Studio Höhenflug in Eslohe

Mit leuchtenden Augen erzählt Pia Kremer von ihrem Weg – einem Weg, der sie von der Sporthochschule in Köln bis in ihr eigenes Studio im Sauerland geführt hat. Die 31-Jährige ist hauptberuflich Lehrerin für Englisch und Sport. Zusätzlich schlägt ihr Herz schon lange für etwas ganz Eigenes. „Ich liebe es einfach, mit Menschen zu arbeiten und Bewegung sowie Gesundheit zu vermitteln“, sagt sie. Der Traum vom eigenen Studio begleitet sie seit dem Studium.

Nach ihrer Pilates-Ausbildung begann Pia, erste Kurse in Fitnessstudios zu geben. Und es kamen immer mehr Kursanfragen. Oft fuhr sie mit dem Fahrrad von Termin zu Termin. Sie merkte schnell: „Das ist genau mein Ding.“ Die Energie, die sie in den Kursen gab, bekam sie von den Teilnehmenden vielfach zurück.

Geboren und aufgewachsen ist Pia Kremer im sauerländischen Fretter. Ihr Vater inspirierte sie zu ihrer Schullaufbahn, ihre Mutter gab ihr den Mut, eigene Workshops umzusetzen. Auch in ihrem Heimatdorf bot sie regelmäßig Abendkurse an. Die Resonanz war durchweg positiv. „Die Leute haben gemerkt, dass ihnen das guttut – und mir natürlich auch“, erinnert sie sich.

„Für mich ist eine Welt zusammengebrochen.“
Nach dem Lehramtsstudium und dem Referendariat blieb für Kurse zunächst kaum Zeit. Doch mit dem Start in den Vollzeit-Lehrberuf fehlte ihr dieser Ausgleich spürbar. 2020 entschied sie sich daher, wieder intensiver einzusteigen, absolvierte zusätzlich eine Pole-Trainer-Ausbildung in Hamburg und unterrichtete in Fitnessstudios in Olpe und Freudenberg. Trotz weiter Fahrten lohnte sich der Aufwand – bis sich eines der Studios auflöste. „Da ist für mich erst mal eine Welt zusammengebrochen“, erzählt sie offen.

Die Wende kam eher zufällig: Sie entdeckte einen leerstehenden Geschäftsraum an der Hauptstraße in Eslohe. Es war Sommer, die Sonne schien, Pflanzen standen in den Fenstern. Pia schaute hinein, machte Fotos und wusste sofort: Das könnte es sein – jetzt oder nie. Eine Woche später unterschrieb sie den Vertrag. Familie, Freunde und Kollegen bestärkten sie: „Das bist einfach du.“

„Pole-Dance ist meine Leidenschaft.“
Die Räume wurden komplett umgebaut, Decken abgehängt, Wände entfernt und neuer Boden verlegt. Viel Arbeit – aber auch viel Freude. Im Winter starteten die ersten Schnupperkurse, inzwischen laufen elf feste Kurse, unterstützt von einer weiteren Trainerin. Nach der Schule beginnt für Pia ihr Hobby-Arbeitstag: Ab 17 Uhr wird getanzt, trainiert und gelacht – bei Pole-Dance, Pilates oder Body-Shaping.

Besonders wichtig ist ihr die Atmosphäre im Studio. Die Teilnehmenden sind zwischen 18 und 65 Jahre alt. Pole-Dance sei für jedes Alter geeignet, erklärt sie, auch wenn es anfangs Hemmschwellen gebe. Kraft, Körpergefühl und Selbstbewusstsein würden gleichermaßen gestärkt. „Die ersten Erfolgserlebnisse hat man oft schon nach der ersten Stunde.“

Vorurteilen gegenüber Pole-Dance begegnet Pia Kremer gelassen. Wenig Kleidung sei auch rein funktional – für besseren Halt an der Stange. In ihren Kursen seien alle Körper willkommen. Es gehe nicht um Perfektion oder Abnehmen, sondern darum, sich selbst etwas Gutes zu tun. „Mein Studio ist ein Ort für die Seele“, sagt sie. Ein Ort, an dem Menschen für eine Stunde abschalten, das Handy vergessen und einfach durchatmen können.