Vergessene Industriegeschichte des Sauerlandes neu entdeckt

Quelle: Buch - Franz Josef Lahme

Bontkirchen, Blick vom Limberg – Postkarte von 1927

Im Sauerland denkt man bei Industriegeschichte oft zuerst an das Ruhrgebiet oder an die großen Werke des 19. Jahrhunderts. Doch lange bevor dort Hochöfen rauchten, wurde auch im östlichen Sauerland bereits Eisen produziert und verarbeitet. Ein neues Buch aus dem WOLL-Verlag widmet sich genau dieser frühen Phase: „Die frühe Montanindustrie in Hoppecke und Bontkirchen – Eine vergessene Industrieregion im Sauerland“.

Eisen aus dem Sauerland – schon vor 500 Jahren

Die Studie zeigt eindrucksvoll, dass Hoppecke und Bontkirchen bereits im 16. Jahrhundert wichtige Standorte der Eisenverarbeitung waren. In Hoppecke entwickelte sich aus einer Hammerschmiede schon früh eine Eisenhütte, die zu den ältesten Industriedenkmälern Westfalens zählt. Bereits vor 1505 wurde hier Eisen verhüttet und verarbeitet.

Quelle: Waldeck Comitatvs
Hoppecke (Hopke) und Bontkirchen (Bunkirch) im Grenzgebiet vom Herzogtum Westfalen und der Grafschaft Waldeck (1635)

Die Region profitierte dabei von mehreren Faktoren: Erzvorkommen in der Umgebung, reichlich Wasser für den Antrieb der Anlagen und große Waldflächen zur Herstellung von Holzkohle. Diese Voraussetzungen machten das Sauerland in der frühen Neuzeit zu einem bedeutenden montanindustriellen Raum.

Kanonen, Kunst und Konflikte

Besonders spannend ist die Geschichte der Bontkirchener Hütte. Sie wurde um 1525 von Christoffel Köchlin gegründet und blieb bis 1805 in Betrieb. Dort wurden nicht nur Eisenwaren hergestellt, sondern sogar Kanonen und Kugeln, die im Achtzigjährigen Krieg an die Niederländer geliefert wurden.

Die Lage der Hütte an der Grenze zwischen Waldeck und dem Herzogtum Westfalen führte zudem immer wieder zu politischen Konflikten. Holz für die Holzkohle, Erzlieferungen und Besitzrechte waren Gegenstand langjähriger Auseinandersetzungen zwischen den Territorien.

Quelle: Buch - Franz Josef Lahme
Kunstvoll gestaltete Ofenplatte

Neben militärischen Produkten entstanden auch kunstvolle Ofenplatten und Wappentafeln. Neue Forschungen zeigen, dass einige dieser Arbeiten nach Entwürfen des fränkischen Künstlers Philipp Soldan gefertigt wurden – ein Hinweis darauf, wie eng Handwerk, Kunst und Industrie damals miteinander verbunden waren.

Neue Erkenntnisse zur Sauerländer Geschichte

Das Buch von Franz Josef Lahme basiert auf jahrzehntelanger Forschung und liefert zahlreiche neue Erkenntnisse. So wird etwa die genaue Lage der Bontkirchener Hütte bestimmt und frühere Zuschreibungen von Kunstwerken korrigiert. Gleichzeitig wird deutlich, welche wirtschaftliche Bedeutung die Eisenproduktion für die Region hatte – lange bevor das Ruhrgebiet zum industriellen Zentrum wurde.

Die Veröffentlichung ist damit mehr als ein Fachbuch. Sie erzählt ein Stück Sauerländer Wirtschafts- und Kulturgeschichte, das bislang kaum bekannt war.

Ein Blick in die industrielle Vergangenheit der Region

„Die frühe Montanindustrie in Hoppecke und Bontkirchen“ richtet sich an alle, die sich für Regionalgeschichte, Industriekultur und die Entwicklung des Sauerlandes interessieren. Es zeigt, dass unsere Region schon vor Jahrhunderten ein Ort von Innovation, Handwerk und wirtschaftlicher Dynamik war.

Weitere Informationen zum Buch und zur Bestellung:
https://www.woll-verlag.de/montanindustrie-hoppecke-bontkirchen/

Quelle: LWL-Freilichtmuseum Hagen - Foto: Franz Josef Lahme, 2025
Beispiel eines Eisenhammers