Runde um Runde

Ältester Sauerländer Stammtisch

im ältesten sauerländer Stammtisch

Wie an jedem Mittwoch trifft sich ein Stammtischgrüppchen honoriger Herren, allesamt im Seniorenalter, im Arnsberger Ratskeller am Alten Markt. Vermutlich handelt es sich um den ältesten Stammtisch im Sauerland: Als „Kasinogesellschaft“ im gleichnamigen, damals preußischen Gebäude am Neumarkt reicht seine Geschichte bis ins Jahr 1897 zurück. Um 1960 machte sich bei den betagteren Mitgliedern des inzwischen „Mittwochsstammtisch“ genannten Vereins eine gewisse Vergesslichkeit bemerkbar. Damals soll der Arnsberger Stadtdirektor Hermann Herbold den Stammtisch wegen des offensichtlich rieselnden Kalks in manchen Köpfen mit einem Kalkwerk verglichen haben und so entstand der heutige Name „Vereinigte Kalkwerke“.

Ein Mitglied war länger als eine Woche im Urlaub gewesen und damit verpflichtet, eine Ansichtskarte an den Verein zu senden. Das tat er und glaubte, einer Getränkerunde entkommen zu sein. Doch bei der Überprüfung stellte sich ein Rechtschreibfehler im Kartentext heraus. Satzungsgemäß gab es also doch eine Runde.

Fehltritte mit Folgen
Da sind wir beim Thema: Ähnlich einem Bußgeldkatalog sehen die Vereinsstatuten bei festgelegten Verstößen ein einheitliches Entgelt in Form einer Runde vor. Eine solche Runde macht gerade die Runde: Dein linker Kalkwerker übergibt dir das Tablett mit den Getränken. Die frischen Biere lachen dich an, du greifst zu – zack, schon hast du eine Runde am Hals. Wieso das? Nach den Regeln musst du das Tablett erst an deinen rechten Kalkwerker weiterreichen, bevor du dir selbst ein Getränk nehmen darfst. Andernfalls: Runde.

Weitere rundenpflichtige Missgeschicke sind unter anderem: Antrinken vor Ankündigung einer Runde, Betreten des Lokals ohne angesteckte Vereinsnadel, Unterlassen der wöchentlichen Spende in die Vereinsspardose, Nichtbeteiligung oder Verlust bei Wetten und natürlich persönliche Anlässe wie Geburtstage. Die Fälligkeit einer Runde wird angekündigt, indem ein rundes Metalltablett hochkant auf den Boden gesetzt, in Drehung versetzt und laut scheppernd ausgetrudelt wird. Die Bedienung ist damit alarmiert.

Zwar werden die Rundenregelungen fast schon bürokratisch verfolgt, doch der Stammtischabend selbst gestaltet sich entspannt und heiter. Die 23 Mitglieder schätzen die Geselligkeit des Abends sehr, mit angeregten Gesprächen über Fußball, Politik und natürlich die aktuellen Geschichten und Gerüchte aus der Altstadt. Dr. Wilhelm Geldmacher, Sprecher des Stammtischs, betont: „Uns sind Empathie und Respekt wichtig, aber vor allem die Runden.“

Außerhalb der regulären Stammtischabende pflegt man den Neujahrsempfang mit Damen, das Hüttenfest im Sommer auf der Hellefelder Höhe, das Wildessen im Herbst und unregelmäßig auch Wochenendbustouren mit Begleitung. Außerdem engagiert sich der Stammtisch gerne für soziale Projekte.

Wer an dieser besonderen Form von Geselligkeit Gefallen findet, kann eine Mitgliedschaft beantragen. Dazu muss er an drei Abenden erscheinen. Erhält er anschließend die Zustimmung aller Mitglieder in geheimer Abstimmung, wird er offiziell aufgenommen und die nächste Runde ist fällig.