Vier Männer. Eine Idee.

Ein Weg, der das Sauerland verändert hat.

Als der Rothaarsteig am 6. Mai 2001 eröffnet wurde, ahnte kaum jemand, welche Dynamik dieser Weg entwickeln würde. Heute gilt Deutschlands erster Premiumwanderweg als Vorbild für den modernen Wandertourismus. Er hat nicht nur Millionen Menschen in Bewegung gebracht, sondern auch das Bild des Sauerlandes nachhaltig verändert. Hinter diesem Erfolg stehen Menschen, die früh den Mut hatten, Grenzen zu überwinden, geografisch und gedanklich. Zum Jubiläum blicken Thomas Weber, Dr. Harald Knoche, Rüdiger Strenger und Klaus-Peter Kappest auf 25 Jahre Rothaarsteig zurück.

Eine Idee verändert eine ganze Region

Für Thomas Weber, einen der geistigen Väter des Rothaarsteigs, begann alles mit der einfachen Erkenntnis, dass das Sauerland zwar über eine großartige Landschaft verfügte, aber nicht gemeinsam auftrat: „Wir hatten nicht das Selbstbewusstsein, das wir für diese große Region gebraucht hätten.“ Aus diesem Gedanken entstand die Idee eines gemeinsamen Fernwanderweges über Kreis-, Landes- und Verbandsgrenzen hinweg. Dabei ging es nie darum, einfach einen weiteren Wanderweg zu schaffen. „Wir haben gesagt: Wir machen das Wandern neu. Wir denken alles neu – von der Beschilderung bis zu den Waldmöbeln.“ Dass sich Touristiker, Waldbesitzer, Wandervereine, Politik und Behörden an einen Tisch setzten, findet Weber bis heute außergewöhnlich: „Ich habe vorher und nachher nie wieder erlebt, dass so viele Menschen sofort gesagt haben: Das ist eine gute Idee.“

Auch Dr. Harald Knoche begleitet den Rothaarsteig seit den ersten Testwanderungen und betont die lange gemeinsame Entwicklung. „Natürlich sind wir auch stolz darauf, dass wir das Projekt über so viele Jahre zusammengehalten haben.“ Besonders wichtig war ihm die enge Zusammenarbeit mit Waldbesitzern, Forstämtern und Kommunen. „Wir haben eine richtige Ochsentour durch die Forstbetriebsgemeinschaften gemacht.“ Bis heute wird der Weg stetig weiterentwickelt, denn endgültig ist beim Rothaarsteig nichts. „Wir optimieren den Weg bis heute.“ Gleichzeitig verändern sich die Anforderungen. „Früher haben wir um jede Aussicht gekämpft. Heute müssen wir an manchen Rastplätzen Schatten schaffen.“ Klimawandel, Trinkwasserversorgung und nachhaltige Infrastruktur gehören inzwischen fest mit zum Konzept.

Vom Wanderweg zur Marke mit Haltung

Rüdiger Strenger, damals Tourismuschef in Brilon und heute Vorsitzender des Rothaarsteigvereins, blickt mit großem Respekt auf die Entwicklung. „Damals konnte sich niemand vorstellen, was daraus einmal werden wird.“ Der Rothaarsteig habe nicht nur das Sauerland verändert, sondern einen Impuls für den Wandertourismus weit darüber hinaus gesetzt. „Wir haben einen Impuls für den Wandertourismus in Deutschland – vielleicht sogar in Europa – gesetzt.“ Entscheidend sei, dass die Arbeit am Weg nie stehen geblieben ist. „Wir dürfen nicht langweilig werden“, sagt er. „Wir müssen authentisch bleiben und die Qualität hochhalten.“

Auch der Fotograf Klaus-Peter Kappest prägte den Rothaarsteig von Beginn an entscheidend mit. Seine Bilder machten aus einem Wanderweg eine emotionale Marke. Für ihn begann alles sehr persönlich: „Der Rothaarsteig hat mir Heimat gegeben.“ Nach vielen Jahren als Reisefotograf entdeckte er seine eigene Region neu. „Ich habe dadurch den unglaublichen Wert dieser Landschaft und der Menschen entdeckt.“ Seine Fotografie sollte dabei immer echt bleiben. „Ich habe geschaut, welches Licht ich brauche, damit die Ideen dieser Menschen sichtbar werden.“ Für ihn ist der Rothaarsteig deshalb weit mehr als ein Wanderweg: „Hier kann man Nachhaltigkeit mit allen Sinnen erleben.“

Ein Weg, der Heimat neu sichtbar macht

Heute ist der Rothaarsteig längst mehr als eine touristische Attraktion. Er steht für Zusammenarbeit, Qualitätsbewusstsein und die Fähigkeit einer ganzen Region, gemeinsam eine starke Marke zu entwickeln. Was einst als mutige Idee begann, ist heute ein Vorbild für nachhaltigen Naturtourismus in Europa. Thomas Weber beschreibt den Kern dieser Entwicklung vielleicht am treffendsten: „Auf einmal bekamen unsere eigenen Leute riesigen Spaß an ihrer eigenen Landschaft.“ Genau darin liegt bis heute die besondere Stärke des Rothaarsteigs: Er begeistert Gäste und lässt zugleich die Menschen der Region ihre Heimat neu entdecken.

25 Jahre Rothaarsteig – Meilensteine

1997/98

  • Erste Ideen für einen völlig neuen Fernwanderweg. 
  • Zusammenarbeit über Kreis-, Landes- und Verbandsgrenzen hinweg beginnt. 

1999

  • Testwanderungen. 
  • Entwicklung der neuen Wegführung. 
  • Einführung einer völlig neuen Wanderphilosophie. 

6. Mai 2001

  • Offizielle Eröffnung des Rothaarsteigs. 
  • Deutschlands erster Premiumwanderweg. 

2001–2005

  • Entwicklung der charakteristischen Bildsprache. 
  • Einführung der Waldmöbel, Waldliegen und Aussichtselemente. 
  • Aufbau der Qualitätsgastgeber. 

ab 2005

  • Vorbild für zahlreiche Premiumwanderwege in Deutschland. 
  • Mitbegründer der Top Trails of Germany. 

Heute

  • Rund 154 Kilometer Wanderweg 
  • Drei Bundesländer 
  • Mehr als 25 Städte und Gemeinden 
  • Zahlreiche Rothaarsteig-Spuren 
  • Mehrfach ausgezeichnet als Premiumwanderweg 
  • Millionen Wanderer seit der Eröffnung 

Das ganze Gespräch im WOLLcast Pauerland: