
Museum mal anders – digital, modern, lebendig
Dorfgemeinschaft wird groß geschrieben in Schönau-Altenwenden: Zwei Orte, die zusammenhalten, die sich durch ein starkes Vereinsleben auszeichnen und in denen das Projekt „digitales Dorfmuseum“ die Generationen verbindet.
Die Initialzündung entstand bei der Teilnahme am Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ 2023, bei dem Schönau-Altenwenden auf Gemeindeebene, 2024 auf Kreis- und 2025 Silber auf Landesebene gewann.
Ein Gedanke bei der Ideensammlung war: Wie wäre es, wenn wir den Butterweg wieder zum Leben erweckten? Nach dem Wegfall der Landesgrenze 1803 zum benachbarten Siegerland machten sich vor allem Frauen auf den 4,5 Kilometer langen Weg nach Krombach, um dort Butter zu verkaufen oder gegen andere Waren zu tauschen, was den Waldweg im örtlichen Sprachgebrauch zum Butterweg machte.
Der Plan, den historischen Wirtschaftsweg wieder zu rekonstruieren, konnte zwar nicht umgesetzt werden, brachte Antonius Klein aber auf die Idee, diesen und weitere historische und bedeutende Ortsmarken und Ereignisse aufzubereiten.
Hinweistafeln an Originalstandorten
Bei seiner Recherche stieß er auf ein kleines Dorf in England, das die besondere Form eines Museums umgesetzt hatte. Begeistert von diesem Projekt, fand Klein schnell Gleichgesinnte und die Umsetzung begann: Kein Museum im üblichen Sinne sollte es sein, kein Gebäude, das finanziert, personell ausgestattet und gepflegt werden muss, sondern kleine Hinweistafeln an authentischen Orten, die auf historische Ereignisse oder Schauplätze aufmerksam machen.
Vor allem die QR-Codes, die tiefergehende Informationen liefern, ziehen auch junge Generationen an, die so digital in die Vergangenheit der Dörfer eintauchen können.
Ein Blick in eine Zeitkapsel – den Toten ein Denkmal setzen
Mittlerweile sind 14 Stationen entstanden (finanziert durch den Dorfverein), die bei genauerer Betrachtung erahnen lassen, wie viel Engagement dahinter steckt. Akribische Recherchen führten zu detaillierten Informationen und Bildmaterial, wie den amerikanischen Luftaufnahmen vom Ende des Zweiten Weltkriegs, die eindrücklich die Kulturtechnik des Wiesenbaus festhalten.
Eine andere Tafel informiert über das Ende des Zweiten Weltkriegs im Ort am 9. April 1945 mit Artilleriebeschuss, durch den auch der Urgroßvater von Antonius Klein zu Tode kam. Vor allem diese persönlichen Bezüge, Namen und Geschichten machen die Ereignisse authentisch und real und sollen gleichzeitig Mahnung für das Heute und Morgen sein.
Imposant ist auch die von Kindern und Jugendlichen in einer 72-Stunden-Aktion wiederhergestellte Wacholderheide, der sog. Europa-Hain. Der Bezug zur Historie zeigt sich in Schildern mit Namen und QR-Codes an Wacholderpflanzen. Jeder der Wacholder erinnert an einen der im Zweiten Weltkrieg ums Leben gekommenen Soldaten und Zivilisten aus Schönau und Altenwenden. In kleinen Gruppen angeordnet zeigen Sie auch die familiären Bezüge, etwa bei drei im Zweiten Weltkrieg gefallenen Brüdern. Auf der angrenzenden Fläche sind Steinhaufen als Refugium für Reptilien in Sternenform angelegt, die die europäische Einheit symbolisieren.
Ein lebendiges Museum, das weiter wachsen soll – Mitmachen ausdrücklich erwünscht
Ehemalige Handwerksbetriebe und Gewerbestandorte stehen bei der Arbeitsgruppe „digitales Dorfmuseum“ aktuell auf der Agenda. Das Projekt wächst kontinuierlich und lebt vom Wissen und den Aufzeichnungen der Dorfbewohnerinnen und -bewohner. Immer wieder werden alte Schätze, längst vergessene Fotos oder Werkzeuge auf Dachböden oder in Kellern gefunden, die wertvolle Beiträge zu historischen Begebenheiten leisten. Es ist ein beeindruckendes Gemeinschaftsprojekt, das vom Mitmachen lebt und gerne auch in anderen Dörfern nachgeahmt werden darf. Schönau-Altenwenden zeigt eindrücklich, dass Geschichte spannend und ein Museum alles andere als verstaubt sein kann.
Weitere Infos unter www.schoenau-altenwenden.de





