Süße Versuchung aus der Abtei – Schokolade mit Seele

Chocolatier Ron Knape

Wer den Klosterberg der Abtei Königsmünster in Meschede hinaufsteigt, dem steigt schon bald ein Duft entgegen, der unweigerlich zum Stehenbleiben verführt. Warme Schokolade, gerösteter Kakao, feine Gewürze. Zwischen Werkstatt, Klosterküche und stillen Orten des Gebets entsteht hier handgemachte Premium-Schokolade, gefertigt von Chocolatier Ron Knape aus Gleidorf.

Knapes Weg zur Schokolade begann vor über zwanzig Jahren, in seiner Ausbildung zum Konditor. „Das war am Anfang ein Muss“, erzählt er. Schokolade galt als kompliziert, tückisch, fehleranfällig. Doch mit jeder Station, vom Dessertbereich der gehobenen Gastronomie bis zur Meisterschule, wuchs seine Faszination für Aromen, Texturen und Kombinationen. Den entscheidenden Schritt machte seine Frau. Sie entdeckte zufällig den Lehrgang zum Schokoladensommelier. „Das war genau das, was mir noch gefehlt hatte“, sagt Knape. Endlich konnte er tief eintauchen in Herkunft, Anbaugebiete und Geschmackswelten des Kakaos.

Schokoherstellung durch Chocolatier Ron Knape

Acht Jahre Kloster und eine Manufaktur, die gewachsen ist
Vor acht Jahren trat Knape seine erste Meisterstelle an, ausgerechnet im Kloster. „Ich hatte am Anfang keinen eigenen Raum“, sagt er schmunzelnd und zeigt auf die heutige Schokolaterie. Das hat sich geändert. Die Nachfrage wuchs und heute fließt hier täglich flüssige Schokolade aus professionellen Maschinen. Seit letztem Jahr geht die Abtei noch einen Schritt weiter. Sie produziert Schokolade selbst. „Bean to Bar“, wie es in der Fachwelt heißt. Die Bohnen werden ausgewählt, geröstet, geschält, conchiert. Jeder Arbeitsschritt liegt in Rons Händen. „Man kann an so vielen kleinen Schrauben drehen. Schon eine andere Rösttemperatur verändert das gesamte Geschmacksprofil “, erklärt er. Seine wohl ungewöhnlichste Kreation ist eine Schokolade mit Sauerländer Fichte, geschmacklich harzig, fruchtig und leicht säuerlich. „Wenn man im Mai einen frischen Fichtentrieb probiert, weiß man sofort, was ich meine“. Auch Knapes Bucheckern-Schokolade ist ein echtes Geschmackserlebnis „Ich glaube nicht, dass es viele Manufakturen in Deutschland gibt, die damit arbeiten“, sagt Knape.

Was schmeckt dem Sauerländer?
Auch gewagtere Ideen schließt der Chocolatier nicht aus. Eine Bierschokolade? Vielleicht. „Ich mag Spinnereien“, sagt Knapp. „Man muss es einfach ausprobieren.“ Besucher reagieren durchweg begeistert. „Ich kenne niemanden, der an einer Schokolade vorbeigehen kann“, sagt Knapp. Viele verbinden Schokolade mit Kindheit, mit einem Lieblingsgeschmack, einer besonderen Erinnerung. Wer an einer Führung teilnimmt, darf riechen, sehen und natürlich probieren. „Nichts wäre schlimmer, als über Schokolade zu reden und keine zu probieren“, sagt Knape. Für die Zukunft wünscht er sich vor allem eines: mehr Bewusstsein für Wert und Herkunft. „Schokolade ist eigentlich ein Luxusgut“, sagt er. „Aber wir behandeln sie oft wie ein Konsumprodukt. Handwerk, Herkunft und Zeit, all das steckt in jeder Tafel. Und genau diese Wertschätzung möchte Knape stärker vermitteln.