
Für die Hüstenerin Marita Voss-Hageleit wurde ein Straßenname zum Lebenswerk
Eine Straßenadresse kann ein Leben verändern. Bei Marita Voss-Hageleit war es der Thankgrimweg in Hüsten, der aus einer Anwohnerin eine Geschichtsvermittlerin machte.
Alles begann 2018 mit einem Zeitungsartikel und einem Leserbrief. Manfred Schellberg hatte etwas angestoßen und Marita Voss-Hageleit reagierte. „Der Brief hat uns zusammengeführt. Und so haben wir vor acht Jahren den Thankgrim-Denkmal-Verein mit dem Ziel gegründet, dem aus Sachsen stammenden Grundherrn aus Hüsten ein Denkmal zu errichten.“ Doch aus der Idee für einen Gedenkstein wurde mehr. Viel mehr.
Der Weg vom historischen Schenkungsakt aus dem Jahr 802 bis zur digitalen Plattform im Jahr 2026 verlief keineswegs gradlinig. Zunächst musste Geld her. Das Crowdfundingprogramm der Volksbank half, Spenden von Hüstener Bürgerinnen und Bürgern kamen hinzu. Aber es reichte nicht. Also stellte der Verein einen Förderantrag beim Land Nordrhein-Westfalen. Die Bedingung klang einfach, war aber anspruchsvoll. „Nicht nur das Denkmal, sondern auch eine für alle Ortsteile verbindende Geschichte sollte erzählt werden“, sagt Schatzmeisterin Anita Schnettler. Das führte letztlich zur Website www.arnsberger-geschichten.de.
„Wichtig war mir, dass die Homepage von vorneherein so strukturiert werden sollte, dass mit einem Klick jeder Ort mit einem Zeitstrahl benannt und jedes Thema sichtbar wird“, erklärt die ehemalige Unternehmerin. Nina Schrade von der Agentur KoKo brachte die Idee mit den Tierchen aufs Titelbild. Fuchs, Eule, Kalb als Sympathieträger, die vor allem Kinder und Jugendliche ansprechen sollen.
„Junge Menschen für regionale Geschichte zu begeistern ist uns eine Herzenssache.“
Marita Voss-Hageleit ist Mitinitiatorin des Online-Projektes „Arnsberger Geschichten“
Doch funktioniert das wirklich? Was interessiert einen Teenager an Thankgrims Brudermord, wenn gleichzeitig TikTok auf dem Smartphone läuft? „TikTok hat eine Kultur geschaffen, die es schwer macht, gegen die Flut an Bildern anzukommen“, antwortet die 2. Vorsitzende Andrea Schnock. Ihr Ansatz ist dennoch pragmatisch. „Der mühsamere Weg, über Bücher einzelne Informationen zu bekommen, wird eher nicht gewählt.“ Die Website soll mit konkreten Quellenangaben auch Interesse für die zugrunde liegende Literatur wecken.
Geschichte, die auch junge Menschen erreicht
Deutschland war schon immer Einwanderungsland. Wikinger, Römer, Franken zogen durch. „Für alle, die geblieben sind und für die Deutschland Heimat geworden ist, kann die Geschichte dieses, ihres Landes von Interesse sein“, sagt die Geschichtsvermittlerin, die auch mit Flüchtlingen arbeitet. Die Herausforderung bestand darin, Geschichte ohne akademischen Ballast zu vermitteln und zu vereinfachen. „Das Geschilderte muss wahr und die Fakten müssen so zusammengefasst sein, dass ein schneller Zugriff gewährleistet bleibt“, betont sie. Ihr Prinzip dabei: „Der Köder muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler.“

Instagram, YouTube, Gaming. Was kann eine statische Website gegen diese Übermacht ausrichten? „Wir stehen in der heutigen Klick-und-Wisch-Zeit für Konstanz und ausdrücklich für Informationen, die bleiben“, antwortet Marita Voss-Hageleit. Das mag altmodisch wirken, ist aber nachhaltig. Der Vorstand plant für die Zukunft zusätzlich Podcasts, Social Media und AR-Touren.
Die Traffic-Zahlen zeigen 200 bis 300 Nutzer pro Monat. Anfang Dezember 2025 waren es über 900 Klicks. Gelingt es wirklich, auf diese Weise junge Menschen zu begeistern? Die Antwort liegt irgendwo zwischen TikTok und Thankgrim. Vielleicht auf einer Website, die einfach da ist. Konstant. Verlässlich. Voller Geschichten.


