Widukinds letzte Schlacht

Widukind

Quelle: WOLL Magazin

Die Geschichte um Herzog Widukind ist die Geschichte eines Sieges. Eines Sieges über sich selbst und über die Angst. Eines Sieges der Weisheit über die Gewalt.

Das frühe Mittelalter – eine Epoche, in der Legenden geboren und Grenzen neu gezogen wurden. Eine Zeit, die das kulturelle Gedächtnis bis heute beschäftigt, nicht nur in historischen Abhandlungen, sondern auch in literarischen und musikalischen Erzählungen. Inmitten dieser Umbruchszeit herrscht der Sachsenherzog Widukind, ein Name, der in den Chroniken des 8. Jahrhunderts ebenso auftaucht wie in den Mythen Westfalens. Um ihn dreht sich eine Oper, die am 05. September 2025 in der Stadthalle Schmallenberg zu erleben sein wird. „Widukind“ ist der schlichte Titel eines Werks, das nicht weniger will, als ein Kapitel europäischer Geschichte zwischen Machtpolitik und persönlichem Zweifel in die Gegenwart zu holen.

Die „Widukind“-Oper wurde 2022 in Enger (Kreis Herford), der Stadt, in der der Sachsenherzog begraben sein soll, aus der Taufe gehoben. Die Autorin und Regisseurin Birgit Kronshage schuf gemeinsam mit dem Komponisten Thomas Lotz ein Werk, das sich von den Konventionen des Musiktheaters bewusst absetzt. Entstanden ist eine Oper, die historische Stoffe, eine moderne Musiksprache und ein Plädoyer für Verständigung vereint. „Widukind war ein ganz und gar moderner Mensch. Ein Zweifler, der seine Angst vor dem Neuen und Unbekannten überwindet. Solche Menschen braucht es auch heute“, sagt Kronshage.

Das Stück erzählt von Widukinds innerem Kampf im Angesicht der Übermacht des Frankenkönigs Karl, der das Sachsenland unterwerfen und seine Bewohner mit dem Schwert zum Christentum bekehren will. Der Herzog steht dabei am Scheideweg zwischen Kampf und Kapitulation – und entscheidet sich für einen dritten Weg: den der Verständigung. Mit seiner Taufe endet ein Kapitel blutiger Auseinandersetzungen, und der Oper gelingt es, diesen historischen Schritt nicht als Niederlage, sondern als humanen Sieg über die Gewalt zu deuten. Der Handschlag zwischen Karl und Widukind – in der Oper symbolischer Akt auf Augenhöhe – bildet den dramaturgischen Höhepunkt.

DKO OrchesterQuelle: Eva Maria Richter

Doch „Widukind“ will mehr als ein Historiengemälde sein. Thomas Lotz beschreibt seine Musik als „Innovation durch Kombination“. Mittelalterliche Melodik, spätromantische Klangflächen, Anklänge an Rock und Pop, Choralfragmente und elektronische Elemente verbinden sich zu einem heterogenen, aber bewusst zugänglichen Klangbild. „Mir persönlich war es wichtig, eine Musik zu schaffen, die den Menschen Freude bereitet – auch solchen, die ansonsten den Weg ins Opernhaus scheuen“, erklärt Lotz. Diese Öffnung gelingt nicht nur über die Musik, sondern auch durch die Besetzung: Die Hauptrolle des Widukind übernimmt mit der Koreanerin Yewon Kim eine Frau. Ein bewusster Bruch mit der Tradition, der den Stoff aus dem Schatten männlicher Heldenmythen holt. In weiteren Rollen sind zu sehen und zu hören Benjamin Werth (König Karl, später der Große), George Gamal (Abbio, Waffenbruder Widukinds), Carlos Matos (Elimelech, ein jüdischer Händler), Rita ElAchkar (Geva, Widukinds Frau), Sabine Paßow (Die sächsische Seherin) und Jörn Schümann (Alebrand, Berater Karls).

Das Detmolder Kammerorchester unter Leitung des Komponisten  begleitet das rund zweistündige Werk. Arien, Duette und Chorszenen wechseln mit gesprochenen Passagen, die den historischen Kontext erläutern und die Erzählung erden. Für szenische Bewegung sorgen die Tänzer der Breakdance-Crew „Last Action Heroes“ aus Bad Oeynhausen, die die Kämpferrollen übernehmen, so wird der Mittelalterstoff mit urbaner Gegenwartskultur verknüpft.

„Was wäre das Jubiläum ‚1250 Jahre Westfalen‘ ohne den ersten berühmten Westfalen Widukind?“, fragt Regine Krull, die als Gesamtleiterin des Projekts auch die Verbindung zwischen den Aufführungsorten verantwortet. Tatsächlich wird mit der Oper auch ein kulturhistorisches Jubiläum begangen. 775 nach Christus taucht in den Quellen erstmals der Begriff „Westfalen“ auf. Die Sachsenkriege Karls des Großen hinterließen in der Region tiefe Spuren.
Die Aufführung in der Stadthalle Schmallenberg am Freitag, 05. September 2025  beginnt um 19:30 Uhr. 

Weitere Aufführungen finden in Höxter, Open Air am Weserufer (Premiere 23.08., 24.08, 30./31.08.2025) und in Enger in der Aula des Widukind-Gymnasiums  (06./07.09.2025) statt. 

Veranstalter in Schmallenberg ist die Kulturelle Vereinigung Schmallenberger Sauerland e. V. in Kooperation mit der Stadt Schmallenberg. 

Eintrittskarten können auf der Website www.kulturelle-vereinigung.de  bestellt werden, sind aber auch an den Vorverkaufsstellen (Touristikzentralen in Schmallenberg, Poststraße 7, und Bad Fredeburg, Am Kurhaus 4) erhältlich.

Rückfragen beantworten wir gern über „konzert@kulturelle-vereinigung.de