Werkstatt statt Medienbranche

Ashley Gonschorek macht Ausbildung zur KFZ-Mechatronikerin in Brilon

Wer Ashley heute in ihrer Arbeitskleidung in der Werkstatt der Firma Paul Witteler GmbH & Co. KG in Brilon trifft, erlebt eine engagierte junge Frau, die ihren Platz ganz offensichtlich gefunden hat. Die 21-jährige Auszubildende absolviert derzeit ihr viertes Lehrjahr zur KFZ-Mechatronikerin. Sie zeigt tagtäglich, dass Motivation und handfestes Interesse in diesem Beruf viel wichtiger sind als alte Vorurteile über die klassische Rollenverteilung.

Dabei sah ihr Plan ursprünglich ganz anders aus. Nach ihrem Fachabitur mit dem Schwerpunkt Gestaltung dachte sie zunächst an eine berufliche Zukunft im kreativen Bereich. „Ich wollte eigentlich so eine Medienmaus werden“, erzählt Ashley schmunzelnd. Das änderte sich jedoch, als sie sich mit 17 Jahren ihr erstes eigenes Auto kaufte. Durch den eigenen Wagen entstand ein großes Interesse an der Fahrzeugtechnik und der Wunsch, die mechanischen Abläufe unter der Motorhaube richtig zu verstehen.

Nach vielen Bewerbungen und einigen Absagen war die Firma Witteler in Brilon der erste Betrieb, der sie zu einem Vorstellungsgespräch einlud. Man vereinbarte ein fünftägiges Praktikum, um sich gegenseitig kennenzulernen. „Bereits am Freitag der Probewoche wurde mir ein fester Ausbildungsvertrag angeboten“, erinnert sich Ashley. Mittlerweile ist sie im vierten Lehrjahr der dreieinhalbjährigen Ausbildung und steht kurz vor ihrem Abschluss.

Selbstständigkeit im Werkstattalltag

Der Alltag im Autohaus Witteler, das als Vertragswerkstatt Marken wie Mercedes, Ford und Skoda vertritt, bringt jeden Tag andere Aufgaben mit sich. Ein absolut typischer Arbeitstag existiert für die angehende Mechatronikerin kaum. Das Spektrum reicht von regulären Wartungen und Ölwechseln bis hin zum Austausch von Windschutzscheiben oder komplexeren Arbeiten wie dem Tausch von rostenden Hinterachsen. Genau diese Vielfalt ist es, was die Auszubildende jeden Tag aufs Neue begeistert. „Mir gefällt vor allem die Abwechslung. Selbst als ausgelernte Kraft kann man jeden Tag etwas Neues dazulernen.“

Besonders schätzt sie auch das Vertrauen, das ihr im Team entgegengebracht wird. „Mittlerweile bearbeite ich meine Aufträge ganz eigenständig, führe die Reparaturen durch und übernehme auch die Fehlersuche alleine, ohne dass mir ständig jemand über die Schulter gucken muss“, erklärt Ashley. Das gilt für Elektronikprobleme an der Sitzheizung ebenso wie für rein mechanische Arbeiten.

Neben der nötigen körperlichen Fitness, die man für das Heben schwerer Teile im Reifenlager braucht, kommt es für sie im Werkstattalltag vor allem auf die Einstellung an. „Man muss eigentlich nur die richtige Motivation mitbringen, denn wenn man das Handwerk wirklich erlernen möchte, dann versteht man die Abläufe auch ganz schnell“, ist sich Ashley sicher.

Immer mehr Frauen in der Werkstatt

Obwohl das KFZ-Handwerk oft noch als reine Männerdomäne wahrgenommen wird, verändert sich die Struktur auch bei der Firma Paul Witteler spürbar. Zu Beginn von Ashleys Ausbildung fing am Standort noch eine weitere Auszubildende im LKW-Bereich an, mittlerweile arbeiten bereits sechs Auszubildende im technischen Bereich des Betriebs. Das Unternehmen unterstützt diesen Trend aktiv und setzt auf Kampagnen, um gezielt Frauen für die Werkstatt zu begeistern.

Ashley bringt sich hierbei als Ausbildungsbotschafterin ein. In Zusammenarbeit mit der Handwerkskammer besucht sie Schulen oder Ausbildungsmessen in der Region, um Jugendlichen den Beruf näherzubringen. Für die Schüler ist es dabei immer ein besonderes Highlight, wenn sie mit einem schönen Vorführwagen vorbeikommt, in den sich die Jugendlichen hineinsetzen und verschiedene Dinge ausprobieren können.

Für ihre berufliche Zukunft nach der Gesellenprüfung im Januar möchte die junge Frau gerne im Unternehmen bleiben. Da der Betrieb ein großes Netzwerk mit mehreren Standorten in der Region unterhält, bieten sich ihr dort hervorragende Perspektiven, um ihre berufliche Laufbahn erfolgreich fortzusetzen und die nächsten Schritte als ausgelernte Fachkraft zu gehen.