunden, das Vertrauen wachse wieder. „Das Krankenhaus mit seiner Grund- und Akutversorgung 24/7 ist sprichwörtlich lebenswichtig für unsere Stadt.“
Sport, Energie und Digitalisierung
Winterberg bleibt auch Sportstadt. Beckmann verweist auf Snowboard-Weltcups, Radsportveranstaltungen und die Rolle der Stadt als Bundesstützpunkt. „Wir haben die Kapazitäten und die Leidenschaft – das spürt man hier. Und natürlich blickt er mit Stolz auf die Erfolge der heimischen Athletinnen im Eiskanal: „Die Sauerländer Frauenpower bei Olympia – das ist schon etwas ganz Besonderes.“
Beim Thema Energie wird Beckmann deutlich: „Wir sind weiterhin Verlierer der Regionalplanung.“ Der Ausbau der Windkraft treffe Winterberg besonders stark. „Wir haben acht Windenergiebereiche – mehr als jede andere Kommune im Hochsauerlandkreis.“ Dennoch betont er: „Wir sind nicht gegen die Energiewende. Aber sie muss fair verteilt und mit Augenmaß umgesetzt werden.“
In Sachen Digitalisierung zeigt sich der Bürgermeister optimistisch: „Wir arbeiten an Glasfaser für alle Ortsteile und an einer Bürger-App, um Verwaltung einfacher und direkter zu machen.“ Auch der Ausbau von E-Ladeinfrastruktur und digitalem Parkraummanagement laufe. „Das ist kein Selbstzweck – das macht uns zukunftsfähig.“
Investition in Bildung und Familie
Ein weiterer Schwerpunkt ist für ihn die Bildung. „Über Bildung gewinnen wir Familien für unsere Region“, sagt Beckmann. Mehr als 18 Millionen Euro fließen in den kommenden Jahren in das Gymnasium. „Wir investieren in Schulen, in Jugendarbeit, in Familien – weil hier die Welt noch in Ordnung ist.“
Bei aller Begeisterung für den Ort, wo die Welt noch in Ordnung ist, bleibt Winterbergs Bürgermeister bodenständig: „Wir hatten gute Jahre – aber die werden schwieriger.“ Zwar habe Winterberg Schulden abgebaut, doch die steigende Kreisumlage und notwendige Investitionen setzten den Haushalt unter Druck. „Wir dürfen die Handlungsfähigkeit der Kommune nicht gefährden – aber wir müssen trotzdem weiter investieren.“
Die Zusammenarbeit mit Nachbarkommunen ist für Beckmann selbstverständlich. „Wir arbeiten eng mit Medebach und Hallenberg zusammen – da gibt es viele gute Ansätze.“ Eine Fusion lehnt er aber klar ab: „Das werde ich nicht mehr erleben – und das ist auch gut so.“
Winterberg steht gut da – weil hier Pragmatismus auf Leidenschaft trifft. Beckmanns Credo könnte auch als Leitspruch für das neue Winterberg gelten: „Wir nehmen die Veränderungen an, aber wir bleiben, wer wir sind.“



