Quelle: Ina Zimmermann
Wasserspeicher und Klimaschützer
Früher galten sie als nutzloses Land, das erst eine Entwässerung wertvoll machte. Heute sind Moore Klimaretter und werden erneut vernässt. Warstein hat gleich zwei davon wiederentdeckt und renaturiert sie. Dafür braucht es viel Arbeit, viel Geduld – und jede Menge Moos!
Heidelbeeren, Gräser, Heidekraut, Moospolster, vertrocknete Zweige, umgestürzter Fichten: Das ist es, womit das Moosbruch-Moor in Warstein aufwartet. Nicht auszumachen: Sichtbar feuchtes Gelände – also das, was man eigentlich von einem Moor erwartet. Doch für Revierförster Henning Dictus ist alles genau so in Ordnung. Denn dieses Moor am Kapellenplatz ist ein Hochmoor. Und das hat im Gegensatz zu einem Niedermoor kaum offene Wasserflächen. „Niedermoore liegen in flachen Gebieten, die regelmäßig von Grund- oder Oberflächenwaser überflutet werden. Hochmoore befinden sich dagegen meistens in höheren Lagen. Sie entwickeln sich ausschließlich über Niederschläge“, erklärt der Fachmann. Zudem muss der Boden unter dem Moor so zusammengesetzt sein, dass er kein Wasser durchlässt.
Dictus wirft regelmäßig einen Blick auf das Moosbruch-Moor. Es liegt in seinem Revier und es liegt ihm am Herzen. Denn er war es, der es im Jahr 2000 entdeckt hat. Als schlafendes Juwel sozusagen: Vom Moor war damals nichts mehr zu sehen. Stattdessen wuchsen auf dem drei Hektar großen Gebiet überall Fichten. Doch dem Förster fiel die gewölbte Uhrglasform des Geländes auf – ein Indiz für Hochmoore. „Sie entsteht, weil ständig neues Torfmoos über älteres wächst. In der Mitte wuchert es besonders stark, da dort die Bedingungen ideal sind. Die unteren Schichten sterben ab und werden zu Torf.“
10.000 Jahre alt
Eine Bohrstock-Prüfung lieferte Dictus bald den endgültigen Beweis. „In über drei Metern Tiefe fanden wir immer noch Torf. Heute wissen wir, dass die Schicht satte fünf Meter dick ist.“ Da sie pro Jahr nur etwa einen halben Millimeter zunimmt, begann der Moosbruch vor 10.000 Jahren zu wachsen. Denn abgebaut wurde der Torf nie. Alte Forst-Dokumente zeigen, dass das Moor gegen 1900 entwässert und mit Fichten bepflanzt wurde. Die moorbildenden Torfmoose starben dadurch langsam ab – und damit das Moor. Seitdem entwichen hier viele klimaschädliche Treibhausgase: Während nasse Moore die größten CO2-Speicher der Erde sind, geben trockengelegte Moorböden ihn frei. „Intakte Moore sind daher enorm wichtig für den Klimaschutz“, sagt Dictus. „Nach der Renaturierung speichern die drei Hektar des Moosbruchs so viel CO2 wie 150 Hektar Wald.“ Bis es soweit ist, braucht das Moor aber noch einige Jahre.
Mittlerweile sind dort längst alle Fichten gefällt und die meisten Entwässerungsgräben geschlossen. Die Renaturierung begann zwar sofort nach seiner Entdeckung, doch die Arbeit geht weiter. 2025 verschloss Dictus weitere Gräben mit Erdplomben und entfernte nachwachsende Fichten. Überdies nutzt er jede Gelegenheit, um in seinem Revier Wasser aufzustauen. Dafür legt er an Wegegräben kleine Mulden an und verschließt Rohrdurchlässe.
Quelle: Ina Zimmermann
Quelle: Ina ZimmermannZugleich nimmt im Forst ein weiteres Projekt Fahrt auf: Unter Federführung der Bürgerstiftung Warstein und mit Zuschüssen der NRW-Stiftung wird im Naturschutzgebiet Hamorsbruch und Quellbäche noch ein Moor wiedervernässt. Auf zwei Flächen mit insgesamt 22 Hektar soll sich ein bedrohter Moor-Birkenwald ausbreiten können.
Ohne Moos nichts los
Niederschlag für beide Moore gibt es trotz Klimawandels noch genug. „Es regnet zwar nicht mehr so regelmäßig, aber wenn, dann viel“, erklärt Dictus. Und wiederum kommt das Torfmoos ins Spiel: Es kann längere Trockenzeiten überstehen, aber auch das 30-fache seines Gewichts an Wasser speichern. So verhindert es, dass es selbst nach Starkregen rasant abfließt. Stattdessen verdunstet es stetig Feuchtigkeit und reguliert so den Wasserhaushalt der Umgebung.
Im Moosbruch gibt es zwar noch zuviele Heidelbeeren, aber das Torfmoos breitet sich aus. Laut Thünen-Institut sind sogar seltene Arten dabei. Das bundeseigene Forschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei hat das Moor in seine Liste wichtiger Moore aufgenommen. Von ihm kommt auch ganz offiziell die gute Nachricht: Der Moosbruch erholt sich und wächst wieder!
Quelle: Ina Zimmermann

