Neue Gedenktafel zu den Hexenprozessen auf der Burg Bilstein

Gedenktafel Hexenverfolgung an der Burg Bilstein

Im Eingangsbereich zur Burg Bilstein findet der Besucher seit Dezember 2025 eine Gedenktafel zu den grausamen Hexenverfolgungen im früheren Amt Bilstein. Das alte Amt Bilstein erstreckte sich über weite Teile des Kreises Olpe bis nach Schmallenberg, politisch gehörte es zum Kurfürstentum Köln. Gerichtsherren waren zur Zeit der größten Verfolgungen der Droste Caspar von Fürstenberg und sein Sohn und Nachfolger Friedrich v. Fürstenberg.

Zaubereivorstellungen gab es im Volksglauben immer, wie auch der Glaube an Geister und Gespenster. Jahrhunderte lang wurde Aberglaube von der Kirche nur mit Bußübungen oder anderen Kirchenstrafen milde bestraft. Seit dem 15. Jahrhundert änderte sich die Einstellung der Kirche durch die Hexenbulle des Papstes Innozenz VIII. von 1484 schlagartig. Es bildete sich darin eine Hexenlehre heraus, in der eine angebliche Hexensekte bekämpft werden solle, deren Mitglieder sich durch einen Flug durch die Lüfte an bestimmten Orten mitternächtlich trafen, um dann Orgien mit dem Teufel, meist in Gestalt eines Ziegenbockes, feierten. Untermauert wurde diese angebliche Gefahr für die Menschheit durch das Buch des Mönches Heinrich Kramer, den „Hexenhammer“, das bald auf jedem Richtertisch lag.

Gedenktafel Hexenverfolgung an der Burg Bilstein

Vom Aberglaube zur Anklage
Begonnen hatten die Verfolgungen in Savoyen, zogen dann stürmisch den Rhein entlang und kamen bald bis Köln, von wo sie auf das Sauerland übersprangen und ca. 2.000 Prozesse verursachten mit mindestens 1.000 Todesurteilen. Die Blutgerichtsbarkeit lag oft in der Hand von Grundherrn, die sich dem Willen der Menschen beugten, besonders dann, wenn es galt, Sündenböcke wie z.B. bei Wetterschäden, Kindersterblichkeit, Bränden oder Viehsterben zu finden. Manchmal genügte auch schon der „böse Blick“, um meist Frauen ins „Gerede“ zu bringen oder im Dorfleben zu schneiden. Die Richter waren selten objektiv, wie auch die Geschworenen; waren es doch alles Männer in einer Zeit, wo Frauen kaum Rechte hatten. Im Kurfürstentum Köln wurden oft Hexenkommissare berufen, die dann als Ankläger und Richter gleichzeitig auftraten und deren Bezahlung auf Honorarbasis erfolgte, also: je mehr Verurteilungen, desto besser das Einkommen. Die Kosten trugen die Angeklagten oder deren Familien; auch für die Bewirtung der Gerichte, die Bewachung der Gefangenen usw. wurden sie in Rechnung gestellt.

Höhepunkte der Verfolgungen im Amt Bilstein
Insgesamt gab es drei große Verfolgungswellen in unserer Region, beginnend um 1575, wie auch im benachbarten Wildenburger Land. Die nächste ganz große Verfolgungszeit war ungefähr zwischen 1590–1603, im Amt Bilstein und auch in vielen anderen Regionen, wie durch einen Zeitstrahl auf der Tafel festgehalten wird. 58 Personen, davon 40 Frauen und 18 Männer, wurden allein in Bilstein hingerichtet. Allerdings wird immer ein Prozess gegen Dorothea Becker genannt, der mit einem seltenen Freispruch nach schweren Folterungen endete, weil sie sich als nicht schuldig erklärte. Caspar v. Fürstenberg war studierter Jurist, er verwies die Frau schließlich des Landes und rehabilitierte sie später sogar. Nach 1618 wurde sein Sohn Friedrich Droste und beugte sich willig den Forderungen der Bevölkerung und entfachte 1629–1630 eine weitere große Verfolgungswelle, die mit dem Tod von 26 Frauen und 33 Männern endete; dabei überrascht die hohe Anzahl von Männern. Durch die Schrift des Jesuiten Friedrich Spee „Rechtliche Bedenken wegen Hexenprozessen“ von 1631 erfolgte langsam ein Umdenken über angebliche Buhlschaften mit dem Teufel, Hexenritte auf Besen oder Ziegenböcken.

Nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges nahmen die Verfolgungen langsam ab. Neben Friedrich Spee gab es im Sauerland noch andere katholische Geistliche, die den Prozessen skeptisch gegenüberstanden.

Anja Grevener – Zwei literarische Zugänge zur Hexenverfolgung im Sauerland

Giebelritt durchs SauerlandQuelle: WOLL-Verlag

„Giebelritt durchs Sauerland“
Literarische Schlaglichter auf Hexenprozesse im kurkölnischen Sauerland, 23 Geschichten über Opfer und Täter.
ISBN 978-3-948496-46-3 · 224 Seiten · 14,90 Euro

In eindringlichen Episoden zeichnet Anja Grevener ein vielstimmiges Bild der Hexenverfolgung im Sauerland. Die Geschichten verbinden historische Fakten mit literarischer Verdichtung und machen sichtbar, wie Angst, Macht und Aberglaube ganze Dorfgemeinschaften prägten. Das Buch lädt dazu ein, hinter die Chroniken zu schauen – auf menschliche Schicksale zwischen Schuldzuweisung und Ohnmacht.

SündenbockQuelle: WOLL-Verlag

„Sündenbock“
Roman nach realen Prozessakten zur Hexenverfolgung in Balve – fanatischer Kommissar, Verfolgung und Widerstand.
ISBN 978-3-948496-69-2 · 268 Seiten · 15,90 Euro

Dieser historische Roman basiert auf überlieferten Prozessdokumenten und erzählt die Geschichte einer Eskalation aus Verdächtigungen, Machtinteressen und persönlichem Mut. Grevener zeigt, wie schnell gesellschaftlicher Druck und religiöser Eifer Einzelne zu Opfern machten – und wie sich dennoch Formen von Widerstand entwickelten. Der Roman verbindet Spannung mit historischer Tiefenschärfe und macht die Mechanismen der Verfolgung nachvollziehbar.

Beide Titel sind im Sauerländer Buchhandel, über den WOLL-Onlineshop sowie direkt beim WOLL-Verlag erhältlich: info@woll-verlag.de.