
Sie heißen Kunigunde Schnürsenkel, Frau Blümchen, Lola Schnuck oder Berti und Ralli Rabauke. Als Botschafterinnen und Botschafter des Humors bringen sie und ihre Kolleginnen und Kollegen von der Lachfalten AG Freude und Spaß in die Seniorenheime der Region.
Julia Wille hat durch eine persönliche Krise einen ganz neuen Lebensweg entdeckt. Als Clownin Mia Mumpitz bringt sie mit der Lachfalten AG Freude in Seniorenheime und zeigt, wie wichtig Humor für unser Leben ist. Eine Zeit der Depression hatte ihren Lebensweg in eine Art Nebel gehüllt. Sie war unsicher, wohin sie gehen sollte, bis sie eines Tages eine Zeitung aufschlug. Dort sah sie ein rosafarbenes Etwas: das Bild der Clownin Rosalore aus Hamburg. Der Funke sprang sofort über. Die 51-Jährige spürte einen klaren Impuls: „Genau das will ich machen.“ Ohne zu zögern, machte sie sich auf den Weg zu einer professionellen Clown-Schule in Köln.
Diese Entscheidung war der Grundstein für die Lachfalten AG. Die Geschichte der Gruppe begann mit Humorschulungen der Caritas Arnsberg-Sundern, die von Julia Willes Clown-Kollegen Christian Bach geleitet wurde. Aus diesen Kursen entwickelte sich ein fester Kern von begeisterten Menschen, die sich einmal im Monat im Seniorenheim Klostereichen in Neheim-Hüsten trafen. „Als Christian nicht mehr so viel Zeit für die Lachfalten AG aufbringen konnte, fragte er mich, ob ich die Leitung übernehmen möchte“, erinnert sich Julia Wille. „Ich sagte spontan zu und brachte sofort die Idee ein, der Gruppe einen Namen zu geben. So wurde im Jahr 2019 die Lachfalten AG offiziell gegründet.“
Heute besteht die Gruppe aus 18 aktiven ehrenamtlichen Humorbotschaftern: 14 Frauen und vier Männer. Ihre Clown-Namen zeigen die Vielfalt und den Witz der Truppe. Man trifft dort auf Kunigunde Schnürsenkel, Frau Blümchen, Lola Schnuck oder das Duo Berti und Ralli Rabauke. Alle vier Wochen kommt die Gruppe zusammen, um zu üben, sich auszutauschen und die nächsten Einsätze zu planen. Ihr Einsatzgebiet umfasst alle sechs Seniorenheime der Caritas Arnsberg-Sundern sowie ein Wohnheim für Menschen mit Behinderungen.
Die rote Nase als kleinste Maske der Welt fungiert als Türöffner. Sie verleiht eine kindliche Aura und hilft, Hemmungen auf beiden Seiten abzubauen. Die wichtigste Lektion, die die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in den Humorschulungen lernen, ist die Wertschätzung. „Der Clown liebt alle Menschen, egal ob groß oder klein, jung oder alt. Es geht darum, authentisch zu sein und im Hier und Jetzt zu leben“, so die Humorbotschafterin weiter.
„Der Humor ist das Letzte, was uns verlässt, wenn wir irgendwann die Erde verlassen.“
Julia Wille verbreitet als ihr alter Ego Mia Mumpitz viel Freude in Seniorenheimen

Diese Fortbildung unterscheidet den Humorbotschafter vom Klinikclown, der einen anerkannten Lehrberuf hat. Der Auftritt einer Clownin wie Mia Mumpitz beginnt leise. Sie stürmt nicht mit einem lauten „Tada, da bin ich“ in den Raum. Stattdessen spürt sie die Atmosphäre und nimmt die Stimmungen wahr. Ein vorsichtiges Winken, ein langsames Zuneigen zu einer Person. Die Interaktion ist immer individuell. Alles entsteht aus dem Moment.
Eine besondere Begegnung von Mia Mumpitz verdeutlicht die Essenz dieser Arbeit. „Im Zimmer eines Seniorenheims lebten zwei Schwestern. Die eine war begeistert von den Besuchen der Clowns, während die andere sich konsequent abwandte. Nach dem Tod der aufgeschlossenen Schwester versuchten die Clowns erneut, mit ihr in Kontakt zu treten. Aber sie stießen auf harte Ablehnung. Eines Tages standen die Clowns mit einer Ukulele vor der Tür und begannen leise das Lied „Rote Lippen soll man küssen“ zu spielen. „Dieser Klang öffnete die Tür zu ihrem Herzen. Von diesem Moment an waren die Clowns herzlich willkommen.“
Doch nicht jede Begegnung führt zum Lachen. Die Humorbotschafterinnen und Humorbotschafter begegnen auch Traurigkeit oder Ablehnung. Letzteres nehmen sie nicht persönlich, denn sie sind sich der Demenzerkrankungen vieler Bewohnerinnen und Bewohner bewusst. Der Umgang mit Trauer ist jedoch eine andere Herausforderung. Julia Wille hat gelernt, damit umzugehen. „Der Tod ist ein fester Bestandteil meiner Besuche.“ Sie erinnert sich an eine spanische Bewohnerin, mit der die Clowns fröhliche Feste in ihrem Zimmer feierten. Nur zwei Stunden vor ihrem Tod besuchten sie die Frau ein letztes Mal, segneten sie und zündeten später in der Kapelle eine Kerze für sie an.


Die Rolle der Mia Mumpitz hat Julia Wille verändert. Sie sieht viele Dinge nicht mehr so eng und lässt auch mal Fünfe gerade sein. Sie beschreibt die Clown-Rolle als einen „Verstärker des eigenen Ichs“. Die Fähigkeit, Perspektiven zu wechseln und ihren Humor geordnet auszuleben, tut ihr gut. Sie ist überzeugt von der Kraft, die in dieser Arbeit steckt und sagt: „Der Humor ist das Letzte, was uns verlässt, wenn wir irgendwann die Erde verlassen.“
Ihr größter Wunsch ist es, mehr Sichtbarkeit für die Arbeit der Kontaktclowns zu schaffen. Sie träumt davon, dass in jedem Seniorenheim in Arnsberg feste Humorbotschafter regelmäßig die Menschen besuchen. Mit 18 Aktiven ist ein Teil dieses Traums bereits Realität. Ein besseres Netzwerk soll nun dazu beitragen, die Arbeit bekannter zu machen und weitere Unterstützung zu finden. Denn es sind die Begegnungen mit den Menschen, die das Leben lebenswert machen.


