Präzision unter der Oberfläche

H. Spiekermann Bohrtechnik GmbH

Wie Spiekermann Bohrtechnik aus Schmallenberg die unsichtbare Infrastruktur Deutschlands prägt

Man sieht sie nicht. Und doch funktioniert ohne sie kaum etwas: die Infrastruktur unter unseren Füßen. Leitungen für Wasser, Strom, Gas, Wärme oder Daten. Dass sie heute oft verlegt werden können, ohne Straßen aufzureißen, Flüsse umzuleiten oder Landschaften zu zerstören, ist das Ergebnis von Präzisionsarbeit im Untergrund. Eine dieser stillen Erfolgsgeschichten kommt aus Schmallenberg-Winkhausen: Spiekermann Bohrtechnik.

Was vor über 80 Jahren aus der Not heraus begann, ist heute ein bundesweit gefragtes Spezialunternehmen – tief verwurzelt im Sauerland und technologisch ganz vorne dabei.

Die Ursprünge reichen zurück bis ins Jahr 1943. Großvater Spiekermann, eigentlich Schäfer, wurde von Seiten der Obrigkeit gezwungen, einen Lkw zu übernehmen und für angeordnete Transporte im Sauerland zu fahren. „Er wurde im Grunde gezwungen, ein Unternehmen zu gründen“, erzählt Christof Spiekermann, der heute in dritter Generation das Unternehmen H. Spiekermann Bohrtechnik zusammen mit seiner Frau Eva und seinem Sohn Sebastian leitet. Nach dem Krieg war dieser Lkw Gold wert: für Transporte, für den Wiederaufbau, für alles, was gebraucht wurde.

Aus dem Fuhrbetrieb entwickelte sich in den folgenden Jahren ein Tiefbauunternehmen mit Bagger, Raupen und schließlich Bohrtechnik. Ein entscheidender Schritt folgte in den 1970er Jahren mit dem Einstieg in neue grabenlose Verfahren. „Was damals als Nische begann, ist heute technischer Standard“, sagt Christof Spiekermann. „Aber wir waren früh dabei und haben uns genau dort spezialisiert, wo es schwierig wird.“

Wenn andere aufgeben, fängt Spiekermann an
Heute ist Spiekermann Bohrtechnik kein Unternehmen für Massenbaustellen. Keine kilometerlangen Standardtrassen. „Wir kommen, wenn es kompliziert wird“, beschreibt Sebastian Spiekermann die Rolle des Betriebs. Unterschiedliche Bodenklassen, Fels, unbekannte Hindernisse – Situationen, in denen Erfahrung mehr zählt als jedes Handbuch.

„Man kann in den Boden nicht hineingucken“, sagt er. „Viele Planungen stimmen später nicht mit der Realität überein. Das kann man nur mit Erfahrung, Bauchgefühl und technischem Know-how lösen.“ Genau darin liege die Stärke des Unternehmens: Spülbohren, Stahlrohrvortrieb und Geothermie werden flexibel kombiniert – pragmatisch, lösungsorientiert, zuverlässig.

Familienunternehmen mit Verantwortung
Spiekermann Bohrtechnik ist ein echtes Familienunternehmen, und das nicht nur auf dem Papier. Eva Spiekermann hält im Hintergrund die Fäden zusammen. „Man ist immer mit dem Herzen dabei“, sagt sie. Angebote, Organisation, Gespräche – vieles läuft ineinander. „Wenn etwas ist, sind wir da. Für die Familie genauso wie für die Mitarbeiter.“

Rund 30 Menschen arbeiten heute im Unternehmen, viele seit Jahrzehnten. „Die Leute gehen hier in Rente“, sagt Christof Spiekermann. Fluktuation ist die Ausnahme. Ausbildung hingegen eine Herausforderung, auch weil es kaum klassische Ausbildungswege für diese Spezialisierungen gibt. Umso größer der Stolz auf den eigenen Nachwuchs: Ein Brunnenbauer aus dem Betrieb wurde gerade Landessieger in Nordrhein-Westfalen.

Energiewende braucht Untergrund
Mehr als die Hälfte der aktuellen Aufträge hat mit der Energiewende zu tun: Windparks, Solarparks, Stromtrassen, Geothermie. „Ohne Bohrtechnik ist das alles gar nicht umsetzbar“, stellt Christof Spiekermann klar. Grabenlose Verfahren schonen Landschaften, reduzieren Eingriffe und ermöglichen Infrastruktur dort, wo oberirdisch längst nichts mehr geht.

Die Diskussionen um Eingriffe in Natur sieht man differenziert. „Natürlich greift man ein“, sagt Sebastian Spiekermann. „Aber wenn die Arbeit fertig ist, sieht man oft nichts mehr davon. Und ohne diese Infrastruktur funktioniert die Zukunft nicht.“

Verwurzelt bleiben, weiterdenken
Auch in zehn Jahren sieht sich das Unternehmen weiter in Winkhausen – wenn auch mit Platzproblemen. Wachstum um jeden Preis ist kein Ziel. „Es geht darum, gesund weiterzumachen“, sagt Christof Spiekermann. Die Nachfrage werde bleiben, da ist man sich sicher. „Die Infrastruktur ist marode. Die Arbeit wird uns nicht ausgehen.“

Vielleicht passt deshalb ein alter, fast augenzwinkernder Leitsatz noch immer am besten: Stark im Untergrund. Ein Satz, der sagt, was Spiekermann ausmacht – und warum diese Schmallenberger Erfolgsgeschichte weit über das Sauerland hinaus reicht.

H. Spiekermann Bohrtechnik GmbH
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