Quelle: aus Büchern von Peter Bürger
Er ist ein schlechter Soldat, ein überragender Schütze. Er liebt die Freiheit und hockt jahrelang hinter Gitterrn: Hermann Klostermann, ein Wilderer, ein gutaussehender Frauenheld und Menschenfreund. Er wird schon zu Lebzeiten eine Legende. Für die preußischen Behörden im 19. Jahrhundert ist Hermann Klostermann der Staatsfeind.
Preußische Soldaten liefern sich mit dem Wilderer blutige Schusswechsel. Der Wilderer schießt einen Oberförster an, verletzt einen Forstmitarbeiter mit seiner Schrotflinte schwer. Frühjahr 1868. Klostermann und sein Begleiter, der ebenfalls wildernde Schuster Lohhoff aus Oesdorf bei Marsberg, werden von Soldaten gestellt: „Da hebt der Wilderer sein Gewehr … Prasselnd schlagen die Schrote in den Stamm. Die Soldaten erwidern das Feuer. Klostermanns Begleiter Lohhoff ist tödlich getroffen. Ohne auf den Blutenden zu achten, stürzt Klostermann weiter, ein Sprung über den Waldgraben. Klostermann hat sich gerettet …“ So schreibt ein Chronist über die Schießerei an der westfälisch-hessischen Grenze.
Für viele Menschen ist Hermann Klostermann ein Held. Auf Schützenfesten bringt er erlegtes Wild mit, feiert und tanzt, wird von Frauen umschwärmt. Klostermann gibt armen Witwen und Kindern Geld. Die Wälder im Sauerland, Eggegebirge und Waldeck sind sein Reich.
Quelle: aus Büchern von Peter BürgerVon Brandenburg ins Sauerland
Geboren wird Hermann Klostermann 1839 in Retzin in Brandenburg. Nach dem frühen Tod des Vaters heiratet seine Mutter einen westfälischen Forstbeamten. Die Beziehung zum Schwiegervater ist zerrüttet. In seiner zweijährigen Militärzeit wird er wegen Ungehorsam 23 Mal bestraft. Dann taucht er als Wilderer ab.
Es gibt nicht nur den Klostermann
Forstleute und Soldaten betrachten ganze Dörfer wie Oesdorf und Westheim bei Marsberg als „Wilderernester“. Waldkonflikte eskalieren zur Menschenjagd. Die Bauern sind arm und wütend. Nur Adelige und Landesherren dürfen jagen. Die Bauern sollen stillhalten, auch wenn das Wild ihre Felder schädigt. Das 19. und frühe 20. Jahrhundert sind eine Hochphase der Wilderei in Westfalen, besonders im Sauerland. Wilderer sehen sich nicht als Verbrecher, sondern wehren sich, wollen Gerechtigkeit – auch im Wald.
Die Legende lebt weiter
Über Hermann Klostermann werden Romane und Theaterstücke geschrieben. 2018 entsteht der Film „Jäger und Gejagter“ über die Wilderer-Legende. Noch heute wird in der Westheimer Brauerei das „Klostermann Wildschütz Bier“ hergestellt und im Bürener Land Anfang Oktober der „Wildschütz Klostermann Markt“ veranstaltet. Auch im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek wird Hermann Klostermann aufgeführt – als Krimineller.


