Museum Schönholthausen

Museum Schönholthausen

Eine Heimatstube im XXL-Format für alle Generationen

Die ehemaligen Stallungen eines Bauernhauses bieten auf rund 260 qm Platz für abertausende Exponate aus verschiedenen Jahrhunderten: Historische Fundstücke aus der Land- und Forstwirtschaft sowie dem Alltagsleben der Menschen aus dem Sauerland haben hier eine zweite Heimat gefunden.

Die Geschichte dieses Museums begann 1990 mit der 750-Jahr-Feier von Finnentrop-Schönholthausen. Eine eigens dafür gegründete Arbeitsgemeinschaft organisierte u.a. einen Flohmarkt, auf dem geschichtliche Alltagsgegenstände verkauft werden sollten. Die Aktion fand so unglaublich großen Anklang, dass hunderte Fundstücke übrigblieben, die nun eine Bleibe suchten. Bei Abbrucharbeiten eines alten Fachwerkhauses wurde zudem ein Balken mit Inschrift gefunden. Auf keinen Fall wegwerfen, soviel war klar – aber wohin mit dem guten Stück?

Punktum: Die Idee des Museums war geboren. Aus der AG entwickelte sich kurzerhand der Heimatverein Schönholthausen e.V., der heute über 200 Mitglieder umfasst und Träger des Museums ist. Das 12-köpfige Team ist zwischen 22 und 65 Jahre alt und kümmert sich rein ehrenamtlich um die Archivierung und Ausstellung der Exponate. In einer knapp zweistündigen Führung bekommen Besucherinnen und Besucher einen umfangreichen Einblick in die Welt ihrer Vorfahren. Sie werden mitgenommen auf eine Reise durch Handwerk, Landwirtschaft, Schulunterricht und Geschichten von Familien, die aus dem Kirchspiel Schönholthausen im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts nach Amerika ausgewandert sind. Ein Höhepunkt der Ausstellung ist die Nachbildung einer Schiffskajüte, die die Enge und Strapazen der Überfahrt begreifbar machen soll. Die ältesten Fundstücke des Museums sind ein Pachtvertrag von 1744 sowie der Scheunenbalken, der mit einer Inschrift verziert ist, die auf das 17. Jahrhundert hindeutet. 

Leidenschaft für Geschichte und Geschichten sind die größte Motivation

„Durch Recherchen zu einer Auswanderergeschichte ist ein Kontakt und mittlerweile eine enge Freundschaft mit den Nachfahren von Caspar Melcher in den USA entstanden. Solche Begegnungen sind natürlich einzigartig, aber auch der Kontakt zu den Menschen, die sich für das Museum interessieren, ist immer wieder aufs Neue spannend und bereichernd. Uns allen ist es außerdem ein großes Anliegen, alte Geschichten, Gegenstände und das Wissen darüber zu bewahren und weiterzugeben“, beschreibt Norbert Siebert, Ansprechpartner des Museums, die Motivation des Teams.

„Kein Konzept“ heißt das Konzept

Das Museum verfolgt keinen bestimmten museumspädagogischen Ansatz und zeigt auch keine wechselnden Ausstellungen. Es muss mit geringen finanziellen Mitteln erhalten werden, die sich aus Eintrittsgeldern, Mitgliedsbeiträgen und Spenden zusammensetzen. Alle zwei Jahre veranstaltet der Heimatverein ein Dorffest, und seit kurzem unterstützt die Gemeinde Finnentrop die Initiative mit einem kleinen Zuschuss.

„Wir arbeiten alle ehrenamtlich und stecken viel Zeit und Herzblut in das Museum. Ideen zu Veränderungen – sei es Digitalisierung, spezielle Projekte für Schulklassen oder eine neue Konzeption – gibt es reichlich, aber es fehlt oft leider an Zeit, Geld und Personal. Uns geht es aber auch hauptsächlich darum, zu zeigen, wie früher vieles machbar war, ganz ohne die technischen Mittel, die es heute gibt“, fügt Siebert hinzu, und seine Begeisterung für die Sauerländer Geschichte ist ihm bei seinen Führungen anzumerken.

Küchenhexe, Stuhlgang und der Erfindergeist von Schönholthausen

Die einzelnen Räume stehen alle unter einem bestimmten Thema, doch die dazugehörigen Fundstücke stammen aus verschiedenen Epochen. So blickt das Hochzeitspaar aus dem 19. Jahrhundert auf eine Kaffeetafel aus den 1950er-Jahren, während eine Herz-Jesu-Büste des Bildhauers Zumbusch aus dem Jahr 1857 im originalgetreu errichteten Schlafzimmer von Anfang des letzten Jahrhunderts Platz findet. Hier steht auch ein Holzstuhl mit integriertem Nachttopf, was den Begriff Stuhlgang in einem ganz neuen Licht erscheinen lässt. Neben der Kaffeetafel steht die Küchenhexe, ein Ofen, oftmals als die einzige Wärmequelle im Haus darstellte und zum Kochen und Backen benutzt wurde.

Ein kleines, aber überaus herausragendes Exponat des Museums ist ein ganz besonderer Kartoffelschäler. Albert Deimel aus Schönholthausen erfand den Sparschäler 1936 und ließ ihn patentieren. Während seiner Kriegsgefangenschaft gründete sein Bruder die Firma Famos (aus der sich später Westmark entwickelte) und produzierte und vermarktete den Kartoffelschäler weiter. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden sämtliche Patente aberkannt und ein Schweizer Produzent hatte mittlerweile sein Patent auf einen ähnlichen Schäler angemeldet, aber 1954 bekam Albert Deimel das

Patentrecht wieder zuerkannt und vergrößerte die Produktion.

Jedes einzelne Ausstellungsstück könnte vermutlich seine ganz eigene aufregende Geschichte erzählen: ein spannendes Sammelsurium an Kuriositäten und Alltagsgegenständen, die bei Älteren Erinnerungen wecken, Jüngere neugierig machen und so Generationen zusammenbringen.

Ansprechpartner: Norbert Siebert
E-Mail: norbert.siebert@gmx.net
Tel.: 0177/4855 363
Adresse Museum:
Zur Schlerre 2 57413 Finnentrop-Schönholthausen

www.schoenholthausen-museum.de

Öffnungszeiten:
am 1. Sonntag im Monat oder nach Vereinbarung

Aus Platzgründen werden keine Fundstücke/Alltagsgegenstände mehr angenommen, bei Besonderheiten sollte vorher Kontakt aufgenommen werden. Das Museum ist nicht barrierefrei zugänglich, und das obere Stockwerk ist nur über eine enge, steile Treppe zu erreichen.
Führungen und Beschriftungen gibt es nur in deutscher Sprache.