
Handwerk und Leben zwischen Tradition und Moderne auf dem Rittergut Wildshausen
In Arnsberg trifft archaisches Handwerk auf digitale Präzision, während ein junges Team das Erbe eines Ritterguts bewahrt. Wo andere nur Leder flicken, baut Tarquin Cosack die perfekte Schnittstelle zwischen Pferd und Mensch.
In seiner Werkstatt auf dem geschichtsträchtigen Rittergut Wildshausen riecht es nach Geschichte und gesundem Eigensinn. Tarquin Cosack ist kein Mann für das bequeme Mittelmaß. Er ist Bewahrer einer fast ausgestorbenen Spezies. Wer ihn besucht, blickt auf ein Lebenswerk, das fast gescheitert wäre, bevor es überhaupt begann. Mit gerade einmal 22 Jahren stand er vor den Trümmern einer familiären Misswirtschaft und rettete das Gut, das seit 1888 in Familienbesitz ist, vor der Zwangsversteigerung.


„Entweder-oder – und jetzt musst du“, erinnert er sich an diesen harten Moment der Wahrheit. Es war der Startschuss für eine Erfolgsgeschichte, die als mutige „Ich-AG“ begann und den 44-Jährigen heute zu einem der renommiertesten Experten Deutschlands macht. Er spricht von einer tiefen Wurzel, die ihn antreibt, das Erbe für die nächste Generation wetterfest zu machen. „Das Familienanwesen steht in jeder Entscheidung ganz oben“, sagt er mit einer Bestimmtheit, die keinen Widerspruch duldet.
„Ehrlichkeit gegenüber unseren Kunden geht bei uns immer vor Umsatz.“
Tarquin Cosack ist Sattler und Bewahrer überlieferter Traditionen
In seiner Werkstatt sitzt die Zukunft des Handwerks, und sie kommt oft von weit her. Emmi Dümcke ist 22 Jahre alt, stammt aus Lübeck und ist im zweiten Lehrjahr. Für die einmalige Qualität der Hofsattlerei hat sie den hohen Norden gegen das Sauerland getauscht und möchte nach der Ausbildung unbedingt hier bleiben. „Ich bin hierhin gekommen, weil die Handwerksqualität dieses Betriebes absolut einmalig ist“, erklärt sie mit fester Stimme. Hier lerne man eben nicht nur, vorgefertigte Teile anzupassen, sondern die intensive Arbeit mit dem Naturprodukt Leder von der Pike auf. „Ich lerne in der Ausbildung, einen ganzen Sattel zu fertigen, während die offizielle Ausbildungsordnung dagegen oft nur die Fertigung einer Trense vorsieht“, sagt Emmi stolz. Das ist der Kern von Tarquin Cosacks Philosophie: Er bildet keine schlichten Gehilfen aus, sondern echte Profis. Er sieht die Defizite der digitalen Zeit kritisch: „Die Handgelenke schlafen heute alle ein, weil nur noch auf Bildschirmen rumgetippt wird.“ Bei ihm wird die Bewegung geübt, bis jede Naht perfekt sitzt.
Der Sattler ist ehemaliger Vizemeister im Westernreiten und weiß genau, wo der Sattel drücken kann. „Ein Maßsattel ist kein bloßes Produkt, sondern eine lautlose Kommunikation“, betont er. Er schickt Kunden auch mal ohne Sattel nach Hause, wenn das Pferd körperlich nicht in der Lage ist, einen Reiter zu tragen. Doch seine Vision endet nicht an der Werkbank. Das Rittergut ist ein Puzzle aus Tradition und Innovation. Während im neuen Kompetenzzentrum Sättel optimiert werden, entsteht im Haupthaus eine Seniorenresidenz. Für Tarquin Cosack ist das ein notwendiger Teil seines 20-jährigen Masterplans, um die historischen Mauern finanziell zu stützen. Er ist ein Macher, der genau weiß, wo er herkommt und wo er beerdigt werden will: auf seinem eigenen Grund und Boden, mit dem Wissen, dass sein Handwerk weiterlebt. Ein Mann, ein Wort, ein Erbe. Und immer fest im Sattel.




