Neue Studie zeigt: Lebensqualität im Sauerland steigt – vier Herausforderungen für die Zukunft

Quelle: Patricia Korn

Die Untersuchung „Lebensqualität im Sauerland“, durchgeführt vom Lehrstuhl für Marketing und Marktorientierte Unternehmensführung an der Fachhochschule Südwestfalen unter der Leitung von Frau Prof. Dr. Anne Jacobi im Sommer 2025, bestätigt eine hohe Zufriedenheit der Bevölkerung mit der Region. Besonders die Bereiche Natur, Sicherheit, Wirtschaftskraft, sozialer Zusammenhalt sowie vergleichsweise niedrige Lebenshaltungskosten in der Region Sauerland werden als große Stärken wahrgenommen. Hinsichtlich der politischen und wirtschaftlichen Kriterien sind die Sauerländer zufriedener als die Einwohner in den Großstädten von NRW.

Tobias Metten, Vorstandsvorsitzender „Sauerland Initiativ“ und Frau Prof. Dr. Anne Jacobi, Fachhochschule Südwestfalen

Hohe Zufriedenheit – aber strukturelle Defizite

Die Studie basiert auf einer breit angelegten Befragung von 1.651 Bürgerinnen und Bürger im Alter zwischen 18 und 65 Jahren in Nordrhein-Westfalen. Darunter rund 1.000 Befragte im Sauerland in den Kreisen Hochsauerlandkreis, Soest, Märkischer Kreis und Olpe sowie 700 Befragte in den Großstädten Nordrhein-Westfalens wie Köln, Düsseldorf, Dortmund, Essen oder Aachen. Der Befragungszeitraum erstreckte sich von Mai bis Juli 2025. Dadurch konnten sowohl Innen- als auch Außenwahrnehmungen der Region analysiert werden.

Quelle: Sauerland Initiativ e.V.

Die Studie bestätigt eine insgesamt hohe Zufriedenheit mit der Region. Das Sauerland wird zunehmend als attraktiver Wohnort wahrgenommen:

  • 34 % bewerten das Sauerland als beliebten Wohnort im Gesamtvergleich in NRW (2012: nur 13 %)
  • 52 % der Sauerländer selbst sehen ihre Region als attraktiv an
  • 44% empfinden die Lebenshaltungskosten im Sauerland als angemessen

Während die Sauerländer insbesondere bei wirtschaftlichen Perspektiven, Wohnkosten sowie Klima und Natur zufriedener sind als Stadtbewohner, zeigen sich deutliche strukturelle Herausforderungen.

Die Studie benennt vier zentrale Handlungsfelder:

  • Eingeschränkte Mobilität: Ausbau von Bahn, ÖPNV und digitaler Netze sowie modernen und ausreichende Wohn- und Arbeitsflächen (Co-Working, flexible Büros)
  • Mehr Freizeit-, Kultur- und Gastronomieangebote: Junge, lebendige Treffpunkte (Bars, Events, Festivals) und familienfreundliche Freizeitgestaltung
  • Medizinische Versorgung sichern: Fachkräfte im Gesundheitswesen sichern und Ausbau ambulanter und digitaler Angebote (Telemedizin)
  • Förderung von Selbstständigkeit: Gründungsprogramme, Netzwerke und Mentoring sowie Kooperation von Schulen, Betrieben und Hochschulen

Diese Faktoren beeinflussen maßgeblich die Attraktivität der Region, insbesondere im Wettbewerb um Fachkräfte. „Wir konkurrieren nicht regional, sondern mit Städten“, lautet das zentrale Fazit der Sauerland Initiative. 73 % der jungen Menschen wären bereit, für einen attraktiven Job umzuziehen, wobei die Lebensqualität eine entscheidende Rolle spielt. Gleichzeitig kennen 30 % der Befragten aus Großstädten das Sauerland kaum. Bei den unter 25-Jährigen sind es sogar 44 %. „Wenn überall in NRW bekannt ist, dass es im Sauerland eine gute Lebensqualität gibt, werden viele Fachkräfte und Jugendliche bereit sein, ins Sauerland umziehen“, so Sauerland Initiativ.  Die Studie macht deutlich: Das Sauerland verfügt über starke Grundlagen, muss jedoch gezielt an seinen Schwächen arbeiten. Nur durch ein gemeinsames Vorgehen von Politik, Wirtschaft und Kommunen kann die Region ihre Attraktivität als Lebens- und Arbeitsstandort langfristig sichern.