Wieland-Sage teilweise in einem markanten Tal des Sauerlandes

Quelle: Cover des Buches

Mit Andvaranaut legt Andreas Otto Levermann einen bemerkenswerten historischen Roman vor, der tief in die Welt germanischer Sagen, nordischer Mythologie und frühgeschichtlicher Überlieferungen eintaucht. Auf mehr als 500 Seiten entfaltet sich ein ebenso ambitioniertes wie spannendes Epos, das bekannte Stoffe der Edda, der Wieland-Sage und des Nibelungenkreises zu einer eigenständigen Erzählung verknüpft.

Im Mittelpunkt steht der junge Wieland, Sohn eines mächtigen Jarls, der eine außergewöhnliche Gabe besitzt: Feuer kann ihm nichts anhaben. Diese besondere Fähigkeit macht ihn früh zum Gegenstand von Erwartungen, Hoffnungen und Machtinteressen. Parallel dazu entwickelt sich die Geschichte um Sigfried und Brynhild, deren Begegnung zu den eindrucksvollsten Passagen des Romans zählt. Levermann verbindet diese Erzählstränge mit dem Schicksal des sagenumwobenen Rings Andvaranaut – jenes verfluchten Kleinods, das bereits in der nordischen Mythologie Streit, Gier und Tod über seine Besitzer bringt.

Historische Forschung und erzählerische Fantasie

Besonders beeindruckend ist die enorme Detailtiefe, mit der der Autor seine Welt erschafft. Historische Siedlungen, Stammesgesellschaften, Handelswege, Waffen, Glaubensvorstellungen und politische Konflikte werden mit großer Kenntnis geschildert. Dabei gelingt es Levermann, historische Forschung und erzählerische Fantasie überzeugend miteinander zu verbinden. Die zahlreichen Anhänge, Karten, Stammbäume und Register zeigen den hohen Anspruch des Projekts.

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Sommerhöhle in der Nähe des Hönnetals

Stilistisch erinnert Andvaranaut an klassische Abenteuer- und Sagenromane. Die Sprache bleibt klar und zugänglich, während die Handlung von einer Vielzahl überraschender Wendungen getragen wird. Wer rasante Fantasy erwartet, wird gelegentlich Geduld aufbringen müssen, denn der Autor nimmt sich Zeit für Figurenentwicklung, kulturelle Hintergründe und historische Zusammenhänge. Genau darin liegt jedoch eine besondere Stärke des Buches: Die Welt wirkt nicht erfunden, sondern gelebt.

Faszinierende Neuinterpretation germanischer Sagen

Für Leserinnen und Leser aus dem Sauerland besitzt der Roman einen zusätzlichen Reiz. Andreas Otto Levermann lebt in Herscheid und beschäftigt sich seit seiner Jugend mit der Wieland-Sage, die teilweise im Raum der Hönne und damit in einem markanten Tal des Sauerlandes verortet wird. Diese regionale Verbundenheit verleiht dem Werk eine besondere Authentizität.

Andvaranaut ist kein Buch für den schnellen Konsum. Es ist eine literarische Reise in eine ferne Welt zwischen Geschichte und Mythos, zwischen Göttern und Menschen, Macht und Schicksal. Wer sich auf dieses Abenteuer einlässt, wird mit einer faszinierenden Neuinterpretation germanischer Sagen belohnt – kenntnisreich, spannend und voller erzählerischer Leidenschaft.

ANDVARANAUT, Andreas Otto Levermann – Hardcover, 532 Seiten, ISBN: 978-3-982840 0-00, 25,95 Euro – erhältlich im WOLL-Onlineshop, amazon und direkt beim Verlag ANDVARANAUT

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Andreas Otto Levermann

Andreas Otto Levermann lebt im Sauerland. Schon als Jugendlicher interessierte er sich für die Wieland-Sage, die ganz in der Nähe seines Geburtsortes, im Tal der Hönne, verortet wird. Früh erzählte er seinen drei Kindern die Geschichten über die Helden der germanischen Mythenwelt. Andreas Otto Levermann und seine Frau erkunden leidenschaftlich gerne römische Ruinen und wohnen auf einem kleinen Hof in Herscheid.