Von Attendorn in die Weltspitze

Rallye Mallorca mit Cedric Klaussler (aus der Schweiz)_Porsche 911 IROC

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Natalie Solbach-Schmidt und ihr Weg im Rallyesport

Was einst im Verkehrssicherheitszentrum Olpe begann, führte sie bis zur Rallye-Weltmeisterschaft. Natalie Solbach-Schmidt aus Attendorn, geboren in Wenden-Heid, zählt heute zu den erfahrensten deutschen Beifahrerinnen im internationalen Rallyesport. Neben ihrer eigenen Karriere nutzt sie ihre Erfahrung gezielt, um Frauen zu ermutigen, ihren Weg im Rallyesport zu gehen.

Natalie Solbach-SchmidtQuelle: Privat
Foto: Honza Fronek

WOLL: Du bist jetzt über 16 Jahre im Rallyesport aktiv. Erinnerst du dich an deine ersten Berührungspunkte mit dem Motorsport?
Natalie Solbach-Schmidt: Meine ersten Berührungspunkte mit dem Motorsport hatte ich im Verkehrssicherheitszentrum Olpe, wo ich damals gearbeitet habe. Dort ging es zwar um Fahrsicherheit und Fahrzeugbeherrschung, aber genau dort habe ich Menschen kennengelernt, die ihre Motorsport-Leidenschaft auf mich übertragen haben.

WOLL: Du warst bereits 2013 schon einmal im WOLL-Magazin, damals noch ganz am Anfang deiner Rallye-Karriere als Beifahrerin. Was ist seitdem passiert?
Natalie Solbach-Schmidt: In den vergangenen Jahren durfte ich an über 200 Rallye-Veranstaltungen in 19 verschiedenen Ländern teilnehmen. Mein Weg führte mich von der Deutschen Rallyemeisterschaft (DRM) über die Europameisterschaft (ERC) bis hin zur Königsklasse des Rallyesports: der Rallye-Weltmeisterschaft (WRC). Dabei war ich nicht nur auf Asphalt, sondern auch auf Schotter, Eis und Schnee unterwegs. Gemeinsam mit meinen jeweiligen Fahrern konnten wir zahlreiche Klassen-, Gruppen- und Gesamtsiege feiern. Heute vertrauen auch internationale Fahrer aus Neuseeland, Schweden und Dänemark auf meine Expertise als Beifahrerin.

WOLL: Was war dein persönlicher Rallye-Höhepunkt in all den Jahren?
Natalie Solbach-Schmidt: Ganz besonders in Erinnerung bleiben mir Rallyes auf Inseln wie Mallorca, der Isle of Man oder Madeira. Diese Veranstaltungen haben einen ganz eigenen Spirit und ein unvergleichliches Flair.

Natalie Solbach-SchmidtQuelle: Privat

WOLL: Viele kennen den Rallyefahrer – die Rolle der Beifahrerin bleibt oft im Hintergrund. Was ist dein Job im Cockpit?
Natalie Solbach-Schmidt: Die Aufgabe des Beifahrers wird oft unterschätzt, dabei ist sie ein wichtiger Bestandteil des Erfolgs. Man kann sagen, dass ich das „Gehirn“ des Fahrers bin, bei mir laufen alle Fäden zusammen. Von der Vorbereitung vor der Veranstaltung, Regelkunde, Koordinierung von Teamabläufen, Erstellung des Aufschrieb-Systems bis hin zur Nachbereitung. Der Aufschrieb wird bei der Besichtigung der Strecken vor der Veranstaltung im normalen Straßenverkehr erstellt. Darin werden Richtungen, Kurvenradien, Kuppen, Streckenbeschaffenheit, Bremszonen und jede Gefahr genau beschrieben. Wenn diese Strecken dann für den öffentlichen Verkehr gesperrt sind, lese ich meinem Fahrer die Informationen zum perfekten Zeitpunkt vor, damit wir das Ziel schnellstmöglich und sicher erreichen. Was mich als Beifahrerin besonders auszeichnet, ist, dass ich aufgrund meiner langjährigen Erfahrung auch in stressigen Situationen fokussiert bleibe und meinem Fahrer Sicherheit gebe.

WOLL: Du bist seit dem vergangenen Jahr im DSK Women’s Club (DSK = Deutscher Sportfahrerkreis) als Botschafterin für den Rallyesport aktiv. Was sind deine Aufgaben?
Natalie Solbach-Schmidt: Als Botschafterin für den Rallyesport möchte ich zeigen, dass Motorsport keine reine „Männerdomäne“ ist. Meine Aufgabe ist es, Mädchen und junge Frauen mit meiner Erfahrung den Einstieg in den Rallyesport zu erleichtern. Ich möchte ein Vorbild sein und Mut machen. Im Motorsport braucht es Selbstvertrauen und Durchhaltevermögen.

RallyewagenQuelle: Privat

WOLL: Wenn du heute zurückblickst: Was würdest du der jungen Natalie aus Heid sagen?
Natalie Solbach-Schmidt: Ich würde ihr sagen: Hab Mut, an dich zu glauben – auch dann, wenn andere es vielleicht noch nicht tun. Gib nicht auf, auch wenn es mal Rückschläge gibt. Lass dich nicht verunsichern, es lohnt sich dranzubleiben. 

WOLL: Vielen Dank für das interessante Gespräch!