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Hannes Froebus feiert Deutsches Gold in der U13
Manchmal beginnen Geschichten genau dort, wo man es am wenigsten erwartet. Für den heute 13-jährigen Hannes Froebus hätte alles wie bei vielen anderen Kindern laufen können. Jahrelang war er auf dem Fußballplatz zu Hause und spielte beim SV Hüsten 09. Doch mit der Gründung eines Leistungszentrums und den strengen Auswahlprozessen war für ihn klar, dass die große Fußballkarriere wohl nicht in Reichweite sein würde. Was für viele ein Rückschlag gewesen wäre, entpuppte sich für Hannes als Glücksfall, der alles verändern sollte:
Vor drei Jahren stolperte er durch Zufall in das Fechttraining des TV Neheim. Eigentlich wollte er lediglich seinen älteren Bruder, der bereits im Fechtsport aktiv war, abholen, doch als er für einen Moment den Blick durch die Halle schweifen ließ, fesselte ihn das Spiel aus Geschwindigkeit, Präzision und Konzentration, das dort auf der Fechtbahn herrschte. Auf die Frage des Trainers, ob er nicht auch mal probieren wolle, überlegte Hannes nicht lange. Warum eigentlich nicht? Bereits nach den ersten Momenten im Fechtstand spürte er eine Energie, die ihn nicht mehr loslassen würde, und die Leidenschaft für einen Sport, der von diesem Tag an einen ganz neuen Weg für ihn ebnete. „Ich war direkt begeistert“, blickt Hannes zurück.
Quelle: PrivatZwar ging er noch ein ganzes Jahr lang beiden Hobbys, Fußball und Fechten, nach, doch im Laufe der Zeit wurde klar, wo sein Herz wirklich hingehört: Während das Fußballspielen zur lockeren Freizeitbeschäftigung wurde, wurde das Fechten zu seiner großen Leidenschaft. Nichtsdestotrotz gesteht Hannes, dass er Fußballspiele immer noch lieber im Fernsehen verfolgt als Fechtübertragungen. „Bevor ich mir das angucke, mach ich es lieber selbst“, gibt er schmunzelnd zu.
Volle Konzentration
Was aber fasziniert Hannes am Fechten so sehr? Für ihn liegt die Antwort auf der Hand: Anders als im Mannschaftssport, wo ein Fehler oft die ganze Gruppe mitzieht, liegt beim Fechten die Verantwortung allein bei einem selbst. „Machst du einen Fehler, dann ist es dein Problem – aber du kannst es auch selbst wieder gut machen“, erklärt er. Fehler sind hier keine Bürde, sondern Herausforderungen, die man direkt aus eigener Kraft meistern kann.
Zwar gesteht Hannes, dass auch Nervosität vor einem Wettkampf dazugehört, doch er versucht stets, konzentriert zu bleiben und sich nicht ablenken zu lassen. Für ihn sind Geduld, schnelle Reaktionen und volle Konzentration die entscheidenden Eigenschaften eines erfolgreichen Fechters. Und obwohl er allein auf der Bahn steht, spürt er jederzeit den Rückhalt um sich herum. „Man hat immer eine Mannschaft hinter sich – Familie, Freunde und die Leute im Verein – alle feuern einen an“, betont er.
Dreimal in der Woche wird die Sporthalle „Große Wiese“ in Hüsten für Hannes zu seinem zweiten Zuhause. Von 19 bis 21 Uhr trainiert er mit voller Konzentration und perfektioniert jede Bewegung. Wenn er wollte, könnte er zusätzlich nach Soest ausweichen und bis zu fünf Tage pro Woche trainieren, doch Hannes belässt es meistens bei den Einheiten in Hüsten.
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Goldener Stich
Dass diese Trainingsroutine vollkommen ausreicht, hat er eindrucksvoll bei den Deutschen Meisterschaften der U13 in Heidenheim bewiesen. Unter 70 Startern setzte er sich nach gerade einmal drei Jahren Fechten durch. Mit der Goldmedaille um den Hals stand er plötzlich ganz oben auf dem Podium, während das Adrenalin noch durch seine Adern pumpte. „Man hat die Gefechte zwar schon hinter sich, aber man steckt noch so im Flow, dass man denkt: Wann kommt jetzt der nächste Gegner? Das begreift man erst nach und nach“, beschreibt Hannes diesen unvergesslichen Moment.
„Einfach weiterfechten und Spaß haben“
Viele würden nach einem solchen Erfolg noch mehr Siege jagen, den nächsten Titel im Blick haben und versuchen, sich über Rekorde zu definieren. Hannes ist da jedoch anders: Er ist zwar ehrgeizig, aber lässt sich nicht von Ranglisten oder Vorbildern treiben. Für ihn steht der Spaß am Fechten an erster Stelle und genau dieser Freude will er auch in der kommenden Saison treu bleiben, wenn er in die U15 aufsteigt. Auf die Frage nach seinen Zielen antwortet er deshalb bodenständig: „Einfach weiterfechten und Spaß haben.“ Und genau mit dieser Einstellung scheint er bestens zu fahren.


