Sauerländer Fasane

Sauerländer Fasane

Wenn Sie in den flacheren Gegenden des Sauerlandes unterwegs sind, kann es passieren, dass Sie den einen oder der anderen Vertreter dieser Vogelart zu Gesicht bekommen. Fasanen sind zwar selten im Sauerland, aber auch ausserhalb diverser Zuchtvolieren von Feinschmeckern kann das ungleiche Paar mittlerweile Lebensraum finden. Der kluge Vogel weiß eben, was gut ist. Und Sie haben in der Zwischenzeit mit Blick auf das Foto sicher schon richtig geraten. Das eher unscheinbare, etwas gerupft aussehende Exemplar ist das Weibchen, das schillernden, imposante und vor Stolz strotzende Tier ist das Männchen. Man mag jetzt denken: hey, bei dem Vogel ist es ja wie bei den Menschen!  Aber seien Sie sich sicher, dies ist ein völliger Trugschluss. Vielleicht. Kommen wir zunächst zum männlichen Fasan, dem Fasanenhahn. Er ist von auffallender Schönheit, mit Schwanzfedern bis zu 90 cm lang. Sein schillerndes Gefieder und sein lauter Gö-gök Ruf kündigen ihn überall von Weitem an. Er fliegt auch nur selten, die meiste Zeit stolziert er, in Stresssituationen rennt er auch eher als zu fliegen. Weil wenn er fliegt, würden ihn die Weibchen nicht sehen. Der Fasanenhahn ist bereits im ersten Jahr geschlechtsreif, er lebt zur Fortpflanzungszeit in einer sogenannten „Harems-Polygenie“, also er paart sich mit drei oder mehr Hennen. Besonders findige Exemplare sollen Harems mit bis zu 18 Hennen halten! Da sich der Hahn lediglich bis zur Balz/Paarung für die Henne interessiert, und er sie nach vollzogenen Akt links liegen lässt, ist dies nicht mit sonderlichem Aufwand verbunden. Kommen wir zu den Hennen. Die streifen als unscheinbare Weibchen in den ersten Frühlingswochen alleine durch die Landschaft, nachdem sie den Winter gemeinsam mit anderen Weibchen verbracht haben. Nun, im Frühjahr, wartet hinter jeden neuen Revierecke sprichwörtlich ein balzender Hahn, der sich aufbläht, das Rückengefieder sträubt, und mit rot geschwollenem Kopf, gefächertem Schwanz und gesenktem Flügel das Weibchen zu beeindrucken versucht. Kann einer der Hähne überzeugen, gehört dieses Weibchen dann zu seinem Haarem, der Hahn folgt seiner Hennen-Truppe dann bis zur Paarung durch die täglichen Streifzüge durchs Revier. Der spätere Paarungs-Akt zwischen Henne und Hahn findet abseits der Gruppe statt. Nach diesem verlässt das Weibchen schlagartig den Harem und den Hahn, um sich fortan um die Brut und sich selbst zu kümmern. Der Hahn sucht sich derweil die nächste. Dabei missachtet er leider sehr häufig Verkehrsregeln. Dies, der zunehmende Strassenverkehr und die Tatsache, dass der Vogel bei sich nähernder Gefahr auch dann nicht wegfliegt, wenn es sich bei der Gefahr um einen Sattelschlepper handelt, führt dazu, dass männliche Fasanen auf Liebessuche sehr häufig überfahren werden. 

Wenn Sie immer noch der Meinung sind, dass dieser Bericht gegenüber dem weiblichen Geschlecht miskreditierend ist und es besser wäre, wenn wir von grossen imposanten Weibchen sprechen und kleinen, unscheinbaren Männchen: Wir sind nun mal im Sauerland und dies ist eine Sauerländer Tierkolumne. Wenn wir irgendwann den Themenschwerpunkt Richtung Tiefsee wechseln (Klimawandel sei Dank) dann werden wir auch von den wunderbaren Anglerfisch-Weibchen berichten, die um ein vielfaches grösser sind als die Männchen, mit einer hübschen Leuchtkugel ausgestattet und so unansehnlich, dass die vergleichsweise winzigen Männchen blind sind. Lassen wir das. Bleiben wir lieber im Sauerland. Und kommen wir zu dem an dieser Stelle üblichen Rezeptvorschlag. Für den Fasan gibst es hunderte. Denn dieser Vogel ist leider in nahezu jeglicher Zubereitungsart sehr lecker. Ich empfehle die Zubereitung mit Weisswein und Gemüse. Sagen Sie Bescheid, wenn er gar ist, und planen Sie einen Person mehr zum Essen ein!