Quelle: Michelle Trodler
Zukunft Made in Schmallenberg
Was haben Stahlwerke in Europa, ein Aluminium-Recyclingwerk in Saudi-Arabien und Schmallenberg miteinander zu tun? Mehr, als man vermuten würde. Denn bei MSG Solutions im Gewerbegebiet Lake entstehen Maschinen und Messsysteme, die industrielle Produktion präziser, digitaler und wirtschaftlicher machen. Geschäftsführer Matthias Kramer ist überzeugt: Für solche Innovationen braucht es keinen Standort im Ballungsraum. Ein gutes Stück Sauerländer Mentalität gehört für ihn sogar zum Erfolgsrezept.
Aus MSG Maschinenbau wird MSG Solutions
Die Geschichte von MSG Maschinenbau begann vor mehr als 25 Jahren mit klassischem Sondermaschinenbau. Stahlgestelle, Mechanik und individuell entwickelte Maschinen bildeten die Basis. Heute verbindet das Unternehmen Maschinenbau, Messtechnik, Automation und Software. „Wir vereinen die digitale Welt mit der haptischen Welt“, beschreibt Matthias Kramer das Geschäft.
MSG entwickelt unter anderem Messsysteme, mit denen Rohre, Stangen und Profile während der laufenden Produktion berührungslos vermessen und digital erfasst werden. Der Kunde erhält die komplette Lösung aus einer Hand. Der neue Name MSG Solutions bringt diesen Wandel auf den Punkt: Aus dem Sondermaschinenbauer ist ein Lösungsanbieter für die Industrie geworden.
Kramer kennt diese Entwicklung aus nächster Nähe. Nach seinem Maschinenbaustudium an der RWTH Aachen kam er 2014 zu MSG, erhielt 2017 Prokura, übernahm 2021 erste Unternehmensanteile und Anfang 2025 schließlich das Unternehmen von seinem Onkel Thomas Schulte vollständig. Sein Antrieb ist vor allem die Technik: „Im Markt lesen, was Sinn macht, und daraus innovative neue Lösungen entwickeln.“
Quelle: Michelle Trodler
Der digitale Zwilling kommt aus Schmallenberg
Wie anspruchsvoll diese Lösungen sind, zeigt die neue Produktmarke TWINEX. Läuft beispielsweise ein Rohr durch ein MSG-Messsystem, wird seine Kontur vollständig digital erfasst. Es entsteht ein digitaler Zwilling des realen Produktes. Abmessungen und Abweichungen werden dokumentiert, Qualitätskontrollen automatisiert und Produktionsprozesse können frühzeitig korrigiert werden. Das spart Material, verhindert Ausschuss und erhöht die Produktivität.
Auch künstliche Intelligenz ist bei MSG längst kein Zukunftsthema mehr. Systeme untersuchen Oberflächen automatisch auf Risse, Löcher und andere Fehler. Die Software wird dabei ähnlich wie ein neuer Mitarbeiter angelernt: Was ist ein Fehler, was nicht? Anschließend kann das System entsprechende Entscheidungen selbstständig treffen.
Die Technik aus Schmallenberg ist international gefragt. MSG-Anlagen stehen in verschiedenen europäischen Ländern, den USA und Malaysia. Einen besonderen Meilenstein markiert der bislang größte Auftrag der Unternehmensgeschichte: Über einen österreichischen Maschinenbaupartner liefert MSG Messtechnik für ein neues Aluminium-Recyclingwerk in Saudi-Arabien. Dort hilft die Technik aus dem Sauerland, die Einhaltung europäischer und amerikanischer Qualitätsnormen nachzuweisen.
Quelle: Michelle TrodlerSauerländer bleiben, wo Sauerländer sind
Warum sitzt ein solches Technologieunternehmen in Schmallenberg und nicht in Aachen, Köln oder direkt an einer Autobahn? Für Kramer ist die Antwort eindeutig: „Wir sind Sauerländer, wir sind Schmallenberger.“ Damit verbindet er weniger Folklore als eine Arbeitshaltung: anpacken, Verantwortung übernehmen, über den eigenen Aufgabenbereich hinausschauen und gemeinsam Lösungen finden.
Rund 60 Mitarbeiter arbeiten heute bei MSG Solutions, etwa 90 Prozent davon in technischen Bereichen – als Techniker, Schlosser, Entwickler oder Projektleiter. Weil die Technologie hoch spezialisiert ist, setzt das Unternehmen auf eigene Ausbildung und intensive Einarbeitung. Selbst Ingenieure aus der Konstruktion lernen zunächst die Fertigung kennen. Sie sollen nicht nur am Bildschirm konstruieren, sondern verstehen, wie eine Maschine tatsächlich entsteht.
Auch bei der Suche nach qualifizierten Mitarbeitern sieht Kramer Schmallenberg keineswegs als Nachteil. Hochschulen in Meschede und Siegen sind erreichbar, die digitale Arbeitswelt relativiert Entfernungen. Entscheidend sei, Menschen für das Unternehmen und die Region zu begeistern.
Quelle: Michelle TrodlerDie Geschichte von MSG zeigt: Der Standort Schmallenberg ist kein Hinderungsgrund, um international erfolgreich zu sein. MSG „will“ von Schmallenberg aus erfolgreich sein. Mit Maschinenbau, Messtechnik, Digitalisierung und KI – und mit einer Haltung, die ziemlich genau zu dieser Region passt: Nicht lange darüber reden, ob etwas möglich ist. Eine Lösung bauen. Das kommt aus Schmallenberg.
Mehr Infos: www.msg.solutions



