Quelle: Foto: Althoff
Der Opferhilfeverein WEISSER RING e.V. sucht Frauen und Männer, die im Hochsauerlandkreis ehrenamtlich Opfer von Straftaten beraten möchten. Der Landesvorsitzende Klaus Neidhardt aus Münster: „Unsere Opferhelfer kommen aus den unterschiedlichsten Berufen. Die wichtigste Voraussetzungen ist Empathie.“ Alles andere werde den Ehrenamtlichen in Seminaren vermittelt.
Woran hakt es im HSK?
Vor fünf Jahren hatte der Skandal um den damaligen Außenstellenleiter des WEISSEN RINGS im HSK den Opferhilfeverein bundesweit erschüttert. Der Mann war später wegen Vergewaltigung rechtskräftig zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden. Klaus Neidhardt „Er hatte gegen alle Werte verstoßen, für die unser Verein seit 50 Jahren steht.“ Der WEISSE RING hatte damals das Vertrauen vieler Menschen im Hochsauerlandkreis verloren, die Opferberatung lag dort am Boden.
Quelle: AlthoffWas ist geplant?
„Jetzt ist die Zeit für eine Neustart gekommen“, sagt der Landesvorsitzende. Die Außenstelle solle mit einem frischen Team von Ehrenamtlern von Grund auf neu aufgebaut werden. „Eine schöne und sinnvolle Aufgabe – auch für Menschen, die im Studium oder im Beruf sind, weil man sich die Zeit für die Opferberatung weitgehend frei einteilen kann“, erklärt Klaus Neidhardt. Auch persönlich könne man sich weiterentwickeln: Allen Ehrenamtlichen biete die Akademie des WEISSEN RINGS jährlich kostenlose Fortbildungen zu unterschiedlichsten Themen der Opferarbeit an.
Was machen Opferhelfer?
Seit 50 Jahren hört der WEISSE RING Kriminalitätsopfern zu. Er berät Betroffene beispielsweise zu den Möglichkeiten des Opferentschädigungsgesetzes, weist auf Therapieangebote in der Region hin, bezahlt im Einzelfall eine anwaltliche Erstberatung und begleitet Opfer auf deren Wunsch zur Polizei oder zum Gerichtstermin. Man muss aber keine Anzeige bei der Polizei erstattet haben, um sich als Opfer vom WEISSEN RING unverbindlich und kostenlos beraten zu lassen. Im Moment engagieren sich in Westfalen -Lippe etwa 300 Frauen und Männer ehrenamtliche in 26 Außenstellen.
Wie sieht die Bilanz für 2025 aus?
In Westfalen-Lippe wandten sich im vergangenen Jahr 2206 Opfer von Straftaten an den WEISSEN Ring – sechs Prozent mehr als im Vorjahr. In der Mehrzahl waren es Mädchen und Frauen. Sexualdelikte (609 Fälle), häusliche Gewalt (476), Körperverletzungen (322) und Stalking (145) führten die Liste der Delikte an, aber auch nach 56 Tötungsdelikten berieten die Ehrenamtler Hinterbliebene oder Ersthelfer.
Der gemeinnützige Verein half nicht nur ideell, sondern wandte nach Neidhardts Worten 477.000 Euro für unterschiedlichste Unterstützungen auf. So wurde einem Opfer eine Erholungsmaßnahme bezahlt, damit es Abstand zur Tat gewinnen konnte, und in einem anderen Fall bezahlte der Verein die professionelle Innenreinigung eines Autos, in dem eine Frau missbraucht worden war. Der WEISSE RING finanziert seine Arbeit ausschließlich über Spenden, Mitgliedsbeiträge (ab 2,50 Euro im Monat), Bußgelder und Nachlässe.
Interessiert?
Wer darüber nachdenkt, sich im Hochsauerlandkreis für den WEISSEN RING zu engagieren, kann sich zunächst an die Landesgeschäftsstelle in Dortmund wenden. Dort stehen Kerstin Dreves und Monika Rank für Fragen zur Verfügung. Sie sind zu erreichen unter 0231/98 19 48 50 oder NRW-Westfalen-Lippe@weisser-ring.de

Zur Person des Landesvorsitzenden
Klaus Neidhardt, Jahrgang 1952, ist Sozialwissenschaftler. Er war nach mehreren Führungsfunktionen im Bundeskriminalamt von 2006 bis 2013 Präsident der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster. Seit 2022 steht er ehrenamtlich an der Spitze des WEISSEN RINGS in Westfalen-Lippe und ist Mitglied des Bundesvorstands.




