Sauerländer Fruchtfliegen

Sauerländer Fruchtfliegen

Die Sauerländer Fruchtfliege, im Fachjargon auch „Drosophila“ genannt, ist eine der weltweit am häufigsten vorkommenden Tiergruppen, denn diese Art umfasst alleine 1.500 Unterarten, die sich teilweise sehr deutlich in Aussehen und Verhalten unterscheiden. Bei uns kommt das rötliche Exemplar auf dem Foto an häufigsten vor. Sie werden es sicherlich schon mehrfach in Ihrem Leben zu Gesicht bekommen haben, vermutlich in Ihrem Getränk. Die Tierchen sind klein, nur ca. 4 mm lang, aber ab den ersten warmen Tagen über 20 Grad findet man sie einfach überall.

Für die moderne Wissenschaft im 20. Jahrhundert haben die kleinen Krabbler bereits einen hohen Stellenwert erlangt, unter anderem wegen einer Besonderheit: Sie sind viele und sie sind schnell. Nicht in Bezug auf die Fortbewegung, sondern in Bezug auf ihre Entwicklung. Eine Fruchtfliege legt bis zu 450 Eier, und bereits nach sechs Tagen hat die neue Fruchtfliegengeneration die vier Stadien Ei, Larve, Puppe und ausgewachsene Fruchtfliege absolviert. Das macht sie zum perfekten Forschungstier für den Einsatz in der Genforschung.
Darüber hinaus gibt es eine sehr hohe Übereinstimmung des Erbguts von Mensch und Fliege: So besitzt eine Drosophila mehr als 90 Prozent der Gene, die beim Menschen Krebs auslösen können.

Ich verrate Ihnen heute ein ganz düsteres Geheimnis aus dem Leben dieser Tiere. Die Fruchtfliegen stehen gar nicht – wie der Name vermuten lassen würde – auf Früchte oder Fruchtsaft. Sie stehen auf Bier. Auf Sauerländer Bier! Verständlicherweise, denn unser Sauerländer Bier ist bekannterweise das beste der Welt. Und das ist es, was die kleinen Tierchen so gefährlich macht. Sie tarnen sich als Tiere, die offiziell auf dem Bio- und Gesundheitstrip sind, und machen sich hinterrücks an unser Bier heran. Und es bringt noch nicht einmal etwas, das Bier im Nachhinein als Fruchtsaft zu deklarieren (so mancher findiger Sauerländer soll das schon versucht haben: „Schau, Frau, da ist eine Fruchtfliege in meinem Getränk, also MUSS es FRUCHTsaft sein!“), denn Hopfen gilt offiziell nicht als Frucht, sondern als Blume. Bier ist also bestenfalls Tee.

Warum geht die Fruchtfliege an unser Bier? Die Erklärung ist recht simpel. Denn die Fruchtfliege ernährt sich nicht von Früchten, sondern von den auf Früchten lebenden Hefezellen. Und weil die Tierchen gar nicht mal so dumm sind, haben sie im Laufe der Evolution mitbekommen (vermutlich, weil sie reingefallen sind), dass diese Hefezellen auch in Bier sind und dass dies doch deutlich leckerer schmeckt als so ein gammeliger Hefepilz auf einer halbverfaulten Birne. Aber das ist auch schon der Ansatz, wie man die Tierchen, die zum Biergelage gerne sehr viele Fruchtfliegengäste einladen, wieder loswird. Man sorgt einfach dafür, dass sie aus dem Bier nicht wieder rauskommen. Ein Tropfen Spülmittel reicht.

Den an dieser Stelle üblichen Rezeptvorschlag können wir uns diesmal sparen. Sie werden die ein oder andere Frucht- fliege sicherlich unabsichtlich schon verzehrt haben – im Bier, im Fruchtsaft, während des Radfahrens, auf dem Kirschkuchen. Dieses Tier serviert sich einfach selbst, quasi als Beilage. Gut, dass es so viele von ihnen gibt, denn so muss man kein schlechtes Gewissen haben, nicht einmal als Vegetarier.