
„Mein Geheimnis ist, dass ich gut zuhören kann!“
Am 1. Januar 1975 wurden die bis dahin selbständigen Städte Meschede, Eversberg und Grevenstein sowie die Gemeinden Calle, Freienohl, Remblinghausen, Meschede-Land und Visbeck zur neuen Stadt Meschede zusammengeschlossen. Heute leben in der Stadt etwas mehr als 30.000 Einwohner auf einer Fläche von 218 Quadratkilometern. Christoph Weber (CDU) aus Freienohl wurde 2015 erstmals zum Bürgermeister von Meschede gewählt, anschließend 2020 wiedergewählt und 2025 mit 62,5 Prozent der Stimmen zum dritten Mal im Amt bestätigt. Für das Stadtporträt Meschede hat WOLL ein Interview mit Bürgermeister Weber geführt.
Gut zuhören
„Warum ich zum dritten Mal als Bürgermeister von Meschede gewählt wurde? Vielleicht, weil ich gut zuhören kann. Das ist wichtig, denn man muss sein Gegenüber und dessen persönliches Anliegen immer ernst nehmen. Jeder Bürger, jede Institution und jeder Verein bekommt einen Termin. Das heißt nicht, dass man es jedem recht machen kann. Ich höre zu, aber die Entscheidung trifft anschließend die Verwaltung mit mir an der Spitze oder gemeinsam mit dem Rat. Offenbar ist in den vergangenen Jahren deutlich geworden, dass mir das ganz gut gelingt“, vermutet Christoph Weber. Gleichzeitig ist das Amt sehr zeitintensiv. Man ist vielseitig unterwegs: Einladungen und Veranstaltungen wahrnehmen, aber auch regelmäßig einfach mal einen Kaffee trinken gehen, um mitzubekommen, was Bürger, Organisationen und Unternehmen wirklich bewegt.
Von Gewässern geprägt
Wohnen in Meschede bedeutet Leben an drei Flüssen: Henne, Wenne und Ruhr. „Unsere Region ist stark von diesen Gewässern geprägt. Die Wasserkraft an Henne, Wenne und Ruhr hat hier, wie auch in anderen Gegenden der Region, den frühen Schritt in die Industrialisierung ermöglicht. Aus Handwerksbetrieben entwickelten sich früh industrielle Fertigungen. Zudem hat Meschede den Übergang ins Zeitalter der Elektrizität nicht verschlafen. Deshalb ist die Stadt sehr früh und gut in das industrielle Zeitalter gestartet“, erläutert Weber. Er ist überzeugt, dass kaum eine Klein- oder Mittelstadt im Sauerland in ihrer Entwicklung so stark von den beiden Weltkriegen beeinflusst wurde wie Meschede. „Im Ersten Weltkrieg waren im Gefangenenlager an der Lagerstraße zeitweise bis zu 15.000 Soldaten interniert – deutlich mehr, als Meschede damals Einwohner hatte (rund 3.000). Im Zweiten Weltkrieg wurde die heutige Innenstadt bei drei großen Luftangriffen zu etwa 80 Prozent zerstört. Nicht umsonst gibt es hier das Coventry-Kreuz, denn auch die englische Stadt Coventry wurde schwer bombardiert. Wir pflegen eine inoffizielle Patenschaft mit dieser Stadt. Das erklärt auch, warum es in der Mescheder Kernstadt kaum noch Fachwerkhäuser gibt und die Baukultur sich von anderen Sauerländer Städten unterscheidet.“

Vielfalt als prägendes Element
Eine weitere Besonderheit Meschedes ist das Zusammenleben vieler Menschen unterschiedlicher Herkunft. Direkt nach dem Zweiten Weltkrieg kamen zahlreiche Flüchtlinge aus Schlesien, viele blieben dauerhaft. Es folgten zwei Gastarbeiterwellen: Zunächst wurden Griechen, Spanier und Portugiesen angeworben, ursprünglich mit der Idee, dass sie nur einige Jahre bleiben würden. Noch heute leben viele Portugiesen und Griechen in der Stadt. „Die zweite Welle war stark türkisch geprägt. Große Arbeitgeber wie Honsel waren wichtige Anziehungspunkte. Auch viele dieser Menschen sind geblieben. Hinzu kommen die Flüchtlingsbewegungen des vergangenen Jahrzehnts“, sagt Weber. Diese Entwicklung prägt das kulturelle Leben: mit der Abtei K.nigsmünster, katholischen und evangelischen Kirchen, einer großen Baptistengemeinde sowie mehreren muslimischen Gemeinden, für eine Stadt dieser Größe bemerkenswert. Besonders sichtbar ist diese Vielfalt in Meschede und Freienohl, während andere Ortsteile ihre dörflichen Strukturen bewahrt haben. Der Bürgermeister spricht weniger von 49 Ortsteilen, denn das sei eher verwaltungsrechtlich relevant. „Für mich besteht die Stadt aus sechs historischen Kulturbereichen: den ehemaligen Freiheiten Meschede und Freienohl mit Amtsstatus, den früheren
Städten Eversberg und Grevenstein sowie den Kirchspielen Calle und Remblinghausen. Diese historisch gewachsenen Bereiche spielen bis heute eine wichtige Rolle, etwa bei der Kindergarten- und Grundschulplanung. Viele Vereine und Organisationen orientieren sich noch immer daran.“
Meschede überregional positionieren
Gefragt nach drei Aushängeschildern der Stadt nennt Weber die Abtei Königsmünster mit ihren Einrichtungen auf dem Klosterberg, den Hennesee mit der Himmelstreppe und die Walburga-Pfarrkirche. „Darüber hinaus haben wir noch viel mehr zu bieten. Das gastronomische Angebot ist hervorragend, in allen Preisklassen und Geschmacksrichtungen. Das müssen wir noch stärker nach außen darstellen.“ Auch das Bildungsangebot sei ein großer Pluspunkt: zwei Gymnasien, zwei Realschulen, zwei Hauptschulen, ein Berufskolleg sowie die Fachhochschule Südwestfalen am Standort Meschede.
Trotz einzelner Leerstände ist Weber überzeugt von der Attraktivität der Innenstadt. Rat und Verwaltung hätten städtebaulich gute Arbeit geleistet und verlässliche Rahmenbedingungen für Handel und Gewerbe geschaffen. „Ich bin sicher, dass Meschede eine lebendige Innenstadt behalten wird.“ Die Stadt profitiert zudem vom Tagestourismus, etwa von Radfahrern auf dem RuhrtalRadweg oder Besuchern des Hennesees. Auch Urlauber aus Winterberg und Schmallenberg kommen gerne an den See und in die Stadt. Viele Gastronomiebetriebe ermutigen ihre Mitarbeitenden sogar, einen VHS-Niederländischkurs zu besuchen. „Ein Problem sehe ich nur dann, wenn die Urlaube im Sauerland immer kürzer werden und ein Besuch in Meschede nicht mehr ins Programm passt“, so Weber abschließend.





