Quelle: WOLL-Magazin
1907 in Winterberg. Seit einem Jahr strömen Massen von Skifahrern auf die Hänge rings um die höchstgelegene Stadt Westfalens. Sie kommen mit dem Zug, denn seit einem Jahr ist Winterberg mit der Dampflok erreichbar. Vermögende Gäste, die aus der Enge der Städte fliehen wollen und die sich das auch leisten können. Doch eine Bleibe zu finden in Winterberg ist schwierig. Und so rennen viele nach dem Skitag die Hauptstraße runter, um noch ein Bett, einen Tisch und ein Abendessen zu ergattern. Winterberg 1907 – so sind die Skifahrer und so reagieren die Sauerländer.
Zum Beispiel Georg Brinkmann – Er hält sich nicht mit den Krakeelern, den Zechern in den Schänken und Herbergen auf. Georg Brinkmann beschäftigt nur ein Gedanke: Was passiert eigentlich mit den Skiern bei der An-und Abreise, beim Aufenthalt? Der Geschäftsmann will den Gästen das bieten, was bei der An-und Abfahrt so viel Mühe bereitete: Skier und Ausrüstung! Und so entsteht der erste Skiverleih in Winterberg.
Georg Brinkman schreibt an die zuständige Verwaltung: Ew. Hochgeboren – so lautete im Jahre 1907 die Anrede zum Beispiel an die gehobenen zuständigen Verwaltungsvertreter …
EW: Hochwohlgeboren, beehre ich mich, die ergebene Mitteilung zu machen, dass ich auf Anregung des Skiclubs Sauerland in meinem Geschäfte in Winterberg ein Lager von Schneeschuhen und Zubehörteilen erstklassiger Skimarken eingerichtet habe. Es wird dadurch Gelegenheit geboten, die Skier an dem Ort selbst einzukaufen, wo der Sport ausgeübt wird, womit der weitere Vorteil verknüpft ist, dass man seine Wahl treffend Länge und Bindung den obwaltenden Verhältnissen anpassen kann.
Kaufen – Testen – Leihen – bei Georg Brinkmann ist schon 1907 alles möglich in Winterberg
Um denjenigen, welche den Sport noch nicht ausgeübt haben, Gelegenheit zu geben, sich mit dessen Eigenart und Schönheit bekannt zu machen, werde ich Schneeschuhe gegen eine mäßige Vergütung verleihen. Bei Kauf von Skiern wird der Leihbetrag von dem Preis in Abzug gebracht.
Eine willkommene Gelegenheit für die ohnehin meist vermögenden Skifahrer in Winterberg, sich auch Komfort beim neuen Lieblingssport zu leisten. Auch heute gilt Winterberg als einer der modernsten und beliebtesten Skigebiete Deutschlands.
Der Verkauf erfolgt zu Originalfabrikpreisen. Indem ich mich bei eintretendem Bedarfe bestens empfohlen halte, bemerke ich noch, dass ich auch die Aufbewahrung und Instandhaltung von Schneeschuhen während der Saison übernehme, so daß der lästige und teure Bahntransport in Wegfall kommt.
So schrieb Georg Brinkmann 1907. Worte, die auch heute noch gelten – in Winterberg. Sein Geschäftsgen haben seine Nachfahren geerbt. Der gleichnamige Enkel führt in den 80er Jahren ein Sportgeschäft und mehrere Skiverleihbetriebe. In den 90er Jahren gibt es viele schlechte Winter und noch kaum Beschneiungsanlagen. Georg Brinkmann, der einen Skilift auf der Kappe betreibt, fasst einen Entschluss. Er setzt alles auf eine Karte. Georg Brinkmann will einen Mountainbike-Downhill-Park entwickeln. Die Idee hat er aus dem kanadischen Whistler bei Vancouver.
Brinkmann engagiert den bayerischen Streckendesigner und Mountainbikelegende Didi Schneider, der este Abfahrten entwickelt. Die Geschäftsidee wird ein Riesenerfolg. Der Winterberger Downhill-Park wird zum Mekka der Mountainbike-Downhill-Szene. Der Clou: Mit einem Lift werden die Downhiller wieder auf die Bergspitze gebracht. Das europaweit größte Festival der Branche wird inzwischen an Himmelfahrt an vier Tagen in Winterberg gefeiert.
Der Sohn von Georg Brinkmann Nico hat Betriebswirtschaft studiert, in Düsseldorf als Manager gearbeitet. Er ist ein echter Sauerländer Rückkehrer und schafft als Geschäftsführer die Voraussetzungen für einen erfolgreichen Ganzjahresbetrieb der Lifte auf der Kappe. Im Sommer kommen die Mountainbiker – im Winter die Skifahrer. Ein Modellprojekt für die touristische Zukunft Winterbergs.


