Merz in Meschede: „Mehr Sauerland für Deutschland“ bleibt mein Anspruch

Bundeskanzler stellt den Hochsauerlandkreis als Vorbild für Wirtschaft, Lebensqualität und Zusammenhalt vor – 177,8 Millionen Euro Bundesmittel für die Kommunen.

(hh) – Nicht die große Weltpolitik, sondern seine politische Heimat stand im Mittelpunkt: Bundeskanzler Friedrich Merz hat am Montag, 13. Juli 2026, in Meschede Bilanz seiner Arbeit als direkt gewählter Bundestagsabgeordneter des Hochsauerlandkreises gezogen. Seine Botschaft: Das Sauerland profitiert von der Bundespolitik – und kann zugleich Vorbild für ganz Deutschland sein.

Merz machte gleich zu Beginn deutlich, worum es ihm ging. Er wolle vor den Sommerferien noch einmal über seine Arbeit als direkt gewählter Bundestagsabgeordneter berichten. Trotz der Verantwortung als Bundeskanzler bleibe der Hochsauerlandkreis für ihn weit mehr als ein Wahlkreis. Hier sei er zu Hause, hier erlebe er unmittelbar die Auswirkungen der Politik und hier finde er auch den Maßstab für viele Entscheidungen in Berlin.

Dabei knüpfte er an den Wahlslogan an, mit dem er in den Bundestagswahlkampf gezogen war: „Mehr Sauerland für Deutschland.“ Auf die Frage von WOLL, wie viel davon nach einem Jahr im Kanzleramt geblieben sei, antwortete Merz eindeutig:

„Dieser Wahlslogan, der ist in ganz Berlin bekannt. Und meine Kabinettskollegen genauso wie meine Bundestagskolleginnen und Kollegen wissen das einzuschätzen: bodenständig und weltoffen. Das ist das, was wir immer von uns selbst sagen und so sind wir auch.“

Für ihn sei der Satz deshalb unverändert aktuell. Er versuche, „mit normalem Menschenverstand“ die politischen Aufgaben zu lösen, vor denen die Bundesregierung stehe. Gerade diese Bodenständigkeit verbinde er mit dem Sauerland.

177,8 Millionen Euro für den Hochsauerlandkreis

Ein Schwerpunkt der Pressekonferenz war die finanzielle Unterstützung des Bundes für den Hochsauerlandkreis. Friedrich Merz machte deutlich, dass alle zwölf Städte und Gemeinden sowie der Hochsauerlandkreis selbst unmittelbar vom Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität profitieren. Insgesamt fließen 177.804.124,55 Euro in kommunale Infrastrukturprojekte.

„Mit den Geldern können wichtige Infrastrukturprojekte vor Ort angegangen werden“, betonte Merz. Die Investitionen reichten von der Modernisierung kommunaler Einrichtungen über Maßnahmen der Klimaanpassung bis hin zu Projekten, die die Zukunftsfähigkeit der Städte und Gemeinden nachhaltig stärken sollen. Nach Angaben des Bundeskanzlers summieren sich die Förderzusagen zusammen mit weiteren Bundesprogrammen – unter anderem der KfW, dem Fraunhofer-Institut in Schmallenberg, dem Technischen Hilfswerk sowie Förderungen für Sport und Kultur – sogar auf rund 375 Millionen Euro, die in den Hochsauerlandkreis fließen oder bereits geflossen sind.

So profitieren die Kommunen im Hochsauerlandkreis

Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität

KommuneFördermittel
Arnsberg33.184.398,93 €
Bestwig5.345.298,37 €
Brilon14.396.564,81 €
Eslohe5.855.189,85 €
Hallenberg3.142.854,66 €
Marsberg11.549.432,06 €
Medebach6.014.557,31 €
Meschede15.634.350,41 €
Olsberg7.990.232,22 €
Schmallenberg16.257.194,47 €
Sundern14.392.578,78 €
Winterberg8.480.647,77 €
Hochsauerlandkreis35.560.824,91 €
Gesamt177.804.124,55 €

Industrieregion im Grünen

Immer wieder beschrieb Merz den Hochsauerlandkreis als eine Region, deren besondere Stärke gerade im Zusammenspiel von Industrie und Natur liege.

Familiengeführte Industrieunternehmen, handwerkliche Betriebe und eine außergewöhnliche Landschaft seien kein Widerspruch, sondern die Grundlage für die hohe Lebensqualität der Region. Genau dieses Bild wolle er auch in Berlin vermitteln.

Auf die Frage, ob das Sauerland heute in der Hauptstadt bekannter geworden sei, antwortete Merz:

„Das Bild unserer Region, das Bild des Sauerlandes hat sich in den letzten Jahren in Berlin verändert – und zwar durch die Bank zum Besseren. Die meisten Kolleginnen und Kollegen wissen heute, was ich an dieser Region habe und teilen ein bisschen die Einschätzung, dass dies eine fantastische Region ist.“

Strukturwandel mit Zuversicht

Großen Raum nahm die wirtschaftliche Entwicklung ein. Der Bundeskanzler verschwieg nicht, dass auch der Hochsauerlandkreis unter dem Strukturwandel der Industrie leidet. Besonders Automobilzulieferer stünden unter erheblichem Druck. Gleichzeitig sieht Merz die Region besser aufgestellt als viele andere Teile Deutschlands.

Grund dafür seien die vielen Familienunternehmen, die langfristig dächten, Verantwortung für ihre Beschäftigten übernähmen und auch in schwierigen Zeiten versuchten, ihre Belegschaften zusammenzuhalten. Gerade dieses unternehmerische Selbstverständnis mache den Hochsauerlandkreis widerstandsfähiger als viele andere Industriestandorte.

Medizinische Versorgung als Zukunftsfrage

Ein weiteres Schwerpunktthema war die Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum. Merz stellte das Landarztprogramm des Hochsauerlandkreises und der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe heraus, für das er die Schirmherrschaft übernommen hat.

Mehrere neue Ärztinnen und Ärzte konnten bereits für die Region gewonnen werden. Auch die kinderärztliche Versorgung soll dadurch verbessert werden. Für Merz gehört eine wohnortnahe medizinische Versorgung zu den entscheidenden Voraussetzungen dafür, dass ländliche Regionen attraktiv bleiben.

Windkraft bleibt ein schwieriger Balanceakt

Ausführlich beantwortete der Bundeskanzler auch Fragen zum Windkraftausbau im Hochsauerlandkreis. Dabei räumte er die Konflikte zwischen Energiewende, Landschaftsschutz, Tourismus und den Interessen der Grundstückseigentümer offen ein.

Er erinnerte daran, dass viele grundlegende energiepolitische Entscheidungen bereits vor Jahren getroffen worden seien. Heute müsse Politik unter diesen Rahmenbedingungen verantwortungsvolle Lösungen finden. Ziel sei gewesen, den weiteren Ausbau der Windenergie stärker zu steuern, Wildwuchs zu verhindern und gleichzeitig eine sichere Energieversorgung Deutschlands zu gewährleisten.

Politik braucht klare Worte – und Kompromisse

Im anschließenden WOLL-Interview wurde Merz gefragt, ob zum Sauerland nicht auch gehöre, klare Kante zu zeigen und Dinge offen anzusprechen.

Seine Antwort fiel ebenso eindeutig aus:

„Dass man in einer Koalition Kompromisse machen muss und versuchen muss, gemeinsame Wege zu gehen, gehört auch dazu. So ist Demokratie. Demokratie ist nie schwarz oder weiß, sondern ist immer auch mit vielen Grautönen und ist mit vielen Kompromissen verbunden.“

Das Sauerland als Botschafter seiner Politik

Am Ende blieb der Eindruck, dass Friedrich Merz seine Heimatregion weiterhin als politischen Kompass versteht. Für ihn ist der Hochsauerlandkreis weit mehr als sein Wahlkreis. Er ist Beispiel für wirtschaftliche Stärke, gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Verbindung von Natur, Mittelstand und Lebensqualität.

Oder, wie Merz es selbst formuliert:

„Das Bild unserer Region … hat sich in den letzten Jahren in Berlin verändert – und zwar durch die Bank zum Besseren.“

Nach seiner Überzeugung ist das Sauerland heute nicht nur in Berlin angekommen. Es ist zu einem positiven Beispiel dafür geworden, wie ländliche Räume Zukunft gestalten können – bodenständig, weltoffen und mit einem gesunden Menschenverstand.

Ob Wirtschaft, medizinische Versorgung, Energiepolitik oder kommunale Entwicklung – Friedrich Merz nutzte den Termin in Meschede, um den Hochsauerlandkreis als Modellregion für Deutschland zu beschreiben. Das Sauerland, so seine Botschaft, sei weit mehr als Heimat und Wahlkreis. Es stehe für Bodenständigkeit, Innovationskraft und gesellschaftlichen Zusammenhalt – Werte, die nach seiner Überzeugung auch in Berlin stärker wahrgenommen werden.