Leistung hat viele Formen: Wie im LenneWerk beeindruckende Fähigkeiten wachsen

Quelle: Privat

In der Schreinerei des Sozialwerks St. Georg LenneWerk gGmbH zeigt sich eindrucksvoll, wie vielfältig Leistung sein kann – besonders dann, wenn Menschen die Chance erhalten, ihre Fähigkeiten zu entfalten. Zwischen Holzstapeln, Werkbänken und moderner Maschinentechnik arbeitet Patrick D., der seit acht Jahren im LenneWerk beschäftigt ist, den größten Teil davon in der Schreinerei. „Ich habe auch in andere Bereiche reingeschnuppert“, erzählt er über absolvierte Praktika, „aber hier in der Schreinerei gefällt mir die Mischung aus Einzeltätigkeiten und Teamarbeit am besten.“

Nun hat Patrick D. eine neue Herausforderung gemeistert: Er wurde in die Bedienung einer CNC‑Fräsmaschine eingewiesen – ein technisch anspruchsvoller Prozess, der Konzentration, Präzision und Lernbereitschaft erfordert. Patrick lebt mit einer kognitiven Beeinträchtigung und einer Lese‑/Schreibschwäche. Entscheidend war deshalb eine passgenaue Lernumgebung: strukturierte Vier‑Stufen‑Unterweisung, visuelle Unterstützungen wie Fotos und Piktogramme sowie die engmaschige Begleitung der Gruppenleitungen. „Mir helfen die Bilder sehr. Ich kann den Ablauf Schritt für Schritt sehen und dann alleine nachmachen“, sagt er. So hat er gelernt, die Maschine sicher zu starten und die Nullstellung der Achsen korrekt durchzuführen. Künftig übernimmt er einfache Rüstvorgänge – ein sichtbares Plus an Selbstständigkeit und Verantwortung.

Leistung zeigt sich im LenneWerk jedoch auf vielen Ebenen. Während Patrick D. den Zugang über strukturierte technische Unterweisung findet, entstehen in einem anderen Bereich kreativ entwickelte Assistenzlösungen, die Menschen mit komplexen Bedarfen aktive Teilhabe ermöglichen. Im Arbeitsbereich LebensWerk wurde für eine Beschäftigte, die blind, gehörlos und auf umfassende Unterstützung angewiesen ist, eine maßgefertigte Arbeitsvorrichtung entwickelt, damit sie trotz ihrer Beeinträchtigungen selbstwirksam tätig sein kann. Durch das Drücken eines Buzzers löst sie einen Arbeitsschritt aus: Ein „Sauerlandbrenner“ fällt in ein Jutesäckchen, während gleichzeitig ein Fön oder eine Massagematte aktiviert wird – Reize, auf die sie stark anspricht und die sie über ihre Haut intensiv wahrnimmt. Für die Beschäftigte bedeutet dieser Moment, dass sie bewusst etwas auslösen kann – eine unmittelbare Erfahrung von Wirkung und damit echte Teilhabe am Arbeitsleben.

„Es geht darum, die Erfahrung zu ermöglichen, etwas aktiv zu bewirken“, erklärt Fachbereichsleitung Jessica Kiepke. Dass der Bereich heute den Namen „LebensWerk“ trägt und bewusst nicht mehr „Schwerstmehrfachbehindertenbereich“ genannt wird, unterstreicht genau diesen Ansatz: weg vom Defizitblick, hin zur Sicht auf Fähigkeiten, Interessen und Entwicklungsmöglichkeiten. So unterschiedlich die Wege sind, die Botschaft ist dieselbe: Arbeit wird möglich, wenn Unterstützung klug gestaltet ist.

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Patrick D. denkt bereits an die nächsten Schritte. „Ich möchte noch selbstständiger an der CNC werden“, sagt er, „und lernen, verschiedene Programme für die Holzbearbeitung einzustellen.“ Dazu passt sein zweites Ziel: mehr Möbelbau und Sonderaufträge übernehmen – Bereiche, in denen das CNC‑Know-how unmittelbar weiterhelfen kann. Die Richtung stimmt. „Ich bin stolz, dass ich mich in der Selbstständigkeit gut entwickelt habe – im Beruf und privat.“

Dieser Stolz zeigt sich im Alltag an vielen kleinen, aber entscheidenden Dingen: Ordnung und Sauberkeit halten, den eigenen Arbeitsplatz kontrollieren, Maschinen prüfen und Abläufe im Blick behalten. „Mir ist wichtig, dass alles reibungslos läuft. Wenn ich unsicher bin, frage ich meine Gruppenleitungen – das klappt immer gut.“ Es sind genau diese Haltungen – Verantwortungsbewusstsein, Lernbereitschaft, Teamgeist –, die zeigen: Leistung hat viele Formen. Und alle verdienen Anerkennung.