LWL präsentiert das Wort des Monats: Kunkelfuse

Quelle: LWL

„Kunkelfuse“ – ein geheimnisvolles Etwas

„Solche Rätsel sind Teil der mündlichen Überlieferung der Alltagssprache“, erklärt Dr. Markus Denkler, Geschäftsführer der Kommission für Mundart- und Namenforschung beim LWL. „Wir finden sie zum Beispiel in volkstümlichen literarischen Kleinformen.“

Die folgenden Verse aus dem Westfälischen Wörterbuch belegen das Rätselwort:

„Ächter uesen Hiuse

Stoiht ne Kunkelfiuse.

Brännt un brännt Dag un Nacht,

Un brännt duoch kein Hius aff.“

Auf Hochdeutsch heißt das: „Hinter unserem Haus steht eine ‚Kunkelfuse‘. Brennt und brennt Tag und Nacht, und brennt doch kein Haus ab.“

In diesem Rätsel aus dem Südwestfälischen ist „Kunkelfuse“ Stellvertreter für das plattdeutsche Wort „Brenniëtel“ (hochdeutsch: „Brennessel“). Das Wort „Kunkelfuse“ bedeutet aber nicht „Brennessel“. Denn „Kunkelfuse“ ist der Platzhalter für das Wort, das erraten werden soll und liefert den passenden Reim.

Seit dem 17. Jahrhundert ist das Wort „Kunkelfuse“ in Norddeutschland vor allem als „Streich“ oder „Posse“ belegt. In Westfalen ist es südlich der Lippe besonders in Rätseln verbreitet. Ebenfalls üblich sind dort die Wörter „Kunkelduse“ und „Firlefuse“, die den gleichen Zweck erfüllen. „Solche Wörter zeigen die Freude am Spiel mit der Sprache“, so Denkler.

Hintergrund:

Wort des Monats

„Knieptange“, „Kinnergaoren“, „Maihdiärschker“ – die Bedeutung dieser plattdeutschen Wörter kann man relativ leicht aus dem Hochdeutschen herleiten. Sie stellen nämlich genaue lautliche Entsprechungen von „Kneifzange“, „Kindergarten“ und „Mähdrescher“ dar. Der Wortschatz des Plattdeutschen ist allerdings über die Jahrhunderte eigenständig gewachsen, und so finden sich viele Wörter, die sich nicht so einfach aus dem Hochdeutschen herleiten lassen. Der LWL stellt deshalb seit 2019 das „Wort des Monats“ vor. Hier finden sich alle Wörter des Monats: https://www.mundart-kommission.lwl.org/de/forschung/niederdeutsch/wort-des-monats/