
Brilon lebt Kultur – Tag für Tag, immer abwechslungsreich und voller Erlebnisse
Was macht die Kulturszene in Brilon so besonders? Im Gespräch mit Thomas Mester, Leiter von „Brilon Kultur“, blicken wir hinter die Kulissen der Kulturarbeit, entdecken ihre Ursprünge und erfahren, wie diese die Stadt für Menschen bereichert.
In Brilon ist immer etwas los – und das ist beinahe untertrieben: Ein Blick in das diesjährige Programmheft zeigt, wie sich zahlreiche Veranstaltungen auf die Seiten drängen.
Alle öffentlich zugänglichen Veranstaltungen der Stadt finden hier ihren Platz. So viel Kultur unter einen Hut zu bekommen, erfordert echtes Organisationstalent – doch genau das bringt Thomas Mester mit. Er gibt zu, dass man für die Anzahl an Veranstaltungen, die man jährlich auf die Beine stelle, unterbesetzt und das Ganze nur zu stemmen sei, wenn man mit Leidenschaft bei der Sache sei: „Man muss schon positiv bekloppt sein, um das in dem Ausmaß zu machen.“ Wochenenden kenne er zwar nicht, aber seine Freude an der Arbeit, lasse ihn darüber hinwegsehen. Doch was treibt Thomas Mester an, Kulturarbeit auf höchstem Niveau zu betreiben, und wie kam er ins Kulturgeschäft?
Schon seit seiner Kindheit schlägt das Herz des gebürtigen Altenbüreners für die Musik. Auf Wunsch seines Vaters entschied er sich zwar damals für eine Ausbildung zum Schlosser, seiner Liebe zur Musik tat dies jedoch keinen Abbruch: Schon bald gründete er die Band „Amadeus“, mit welcher er vierzig Jahre lang auftrat, bis man sich 2019 von der Bühne verabschiedete. Bevor er 2005 bei „Brilon Kultur“ einstieg, gründete er eine Eventfirma. Diese brachte ihm nicht nur Erfahrungen im Veranstaltungsbereich, sondern ebnete auch, zusammen mit seiner Leidenschaft für die Musik, den Weg in die Kulturarbeit. Im Jahre 2009 wurde er dann Leiter von „Brilon Kultur“. In dieser Rolle hat er bereits viel bewirken können.
Kultur mit Geschichte
Kulturelle Bemühungen habe es in Brilon schon immer gegeben, verrät Thomas Mester. Der seit den 60er Jahren existierende „Besucherring“, der heutzutage noch das klassische Abendtheater organisiert, war damals für das gesamtkulturelle Angebot zuständig und zeigt, dass kulturelles Engagement eine lange Tradition in Brilon hat. Im Laufe der Jahre fanden diese Bemühungen ihren Ausdruck in Veranstaltungen wie dem „Musiksommer“ und der „Jazz-Nacht“, die von Thomas Mesters damaligem Chef Günter Wiedemeier und dem ehemaligen Stadtdirektor Eberhard Schüle initiiert wurden und längst zu festen Größen in der Kulturszene geworden sind: Die „Jazz-Nacht“ blickt auf stolze dreißig Jahre zurück und der „Musiksommer“ feierte im vergangenen Jahr sein 25. Jubiläum.
Vielfältiges Programm
Es sei schön zu sehen, wie sich jeden Sommer 2.500 Menschen versammeln würden, um gemeinsam Musik zu hören, schwärmt Thomas Mester vom „Musiksommer“. Über vier Wochen hinweg wird dann die Bühne auf dem Marktplatz bespielt. Im Rahmen des Jubiläums hat man sogar Michael Schulte nach Brilon holen können. Da schwinge schon ein gewisses Risiko mit, das man eingeht, wenn man eine solche Berühmtheit bei freiem Eintritt auftreten lässt. „Das Brett war nicht dünn, aber wir haben’s gebohrt“, sagt Thomas Mester rückblickend und betont in diesem Rahmen insbesondere die Sponsoren der heimischen Wirtschaft, mit welchen man in Brilon großes Glück habe.
Der „Musiksommer“ ist längst nicht die einzige Outdoor-Veranstaltung. Egal ob das Altstadtfest, das Straßentheater oder das Zirkusprojekt – im Sommer, so Thomas Mester, sei man immer unterwegs.
Aber nicht nur im Freien, auch drinnen bietet Brilon zahlreiche Veranstaltungen: Das klassische Abendtheater des „Besucherrings“ bringt spannende Aufführungen auf die Bühne, während der Verein „Kulibri“ mit seinem Kabarett- und Comedyprogramm für humorvolle Unterhaltung sorgt. Für Geschichtsinteressierte bietet das Museumsteam des „Haus Hövener“ regelmäßig Ausstellungen an, wohingegen die von „Brilon Kultur“ organisierten Ausstellungen im Rathaus stattfinden.
Als Thomas Mester in diesem Rahmen anfängt, von der „Jazz-Nacht“ zu sprechen, sprüht er regelrecht vor Begeisterung: Als wahrer Jazz-Liebhaber ist es ihm eine Ehre, die diesjährige 30. Briloner „Jazz-Nacht“ zu veranstalten, welche er seit 20 Jahren leitet. Während dieser Zeit griff er bereits einige Male in die obersten Schubladen und holte namhafte Künstler wie Till Brönner nach Brilon, wodurch er die Begeisterung für Jazzmusik auf ein neues Level hob.
Es sei schön zu sehen, dass solche Angebote angenommen werden – auch von jenen, mit denen man nicht gerechnet habe.
Von Jung bis Alt
In Brilon muss man nicht um Publikum kämpfen. Die Menschen, jung und alt, kommen gerne zu den kulturellen Veranstaltungen. Jene wie das Kindertheater sind hervorragende Gelegenheiten, den Kleinen schon früh die Faszination der Kultur näherzubringen. Zudem lege man so den Grundstein, um langfristig ein begeistertes Publikum aufzubauen. Herausforderungen entstünden eher bei der Jugend: Diese für Kultur zu motivieren sei zwar am schwierigsten, aber möglich– man müsse nur die richtigen kulturellen Impulse setzen, verrät Thomas Mester.
„Ich stehe morgens auf und habe Bock zu arbeiten“, sagt er und erklärt, dass vor allem das Zusammenspiel verschiedener Altersgruppen die Branche so wertvoll mache: Wo morgens Kinder ihre Lieder singen, steht abends ein Gitarrist wie Carl Carlton, der den Saal mit Rock’n Roll-Klängen zum Beben bringt.
Grenzenlose Zusammenarbeit
„Brilon Kultur“ beschränkt sich nicht auf die Stadtgrenzen, sondern arbeitet auch aktiv an Projekten, die in Zusammenarbeit mit anderen Orten entstehen. Das kreisweite Tanzprojekt „Sauerland Hop“ ist ein solches Gemeinschaftsprojekt, das von der regionalen Kulturpolitik gefördert wird und an welchem sich neben Brilon noch Olsberg und Winterberg beteiligen.
Das Motto „Morgens Zirkus, abends Theater“ trifft den Nagel auf den Kopf: Langweilig? Ganz sicher nicht.


