
Die Adolphsburg in Oberhundem
Die Historie des Ortes ist eng mit dem Adelsgeschlecht derer von Fürstenberg verbunden, die die Region über Jahrhunderte hinweg prägte. Mit der Ernennung Kaspar von Fürstenbergs zum Erbdrosten des Amtes Bilstein im Jahr 1570 begann eine Epoche fürstenbergischer Verwaltung, die erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts endete. In dieser Tradition suchte auch Johann Adolph von Fürstenberg (1630–1704), Paderborner Dompropst, einen standesgemäßen Rückzugsort innerhalb seiner Ländereien. Im Bilsteiner Land fand er schließlich den idealen Ort und ließ Schloss Adolphsburg als Alterssitz errichten.

Zwischen Denkmalschutz und Kindheitserinnerungen
Im Jahr 2018 bot sich für den gebürtigen Oberhundemer Tobias Mettbach, seine Frau Miriam und Tochter Greta die seltene Gelegenheit, Teil der heutigen Eigentümergemeinschaft der Adolphsburg zu werden. Ihr Augenmerk fiel auf einen außergewöhnlichen Raum: Den Uhrenturm. Elf Meter hoch, schwierig zu nutzen und voller ungenutztem Potenzial. Was für viele eine bauliche Herausforderung darstellte, wurde für die Familie während der Coronazeit zu einem echten Herzensprojekt. Mit viel Feingefühl verwandelten sie das ehemalige Uhrenzimmer in eine zweistöckige Ferienwohnung, die modernen Komfort mit historischem Charakter verbindet.

Die Verbindung der Familie zur Adolphsburg reicht weit zurück. Bereits vor über 250 Jahren standen Mettbachs Vorfahren als Jagdaufseher im Rüsperwald im Dienst des Bilsteiner Erbdrosten Clemens Lothar von Fürstenberg. Tobias Mettbach wuchs nur wenige Meter von der Burg entfernt auf. In seiner Kindheit erkundete Mettbach mit seinen Freunden Christian und Jan das Gebäude vom Kellergewölbe bis zum Dachboden. „Es war ein riesiger Abenteuerspielplatz für uns Kinder. Auch der verwilderte Garten mit seiner verfallenen Mariengrotte war zentraler Anlaufpunkt für Erkundungen der besonderen Art“, erinnert sich Mettbach.
Vom barocken Landsitz zum lebendigen Gut
Im Zeitraum von 1661 bis 1718 wurde der ursprüngliche Altersruhesitz unter Ferdinand von Fürstenberg und seiner Frau Maria Theresia von Westphalen zu einem repräsentativen Landsitz ausgebaut. Neue Seitenflügel, kunstvoll angelegte Gärten und ein Gestüt machten die Adolphsburg zu einer bedeutenden Zuchtstätte für Pferde. Neben der adeligen Familie lebte auch das Personal auf dem Anwesen: Bedienstete, Handwerker und Tagelöhner prägten das tägliche Leben rund um die Burg. Nach dem Tod des letzten Adolphsburger Freiherrn, Friedrich Leopold von Fürstenberg, im Jahr 1835 verlor das Schloss zunehmend an Bedeutung und wurde bis zum Ersten Weltkrieg nur noch gelegentlich für Jagdaufenthalte genutzt. Ab 1919 zog neues Leben ein: Die Missionare der Heiligen Familie gründeten hier die erste Missionsschule auf deutschem Boden. Bis 1958 bestand hier das „Kloster Maria Königin“, bevor der Orden nach Altenhundem umzog. Es folgten Jahre des Leerstands mit gravierenden Schäden an der Bausubstanz: wertvolle Einbauten verschwanden, Dächer wurden undicht, Stuckdecken stürzten ein, und die Gärten verwilderten. Ab 1984 wurde das Schloss durch einen Investor aus Brilon in eine Ferienwohnanlage umgebaut und in über 60 Appartements unterteilt. „Nach der Insolvenz des Investors übernahm die erste Generation der Eigentümergemeinschaft die Fertigstellung der begonnenen Arbeiten mit erheblichem finanziellem Einsatz“, so Mettbach. Heute tragen 32 Eigentümer als Gemeinschaftsprojekt die Verantwortung für die historische Wasserburg. Jede bauliche Veränderung erfolgt in enger Abstimmung mit den Denkmalbehörden.
Bewahrtes Erbe als lebendige Geschichte
Der persönliche Lieblingsort von Familie Mettbach befindet sich im Erdgeschoss des großen Südturms: die Schlossbibliothek. „Ursprünglich umfasste sie die gesamte linke Hälfte des Herrenhauses, insgesamt sieben Räume mit über 20.000 Büchern aus dem 16. bis 18. Jahrhundert. Diese wurden jedoch zu Beginn des 20. Jahrhunderts an die Bibliothek in Paderborn überführt, die im Zweiten Weltkrieg großenteils zerstört wurde“, erklärt Mettbach. „Beeindruckend ist aber auch der Rittersaal durch seine eindrucksvollen Deckengemälde, sowie die Hubertuskapelle“, findet Familie Mettbach.
Für Tobias Mettbach und seine Familie ist die Adolphsburg weit mehr als ein Gebäude, sie ist ein Stück Heimat und Teil der persönlichen Geschichte. Bereits über fünf Jahre arbeitet Tobias Mettbach daher an einer umfangreichen Publikation „Die Adolphsburg – Biografie eines Barockschlosses im Sauerland“ Zum 350-jährigen Jubiläum im Jahr 2027 soll sein Werk erscheinen. „Es widmet sich nicht nur der Baugeschichte der Bewohner, sondern eröffnet auch fotografische Einblicke in Räume und vergangene Zeiten, die der Öffentlichkeit bislang verborgen waren“, so Mettbach. Für die Zukunft wünscht sich Familie Mettbach, dass auch kommende Generationen die Schönheit des Sauerlandes entdecken und die Adolphsburg als Ort der Erholung und Geschichte erleben.



