Wer macht hier eigentlich Politik?– DIE PARTEI

„Das war auf jeden Fall ein Grund, mehr als nur ein Bier zu trinken.“ Theresa Pieper hatte als Bewerberin um das Bürgermeisteramt mit 9,32 % (1.214 Stimmen) mehr als einen Überraschungserfolg erzielt. Und das als Mitglied der nicht nur in Schmallenberg als Spaßpartei belächelten Partei DIE PARTEI. Im August 2021, fast ein Jahr nach der Kommunalwahl, treffen wir Theresa Pieper, inzwischen 1. Vorsitzende von DIE PARTEI in Schmallenberg, und den 2. Vorsitzenden Alexander Freund in dessen Wohnung in Bad Fredeburg. Was steckt hinter dieser, sich selbst als Satire- Partei bezeichnenden Organisation und was will die neue Partei in der Stadt Schmallenberg erreichen? Alexander Freund, der den Bad Fredeburgern als Künstler und Betreiber der Postfiliale in der Hochstraße bekannt ist, antwortet auf die Frage: Wie kam es überhaupt zur Gründung von DIE PARTEI in Schmallenberg? „Ich denke, viele Leute haben, wie soll ich sagen, die Lust auf Politik verloren, weil es für sie immer unwahrscheinlicher wird, daran zu partizipieren. Satire wiederum spricht politikverdrossene Menschen an, aber auf andere Weise als üblich. Und wie man sieht, funktioniert es auch. Es ist nicht so, dass es uns nur um Spaß geht, aber Politik soll auch Spaß machen. Das ist bei uns das große Plus.“

Mit satirischen Mitteln ernsthafte Politik betreiben

Einen großen Kommunikationserfolg hatte DIE PARTEI im Kommunalwahlkampf mit der Forderung zur Eindämmung von Gleidorf. Geht eine solche, wenn auch satirische gemeinte Forderung nicht zu weit? Alexander Freund, der auch als Künstler die Form der provokativen Kommunikation beherrscht, meint: „Die Idee war, wenn das wirklich stattfindet, den Gleidorfern eine Ehrenmedaille zu überreichen. Wegen ihres Dienstes an der Gemeinschaft. Es hat vielleicht Menschen gegeben, die zumindest zeitweise gedacht haben, das sei ein ernster Plan. Wir wollten damit auf Situationen aufmerksam machen, wie es ist, wenn bei geplanten Maßnahmen kaum noch eine öffentliche Diskussion möglich ist, wie wir das jetzt zum Beispiel bei den geplanten Windenergieanlagen am Rande der Stadt Schmallenberg sehen.“

Und die junge, ehemalige Bürgermeisterkandidatin ergänzt: „Es ist unser Ziel, dass wir durch Plakate und Aussagen die Menschen dazu bringen, die Sachen zu hinterfragen. Es steckt meistens eine tiefe Zweideutigkeit in den Motiven. Wir wollen nicht, dass die Leute einfach vorbeigehen, sondern bestenfalls stehen bleiben und kurz nachdenken.“ Verstehen die Menschen aber diese Satire, ist der Humor dahinter für jeden verständlich? Theresa Pieper und ihre Kolleginnen und Kollegen in der Partei haben sich diese Frage vor der Kommunalwahl auch gestellt. „Wir haben uns schon gefragt, ob DIE PARTEI und ihr Programm überhaupt ins Sauerland passen. Wir versuchen auf jeden Fall unser Möglichstes, um eine gescheite Opposition zu bilden.“ Das jedenfalls ist auf Anhieb mit zwei Mitgliedern im Rat der Stadt Schmallenberg gelungen.

Abschaffung der nichtöffentlichen Sitzungen

Wenn es um die Ziele der neuen Partei im Schmallenberger Stadtparlament geht, steht das Wort Transparenz ganz oben auf der Liste. Die junge Vorsitzende erzählt mit offener Begeisterung über ihren Entschluss, politisch aktiv zu werden: „Mir war vorher überhaupt nicht klar, wie das kommunalpolitische System funktioniert. Doch die Kommunalpolitik ist die Politik, die einen am meisten betrifft. Daher ist es wichtig, dass viele Leute wissen, wie das alles läuft, wie entschieden wird, wie Beschlüsse zustande kommen. Wir wollen, dass es keine sogenannten nichtöffentlichen Sitzungen mehr gibt. Gerade auch die jüngeren Menschen müssen mitbekommen, was politisch beschlossen wird.“

Theresa Pieper ist biologisch-technische Assistentin und die jüngste Parteivorsitzende in der Stadt. Nach ein paar Jahren Berufserfahrung in Köln ist sie vor einiger Zeit zurück ins Sauerland gekommen und arbeitet jetzt beim Fischgesundheitsdienst in Albaum. Ihren Lebensmittelpunkt hat sie in Dorlar. „Ich bin Sauerländerin. Mein Herz schlägt für das Sauerland. Hier fühle ich mich wohl.“ Mit ihrem Bekenntnis zur Heimat ist auch das Interesse für Politik gewachsen. Bei einem Stammtisch der Patei DIE PARTEI hat sie sich nach ein paar Unterhaltungen mit anderen Parteimitgliedern für eine Mitgliedschaft entschieden. Dass sie dann so schnell Bürgermeisterkandidatin wurde und sogar ein mehr als achtbares Ergebnis erzielen konnte, hat ihre Motivation deutlich verstärkt, sich weiterhin politisch zu engagieren.

„Ich bin schon immer ein politischer Mensch gewesen. Aber ich bin auch Künstler. Und mit Satire und der Partei DIE PARTEI, habe ich gesehen, lässt sich beides kombinieren“, so Alexander Freund. Typisch künstlerisch, würde man sagen, sind seine weiteren Ausführungen: „Als Künstler muss man schon irgendwie entrückt sein. Ich bezeichne mich als Künstler, als Verrücker. Ich verrücke oft die Perspektiven der Leute. Das ist mein künstlerischer Anspruch. Innerhalb der Politik funktioniert das auch. Eine absolut freche Art, die mir gefällt. Ein selbstbewusstes Auftreten und eine gewisse Selbstermächtigung, die ich schätze.“

Bevor das Gespräch mit der der jungen Parteivorsitzenden Theresa Pieper und dem sympathischen Co-Vorsitzenden von DIE PARTEI ins Philosophische übergeht, erinnern wir uns an das unbedingt noch zu machende Foto auf dem Balkon vor typisch Fredeburger Kulisse. Realsatire 2021!

Mehr Informationen zur Partei unter: www.die-partei-schmallenberg.de

In der kommenden WOLL-Ausgabe werden wir die Vorstellung der in der Kommunalpolitik vertretenen Parteien fortsetzen. In der Winterausgabe wird die SPD Eslohe vorgestelllt.