
Wie zwei Sauerländer Kinder zu echten Literaturkritikern wurden
Auf Hof Keppel, einem idyllischen Ferienbauernhof irgendwo im Grünen des Schmallenberger Sauerlandes, wohnen die Geschwister Anton (11) und Greta (10). Ponys schnauben, Hühner gackern, ein Hund begrüßt jeden, der auf den Hof kommt. Abenteuer gibt’s hier genug. Aber den beiden reicht das noch nicht. Deswegen reisen sie regelmäßig in Gedanken an dunkle Tatorte, folgen Spuren, entlarven Täterinnen und lösen Rätsel – natürlich nur zwischen zwei Buchdeckeln, versteht sich.
Lesen gehört – neben Horn und Klarinette spielen oder dem Klettern in der Kletterhalle – für beide zu ihren allerliebsten Hobbys. Ihre Helden heißen Die drei ???, Lucifer Junior oder Florentine Blix. Und weil sie nicht nur leidenschaftlich lesen, sondern auch ziemlich schlaue Köpfe sind, sind sie kurzerhand Teil einer echten Kinderjury geworden – für einen der wichtigsten Preise der deutschsprachigen Krimilandschaft: den GLAUSER-Preis.
Quelle: Anke KemperVergeben wird dieser Preis jedes Jahr vom SYNDIKAT, dem Verein für deutschsprachige Kriminalliteratur. In mehreren Kategorien werden die besten Bücher ausgezeichnet, von Kurzkrimis über Debüts bis hin zu Kinder- und Jugendbüchern. Das Besondere: Beim Kinder- und Jugend-GLAUSER dürfen Kinder und Jugendliche selbst mitentscheiden, welches Buch gewinnt. Mitten unter ihnen: Anton und Greta.
Die Juryorganisation liegt für drei Jahre in den Händen von Anke Kemper – und die weiß ganz genau, worauf es ankommt. Sie ist nicht nur die Frau hinter dem adspecta Theaterverlag, sondern auch Mitglied im Autorennetzwerk SYNDIKAT und in der Illustratoren-Organisation. Außerdem schreibt und illustriert sie selbst – unter anderem ihre Paula-Pitrelli-Kinderkrimis. Da lag es für sie nahe, den Preis ins Sauerland zu holen: 2025 fand die Preisverleihung daher in Schmallenberg statt, 2026 wird sie am Mariengymnasium in Arnsberg stattfinden.
Ein echter Krimimarathon
Über ein halbes Jahr lang haben Anton und Greta sich durch rund 20 Titel gelesen. Nicht jedes Buch war ein Volltreffer, aber gut waren sie doch alle irgendwie. Die beiden füllten Bewertungsbögen aus, diskutierten mit anderen Jurykindern und kürten schließlich ihre Lieblingsbücher. „Die Figuren waren uns wichtig“, sagt Anton, „und natürlich, dass es spannend ist.“ Greta nickt. „Ich fand es auch gut, wenn es ein bisschen lustig war. Und wenn man mitraten konnte.“
Am Ende wurde ihr Lieblingsbuch bei den Kinderkrimis tatsächlich mit dem GLAUSER ausgezeichnet – ein kleiner Triumph für die beiden Nachwuchskritiker. Bei den Jugendbüchern hingegen gewann ein Titel, den sie gar nicht gelesen hatten. „Das war ein bisschen schade“, sagt Greta, „aber auch okay.“
Ob sie später mal was mit Büchern machen wollen? „Also Bücher schreiben ist nichts für mich“, meint Anton entschieden. Lesen aber auf jeden Fall. Und das werden sie ganz sicher auch weiterhin ganz viel. Und wer weiß: Vielleicht ist ja irgendwann wieder ein Krimi dabei, der einen GLAUSER verdient hätte. Und vielleicht sitzen Anton und Greta dann wieder in der Jury.
Oder schreiben doch irgendwann selbst einen eigenen Krimi, vielleicht spielt er ja auf einem Bauernhof im Sauerland?



