
Der neue Stadtrat der Stadt Schmallenberg ist am Donnerstag der Woche zu seiner ersten Sitzung nach der Kommunalwahl zusammengekommen. Gleich ging es ans Eingemachte. Unter Leitung des neuen Bürgermeisters Johannes Trippe stand mit der Einbringung des Haushalts 2026 ein besonders schweres Thema auf der Tagesordnung. Trippe machte in seiner ersten Haushaltsrede direkt deutlich: Die weltpolitische Lage, steigende Sozialausgaben und wachsende Unsicherheiten auf Bundes- und Landesebene setzen auch Schmallenberg erheblich unter Druck.
Rekorddefizit im Ergebnisplan
Die Zahlen des Kämmerers Andreas Plett sprechen eine klare Sprache: 90,5 Millionen Euro an Aufwendungen stehen lediglich 84 Millionen Euro an Einnahmen gegenüber. Das Ergebnis ist ein geplantes Defizit von 6,5 Millionen Euro – so hoch wie noch nie in der Geschichte der Stadt. Zwar hat Schmallenberg in der Vergangenheit mit einer traditionell vorsichtigen Haushaltsplanung häufig deutlich bessere Jahresergebnisse erzielt, doch der Bürgermeister warnt: 2026 wird ein schwieriges Jahr.
Über die mittelfristige Finanzplanung bis 2029 summieren sich die zu erwartenden Fehlbeträge sogar auf 28,4 Millionen Euro. Die gesamte Ausgleichsrücklage wäre damit aufgebraucht – ein klares Zeichen dafür, wie eng der finanzielle Spielraum geworden ist.
Wo das Geld fehlt – und wo es mehr kostet
Ein Grund für die angespannte Lage sind die sinkenden Schlüsselzuweisungen des Landes: Zwei Millionen Euro weniger fließen im kommenden Jahr nach Schmallenberg. Gleichzeitig wachsen die Einnahmen aus Einkommen- und Umsatzsteuer kaum noch. Auch bei der Gewerbesteuer rechnet der Kämmerer mit einem Rückgang gegenüber dem starken Jahr 2025.

Auf der Ausgabenseite fallen besonders der Personalaufwand und die Kreisumlage ins Gewicht. Die Stadt beschäftigt viele eigene Kräfte – unter anderem betreibt sie zehn der 18 Kindergärten selbst. Tarifsteigerungen treiben die Personalkosten daher kräftig nach oben. Die Kreisumlage steigt 2026 auf 18,1 Millionen Euro – ein Anstieg von 4,5 Millionen Euro innerhalb von drei Jahren.
Investitionen bleiben – aber mit angezogener Handbremse
Trotz der schwierigen Lage hält die Stadt an wichtigen Investitionen fest. Rund 23,1 Millionen Euro sollen 2026 in Straßen, Schulen, Feuerwehr und Infrastruktur fließen. Allerdings wurden zahlreiche Maßnahmen neu sortiert, verschoben oder in der Priorität verändert – schlicht weil Planungsstände, Genehmigungen oder Kapazitäten fehlen.
Im Straßenbau stehen 6,2 Millionen Euro bereit, darunter 550.000 Euro für das erfolgreiche Programm zur Sanierung innerörtlicher Straßen. Die Erschließung neuer Bau- und Gewerbegebiete bleibt ebenfalls ein Kraftakt, denn sie muss vorfinanziert werden.
Ein besonderes Schwergewicht im Haushalt ist der Neubau des Kultur- und Bildungszentrums am Schulzentrum mit 12 Millionen Euro. Auch die Feuerwehrgerätehäuser geraten verstärkt in den Fokus, allen voran Bödefeld mit einem geplanten Neubau auf dem Gelände des früheren Hallenbads.
Außerdem werden 300.000 Euro für die Erneuerung digitaler Endgeräte an Schulen eingeplant – die Geräte aus der Corona-Zeit erreichen jetzt das Ende ihrer Lebensdauer.
Wie Schmallenberg das alles finanzieren will
Neben Fördermitteln und eigenen Rücklagen wird die Stadt auch Kredite aufnehmen müssen. Die Haushaltssatzung sieht dafür eine Kreditermächtigung von fünf Millionen Euro vor. Zusätzlich hilft ein bundesweites Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität: Schmallenberg kann hier voraussichtlich mit 16,25 Millionen Euro rechnen.
„Wir müssen die Dinge neu betrachten“
Bürgermeister Trippe nutzte seine erste Haushaltsrede, um den politischen Gremien eine klare Botschaft mitzugeben. Man müsse „klug haushalten, vorausschauend investieren und die Herausforderungen unserer Zeit meistern“. Für 2026 kündigt er ein neues Haushaltsstrukturkonzept an, das Einnahmen und Ausgaben grundlegend auf den Prüfstand stellen soll.
Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos – mit Augenmaß, neuen Prioritäten und gemeinsamer Kraftanstrengung will Schmallenberg weiterhin handlungsfähig bleiben.




